Wohltätigkeitskonzerte,

deren Reinertrag für verunglückte Angestellte des >Norddeutschen Lloyd< oder deren Witwen und Waisen verwendet werden sollen, werden auf jeder Fahrt einmal arrangiert und daran beteiligen sich sämtliche Passagiere. Für das unsrige war ein vielseitiges Programm aufgestellt, von dem ich hier einige Nummern anführen möchte. Eingeleitet wurde das Fest durch Ansprache des Kapitäns und des für dieses Fest gebildeten Komitees, worin besonders der Zweck betont und schon im Voraus der Dank für die Mildtätigkeit der Teilnehmer und Spender ausgesprochen wurde. Hierauf folgten die heiteren Vorträge: ein Herr spielte vorzüglich Klavier, eine Dame trug einige Stücke auf der Zither vor, von mehreren Passagieren wurden verschiedene kleine Possen aufgeführt, eine junge Dame erfreute die Zuhörer durch den Gesang einiger schöner Lieder u. s. w. Hervorzuheben war die Leistung eines amerikanischen Offiziers, der als Dame verkleidet und schön geschminkt, die drolligsten Sachen vortrug und bei sämtlichen Zuhörern wahre Lachsalven erweckte. Hierauf wurden von mehreren Damen die Gaben eingesammelt und jeder gab soviel er geben konnte. Wie man uns beim Schluß des Festes mitteilte, war eine ziemlich bedeutende Summe zusammengekommen.

Die entgegengesetzten Gefühle der Hin- und Herreise.

Welch' ein bedeutender Unterschied liegt in den Gefühlen, mit welchen man die Hinreise macht und denen, die die Rückreise erweckt, und doch wohnen diese beiden Gegensätze auf einem und demselben Schiffe friedlich nebeneinander. Ein eifriger Beobachter könnte hier die schönsten Studien machen. Um bei uns, die wir uns auf der Fahrt von der Heimat befanden, anzufangen, so fühlten wir mit jedem Tage die Entfernung, welche uns von unsern Lieben trennte, größer werden. In den ersten Nächten blieb uns erquickender Schlummer fern. Denn ein eigentümliches Gefühl, gemischt aus der freudigen Aussicht, viel Schönes zu sehen und zu lernen, und aus dem Unbehagen, das Vaterland und die Seinigen so lange zu verlassen, hielt uns wach. Ja, es war, als ob eine Leere im Herzen entstünde, und in gleichem Maße, wie die Entfernung wuchs, glaubte man von Tag zu Tag ein Fortschreiten dieser Empfindung wahrzunehmen. Es ist uns dabei zu Mute, als ob jemand hinter unserem Rücken stände und uns fortwährend nach hinten zöge.

Wie anders dagegen ist das Gefühl derjenigen, die sich auf der Rückreise befinden. Mit jedem Tage nähert man sich mehr und mehr der heimatlichen Küste und man kann wohl sagen, mit jeder Meile wächst die Freude und die Sehnsucht, die Lieben wieder vor sich zu haben, sie sprechen zu hören und sie in die Arme schließen zu können. Schon auf dem Schiff erzählten die auf der Rückreise Befindlichen gern und viel von der Heimat und man fühlt hier so recht die Wahrheit des Wortes: »Weß das Herz voll ist, deß läuft der Mund über,« während die Dahinfahrenden – besonders in den ersten Tagen – meist stumm und nachdenklich den Kopf hängen lassen oder, die Hände aufs Schiffsgeländer gestützt, in das weite Meer hinausstarren. Man könnte diese beiden Arten, die ich eben geschildert habe, als die normalen bezeichnen, denn ein jeder, welcher eine Heimat besitzt, wird beim Abschied Schmerz, beim Wiedersehen Freude empfinden.

Nun gibt es aber noch Menschen, die sozusagen keine Heimat haben, d. h. die nach einem neuen Ziele streben und die Brücke hinter sich vollständig abgebrochen haben, oder solche, die aus reiner Reiselust von einem Weltteil zum andern fahren, bald hier, bald dort ihr Heim aufschlagen und überall zu Hause sind. Die Gefühle dieser Menschen sind selbstverständlich andere, oder vielleicht könnte man von ihnen sagen, sie fühlen überhaupt nichts Besonderes, da sie ja nichts zu verlieren und nichts zu gewinnen haben.

Unser Schiff.

Staatskabine des »König Albert«.