Varadol und ich gaben nach und wagten uns aus dem Fahrzeug heraus. Ich gestehe es, daß die Angst vor diesem Schritt mich schüttelte. Dort, hinter den uns schützenden Wänden ist in der Tat schon nichts mehr als Leere ... Das Barometer zeigt nämlich draußen ein Vorhandensein von Atmosphäre an, deren Dichte nicht einmal den dreihundertsten Teil unserer Erdluft erreicht. Der Umstand, daß die Atmosphäre, wenn auch in einer solchen Verdünnung, überhaupt existiert, ist für uns überaus günstig, da er uns hoffen läßt, daß wir sie, auf der anderen Seite, in zum Atmen genügender Dichte vorfinden werden. Ach, mit welchem Zagen steckten wir vor einigen Stunden das Barometer nach außen! Anfangs sank das Quecksilber so gewaltig, daß es uns schien, als wenn es bis zum Nullpunkt herabfiel. Zitternde Angst schnürte uns die Kehle zu; das hieße — eine absolute Leere, und mit ihr der unabwendbare Tod! Aber nach einer Weile hob sich das Quecksilber in der Röhre auf 2,3 Millimeter! Wir atmeten auf, obwohl man in dieser Luft eigentlich gar nicht atmen kann! Und nun sollten wir, zwecks Aufstellung der Kanone, in diese Leere hinausgehen! Nachdem wir unsere „Taucheranzüge“ angelegt und über dem Nacken die Behälter mit verdichteter Luft befestigt hatten, stellten wir uns in der Vertiefung, die sich in der Wand des Fahrzeugs befand, bereit. Martha verschloß hinter uns die Innentür ganz dicht, damit nicht die so wertvolle Luft zugleich mit uns entweichen sollte, und dann öffneten wir den äußeren Deckel ...

Wir berührten mit den Füßen den Mondgrund, und in diesem Augenblick umfaßte uns eine entsetzlich betäubende Stille. Ich sah durch die Glasmaske auf Peters Gesicht und bemerkte, daß er die Lippen bewegte; ich dachte mir, daß er spreche, aber ich hörte keinen Laut. Die Luft ist hier zu dünn, als daß sie eine Menschenstimme übermitteln könnte. Ich hob einen Stein auf und warf ihn. Er fiel langsam, langsamer als auf der Erde und ohne jegliches Geräusch. Ich wankte wie ein Betrunkener; ich glaubte wirklich schon in der Welt der Geister zu sein.

Wir mußten uns durch Gesten verständigen. Die Erde, die uns genährt hat, verhalf uns dazu durch ihr Leuchten.

Wir nahmen die Kanone heraus, die in einer nach außen zu öffnenden Seitenwand untergebracht war, und ein Gefäß mit Explosionsmaterial, das für sie besonders hergestellt wurde. Diese Arbeit ging leicht vonstatten, da die Kanone hier kaum den sechsten Teil dessen wog, was ihr Gewicht auf der Erde betrug.

Jetzt hieß es nur das aufgestellte Geschütz genau bis zur Bleischnur zu laden, nachdem man in die hohle Kugel eine Karte gelegt hatte; bei der Leichtigkeit der Gegenstände auf dem Mond mußte diese Explosionskraft vollständig genügend wirken, um sie in gerader Linie auf die Erde zu befördern. Aber es war uns unmöglich, diese Arbeit zu vollenden. Eine unbeschreiblich entsetzliche Kälte schnürte uns wie mit eisernen Krallen die Brust zusammen. Seit ungefähr dreihundertundzehn Stunden hat hier die Sonne nicht mehr geschienen, und die Atmosphäre ist nicht dicht genug, so lange Zeit hindurch die Wärme der während des langen Tages sicherlich erglühten Steine festzuhalten ...

Wir kehrten zu dem Fahrzeug zurück, das uns wie ein Paradies an Wärme erschien, obwohl wir mit dem Feuer sparen. Vor dem Aufgang der Sonne, die diese Welt erwärmen wird, ist es unmöglich, die Versuche, hinauszugehen, zu erneuern. Und diese Sonne will und will nicht kommen!

Wann wird sie endlich erscheinen, und was wird sie uns bringen?

Siebzig Stunden sechsundvierzig Minuten nach Ankunft auf dem Mond.

O’Tamor ist gestorben.

Der erste Mondtag, drei Stunden nach Sonnenaufgang.