Nachdem wir allen Mut verloren hatten und gänzlich erschöpft waren, ließen wir endlich von der zwecklosen Arbeit ab. Tomas bemühte sich noch uns damit zu trösten, daß wir vielleicht etwas weiter gegen Norden dichtere Atmosphäre finden würden, bei der sich unsere Pumpe gebrauchen ließe, aber ich weiß, daß er selbst nicht daran glaubt. Auf der ganzen mächtigen Strecke des Mare Imbrium wird sie gleich dünn sein und ehe wir diese zurücklegen, wird unser Luftvorrat ausgehen und kommen, was unabwendbar ist. In zweihundertneunzig Stunden müssen wir sterben.

Trotzdem werden wir, sobald es nur hell und wärmer wird, aus dieser Spalte herausfahren und weiter nach Norden eilen. Das führt freilich zu nichts, aber auch das Hierbleiben führt zu nichts. Und vielleicht ... vielleicht ... werden wir dennoch irgendwo etwas dichtere Atmosphäre finden ...

An derselben Stelle, siebzig Stunden nach Mitternacht.

Endlich entdeckten wir die Ursache, durch die wir unsere Luftvorräte verloren haben. Die Behälter wurden während des Herabgleitens des Wagens von den Abhängen des Eratosthenes beschädigt. Ein scharfer Stein, der auf dem Wege, auf dem der Wagen hinabglitt, gelegen, hat sich tief eingezeichnet und der innere Druck des Gases tat das übrige. Die Risse sind sichtbar. Zwei Dinge setzen mich bei alledem in Erstaunen; erstens, daß der Druck der verdichteten Luft die beschädigten Behälter aus Erz nicht zersprengte, und zweitens, daß wir den Verlust nicht früher bemerkten ... Ich zerbreche mir über diese Rätsel den Kopf, als wenn ihre Lösung unsere Lage irgendwie ändern könnte.

Ich kann an nichts anderes denken; immer und immer steht mir dieses Gespenst des Todes vor Augen. Und das Schrecklichste dabei ist die Gewißheit, daß wir sterben müssen, und uns dabei vollständig gesund fühlen. Das vergrößert das Grauen dieses Furchtbaren, das über uns kommen soll. Tomas ist am ruhigsten von uns allen, aber ich sehe, besonders aus seinem Benehmen Martha gegenüber, daß auch er unaufhörlich daran denkt. Er läßt mit einer fast weiblichen Zartheit die Hand über ihr Haar gleiten und sieht sie dabei an, als wenn er sie um Verzeihung bitten wollte. Und sie küßt seine Hand, nur mit dieser Liebkosung und den Augen zu ihm sagend: Gräme dich nicht, Tom, — alles ist gut, wir werden ja zusammen sterben ...

Für sie ist das vielleicht ein Trost, daß sie zusammen sterben, aber für mich, ich gestehe es offen, verkleinert die Gemeinsamkeit des Schicksals in nichts seine Grausamkeit. Mein ganzes Innere bäumt sich so maßlos gegen dieses Ungeheuerliche auf, daß alle Reflexionen vergebens sind. Ich bemühe mich klar und nüchtern zu denken, — ich versuche mir über alles Rechenschaft zu geben; hundertmal wiederhole ich mir, daß ich zusammen mit diesen Menschen sterbe, als das freiwillige Opfer eines übermächtigen Dranges nach Erkenntnis, der uns von der Erde fortgerissen und auf diesen unwirtlichen Globus geworfen hat, ich rede mir gewaltsam ein, daß ich mich mit diesem Schicksal aussöhnen und Ruhe bewahren muß. Und trotz all dieser Reflexionen fühle ich immer nur eins: Angst, grenzenlose, verzweifelte Angst! Ah — es ist so grauenhaft, unerbittlich, und es nähert sich so langsam ...

Ich begreife wirklich nicht, warum wir nicht daran denken, diesem fürchterlichen Zustand ein Ende zu machen. Es liegt doch in unserer Macht, dieses Leben von uns zu werfen, jetzt, wo es nur noch eine lächerliche Parodie des Lebens ist! ...

Eine Stunde später.

Nein, ich kann es nicht! Ich weiß nicht, was mich zurückhält, aber ich kann nicht. Vielleicht ist es diese kindische Sehnsucht nach der Sonne, dem guten Stern des Tages, der bald über uns aufgehen soll, vielleicht ein lächerlicher, fast tierischer Trieb zum Leben, obwohl es nur noch einige Stunden zählen wird, vielleicht die Reste einer wahnsinnigen, gänzlich haltlosen Hoffnung ...

Ich weiß, daß nichts uns erretten kann und begehre so sehnsüchtig danach, zu leben — und so sehr ... ängstige ich mich ...