Graf Reitzenstein
Als sie auftrat, ging ein glückliches Seufzen durch das Haus. Da stieg die ganze Venus aus dem Meer. Dieser Nacken, diese Schultern, dieser Hals, die Bewegung, die anmutvolle Hingabe, dies Sichverlieren in süßester Heiterkeit! Ich sah Männer zittern und Frauen bleich werden. Jede Miene will ihre angeborne Trägheit vergessen, doch ihr selbst nahen keine Wünsche, nur Vergötterung umfängt sie. Ahnungslos und unergriffen wandelt sie durch die gesammelte Bewunderung hindurch, wie wenn ihr der Traum der letzten Nacht als Schleier um die Seele gehüllt wäre, – und lächelt.
Gentz
Sie haben recht, Felix. Ihr Lächeln ist das Wunderbarste. Es scheint aus einer tiefen Quelle aufzusteigen, wo die Genien wohnen, die den Menschen wohlwollen. Keine Heiterkeit deutet so viel Schicksal wie ihre.
Graf Reitzenstein
Zur Fuchs kam sie spät, erst nach der Vorstellung. Man war schon ein wenig müde. Aber als sie eingetreten war, begann der Tag von neuem. Sie setzt sich neben die Hausfrau und blickt sie zärtlich und vertrauensvoll an. Sie plaudert, und Worte sind plötzlich edel. Die Luft, die sie atmet, mitzuatmen, macht glücklich.
Gentz
Wenn man Sie hört, Felix, sollte man glauben, ein Verliebter spricht.
Graf Reitzenstein
Und wenn ich’s wäre?