Sechs Wochen lebe ich schon in diesem Glück. Uns fehlt nichts. Wenn wir gesund bleiben, möchte ich mit keinem Menschen tauschen.
Ketty ist fleißig, haushälterisch, freundlich und zuvorkommend. Sie versteht es, meinen Eltern jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Sie ist die Sonne des Hauses.
Neues Leben hat sie auf unsern Hof gebracht. Ich habe noch nie so leicht, so gerne gearbeitet. Erst jetzt hat die Arbeit Lebenszweck. Ich weiß, für wen ich arbeite.
Merkwürdig. Wie das alles gekommen ist seit diesem Abschiedsbrief von Berta.
Ich habe gekämpft, gestrebt, mich aufgelehnt. Ich trauerte mit Berta um das verlorene, entrissene Glück. Ich wollte nicht den neuen Weg zum neuen Glück gehen.
So ging eine Woche um die andere dahin. Meine Herzenswunde vernarbte, und die Trauer verwandelte sich nach und nach in Entsagung, stilles Gedenken.
Ich dachte noch oft an Berta. Aber meine Gedanken hafteten nicht untätig, gelähmt an ihr. Sie flogen weiter, suchten Bertas Freundin auf. Und die Sehnsucht ging neben uns und flüsterte mir von Glück und schöner Zukunft. Und Berta zeigte auf Ketty. Ich hörte sie sagen: „Greif zu, dort ist dein Glück.“
So gingen meine Gedanken. Zuerst verschwommen, dann stärker, sehnsuchtsvoller.
Das war keine Untreue. Das war der Wille Bertas.
So schlich sich nach und nach das Bild der blonden Ketty in mein Herz.