Den vierten Mondtag sind wir schon unterwegs. Als die Sonne heute aufging, erhob sie sich nicht mehr gerade zur Höhe steigend, sondern schleppte sich am Horizont, gerötet kaum einige Fuß über der bläulichen Linie der Berge im Südosten. Das ist ein Zeichen, daß wir uns dem Ziel unserer Fahrt nähern. Im Norden taucht eine Bergkette vor mir auf; ich unterscheide schon mit bloßem Auge die höchsten, ewig von der Sonne beleuchteten Gipfel und die Schlucht, die das Tor zu der Polarmulde bildet.
Das Herz schlägt mir zum Zerspringen ...
Der heutige Tag wird kein Ende haben, denn in dem Augenblick, da die Sonne auf dieser Halbkugel untergehen müßte, werden wir schon auf dem Pol sein, im Land der ewigen Dämmerung, wo zu jeder Stunde gleichzeitig Morgen, Abend, Mittag und Mitternacht für die verschiedenen Meridiane ist, deren Knotenpunkt man dort unter den Füßen hat.
Und dort — werde ich die Erde sehen!
*
Im Polarlande.
Nach vier Mondtagen der Fahrt, gerade zu der Stunde, da die Sonne in den Gegenden an den Warmen Teichen untergehen sollte, kam der große Augenblick. Wir sind durch die Schlucht der Bergkette hindurchgekommen, die die Grenzmauer der Polarmulde bildet.
Mit einer tiefen Rührung betrat ich dieses Land, die Augen nach der Himmelsrichtung lenkend, wo sich mir bald die Erde zeigen sollte, und als ich sie plötzlich in der Spalte der Felsen erblickte, war ich so bis ins Innerste der Seele erschüttert, daß ich zunächst meine Begleiter ganz vergessen hatte. Erst nach einer Weile, als ich mich von den Knien erhob (denn kniend begrüßte ich sie, meine geliebte Heimat, und mit ausgestreckten Händen, wie sie ein Kind der Mutter entgegenstreckt), sah ich auf meine Umgebung. Jan und sein ältester Sohn wie seine beiden Brüder, die mit mir hierhergekommen sind, standen mit entblößten Häuptern, wie versteinert, mit einer heiligen Furcht in den Zügen, die starren Blicke auf das Halbrund der Erde gerichtet; vor ihnen Ada, die Arme zu dem Sterne der Wüste erhoben. Geraume Zeit ging vorüber, bis sie sich endlich zu ihren in Nachdenken versunkenen Kameraden wandte:
— Von dort ist er gekommen, sagte sie mit gedämpfter Stimme, als wenn sie nicht wollte, daß ich es höre, und dorthin wird er zurückkehren, wenn die Zeit erfüllt ist. Werft euch zu Boden.
Und sie warfen sich zu Boden vor dem Anblick der Erde, auf der ihre Väter einst gelebt haben ...