Graf Reitzenstein
(wehmütig lächelnd)
Sie scheinen es also für unmöglich zu halten daß Fanny – (Er stockt, da Gentz mit scharf markierten Schritten auf ihn zugeht.)
Ja, Felix! Unmöglich! Unmöglich kann Sie Fanny lieben!
Graf Reitzenstein
Ich dachte nicht an mich. Offen gestanden, lieber Gentz –
Gentz
(ergreift die Hand des Grafen)
Hören Sie mich an, Felix. Ich sage unmöglich, nicht, weil ich Ihren Wert nicht kenne. Die schönste, die vornehmste, die stolzeste Frau muß sich glücklich schätzen, Sie zu besitzen. Aber die schönste, die vornehmste, die stolzeste Frau, was tut sie am Ende, wenn sie liebt? Sie opfert Ihnen ihre Jugend. Ihre Schönheit ist nur dazu da, um von Ihnen, dem Geliebten, begehrt und genossen zu werden. Und sei sie lasterhaft wie Messalina oder eine Lucretia an Tugend, sie ist ein Weib und zwischen ihr und Ihnen ist nichts als die kleinen und großen Gefahren und Lockungen der Liebe. Fanny hingegen ist eine Tänzerin. Eine wirkliche, gottbegnadete Tänzerin. Verstehen Sie, was das heißt?