Der sicherste Beweis der Paarung ist, wenn die Vögel die Nestgelegenheiten untersuchen. Als solche eignen sich am besten die verschiedenen Holznistkasten mit Sitzstange und Einschlupfloch. Verweilt einer des Paares öfter und längere Zeit in dem Kasten oder wechseln sich beide hierin ab, so darf man sicher sein, falls keine Störungen eintreten, daß sie zur Brut schreiten. Man lasse sie ganz ungestört, denn die Erfahrung hat gelehrt, daß sie oft bei der geringsten Beunruhigung Nest, Gelege etc. verlassen und dann lange keine Anstalten zu einer weiteren Brut unternehmen.
Im Nistkasten, dessen Boden muldenförmig vertieft sein muß, ist weiter nichts anzubringen als wie eine Schicht von Sägespänen und diese auch nur einige Millimeter hoch; weiteres Nistmaterial brauchen sie nicht, höchstens der Mönchsittich, der allein freistehende Nester aus dünnen Reisern baut, muß diese in genügender Menge haben.
Nach einiger Zeit wird das Päärchen merkwürdig ruhig, man sieht das Weibchen seltener vor dem Nest, und auf der Sitzstange hält das Männchen treulich Wacht, versorgt die Brüterin reichlich mit Futter und sucht jede Störung fern zu halten. Manche Männchen sind während dieser Zeit wenig umgänglich und sogar boshaft und bissig.
Die Neugierde muß man zügeln, denn die Nester dürfen nicht nachgesehen werden, es sei denn daß es ein nach außen hängendes Nest am Käfig ist; doch auch dies muß mit äußerster Vorsicht geschehen, wenn man nicht will, daß das Weibchen sein Nest verläßt. Die Eier der kleinen Papageien haben alle eine weiße Farbe und die der verschiedensten Arten gleichen sich in Form und Farbe mehr oder weniger.
Etwa in der vierten Woche wird bei einem gut bebrüteten Gelege eine wesentliche Aenderung eintreten. Das Männchen wird unruhiger, fliegt fortwährend zum Futternapf, füllt den Kropf [und] kehrt schleunigst zum Nest zurück. Bei aufmerksamem Lauschen hört man leises Pipsen oder Gezwitscher; die Jungen sind ausgekommen — aber auch jetzt noch und bis zum Ausfliegen derselben Geduld und möglichste Ruhe. Erst wenn die Jungen am Flugloch erscheinen und um Futter betteln, kann man vorsichtig den Deckel des Kastens lüften und nachschauen, denn nun ist die Zeit gekommen wo die Jungen bald das Nest verlassen werden. Dies ist für den Vogelfreund der interessanteste Theil der Brutperiode, sieht er doch seine Mühe und Sorgfalt belohnt und kann sich nun an dem beginnenden Familienleben ergötzen.
Sobald die Jungen das Nest verlassen, muß immer reichlich Futter bereit stehen, da sie bald selbst zur Aufnahme desselben übergehen. Alle tieferen Gefäße mit Wasser sind zu vermeiden, damit die Vögelchen nicht ersaufen, höchstens kleine flache Schüssel oder besser noch pneumatische Trinkgefäße, um somit jegliche Gefahr zu beseitigen. Auch eignen sich flache Schüsseln besser zum Baden der Vögel.
Vogelstube.
Geräumige Käfige, ebenso Zuchtkäfige wie auch die verschiedenen Nistkasten führen jede bessere Vogelhandlung, und dürfte deren Beschreibung überflüssig sein. Volieren werden meist nach einer Zeichnung angefertigt und richtet sich deren Herstellung nach Raum, Lage und Mittel, dagegen soll die Beschreibung einer einzurichtenden Vogelstube hier kurz folgen.
Zu einer Vogelstube eignet sich jedes Zimmer; die beste Lage ist nach Süden oder Südwesten, denn Sonne und Licht muß einfallen um den Raum zu erhellen und zu erwärmen. Die Fenster müssen von außen mit engem Drahtgeflecht verschlossen sein, damit dieselben bei gutem Wetter geöffnet werden können. Je nach der Größe des Raumes und der Zahl der zu haltenden Vögel, kann man die Vogelstube in Abtheilungen einrichten und dies erzielt man leicht und ohne große Kosten durch Rahmengestelle von Holzlatten, die mit engem Drahtgeflecht überzogen werden. Auf diese Weise lassen sich leicht Absperrungen und besondere Bruträume herstellen. Die Wände der Vogelstube dürfen weder in Oelfarbe gestrichen noch mit Tapete überzogen sein; am besten ist glatter Mörtelverputz und gekalkte Wände. Den Fußboden muß man so herrichten, daß er nicht zu kalt ist und mit einer Lage Fluß- oder Bachsand versehen, zudem öfter reinigen um dem Ungeziefer die Gelegenheit zu nehmen, sich einnisten zu können. Auch die Holzlatten der Rahmengestelle dürfen nicht mit Oelfarbe gestrichen sein, weil Papageien diese benagen und bleihaltige Farben zu Vergiftungen und schmerzlichem Tode führen.