Da sich jedoch der Schiffskörper um keine Linie mehr rücken lassen wollte, so verfiel ich darauf, ich müßte jene Luken um so viel erhöhen, daß sie über dem Wasserspiegel emporragten. Das war zu bewerkstelligen, wenn ich ebensoviel Kasten oder Verschläge von wenigstens zwei Fuß Höhe und gleichem Umfange mit den Luken dergestalt wasserdicht auf denselben und dem Verdecke befestigte, daß sie gleichsam einen Brunnenrand vorstellten. Was nun aus diesen Kasten geschöpft wurde, war dann ebensogut, als sei es aus dem Raume geschöpft, in welchem auf diese Weise das Wasser endlich doch abnehmen mußte. Dann aber hob sich das Schiff von selbst, ohne daß es ferner meiner Maschinen bedurfte.
Kaum war dieser Gedanke zur Welt geboren, so ließ ich mir einen Zollstock geben, um unter dem Wasser das genaue Maß der Luken in Länge und Breite zu nehmen, rief meine Leute zu mir nach der Baustelle und gab ihnen an, was zu tun sei. In Zeit einer Stunde (während welcher alles in Erwartung dessen stand, was werden sollte) kam ich mit den fertigen Kasten und meinen Arbeitsleuten zurück und hatte die Freude, zu sehen, daß jene vollkommen wohl anschlossen.
Hunderte von müßigem Pöbel standen als Zuschauer am Bollwerke. Ich wandte mich zu ihnen und rief: »Heran mit Eimer und Gerät, wer Lust hat, mit Wasserschöpfen jede Stunde einen halben Gulden zu verdienen!« – Ho, das war, als hätte ich sie zur Hochzeit gebeten! Es stürzten gleich so viel Arbeiter herbei auf das nasse Verdeck, daß sie um die Kastenränder nicht alle Raum zum Hantieren hatten. Ich ließ sie ihr Wesen treiben und stieg derweilen ins Boot, um mit dem Bootshaken das Loch unter Wasser aufzusuchen, welches meine Hände hineingehauen hatten. Dann aber sah ich mich nach einem Sacke um (oder war es ein Stück altes Segeltuch, ich weiß es nicht), um jenes Loch zu stopfen und dadurch neuen Zufluß zu hindern.
Bei jedem Schöpfen, das so viele Eimer zugleich taten, wurden vielleicht fünfzig und mehr Kubikfuß Wasser – erst aus den Kästen, dann tiefer aus dem Schiffsraume hervorgefördert. In eben dem Maße nun, als durch diese Erleichterung das Schiff wieder an eigener Hebekraft gewann, erlangten auch die beiden Fahrzeuge, zwischen denen es in der Schwebe hing, ihre verlorene Wirksamkeit wieder. Sie hoben sich vorn wieder; und so mit einem Rucke brachten sie nun das Schiff glücklich in die Höhe, daß es durch sich selber flott wurde und das Verdeck über Wasser zu stehen kam.
Jetzt konnten auch die Hanfgebinde an den Lastbändern aus dem Raume hervorgelangt werden. Mit der erleichterten Ladung aber trat auch immer mehr und mehr Bord hervor, bis endlich auch mein gehauenes Loch über dem Wasser zum Vorschein gelangte und sonach mein Werk für abgetan gelten konnte. Ich schlug also ein Kreuz darüber und ging, weil ich mich trefflich abgemattet fühlte, in des Herrn Namen nach Hause, während mein Freund Backer und der Schiffer das übrige besorgen mochten.
Einige Tage darauf ward ich abermals vor die Admiralität gefordert. Ich fand dort die Herren Kaufleute, die mir vorerst ihren Dank für mein glücklich gelöstes Versprechen bezeugten, dann aber auch sich für meine angewandte Bemühung mit mir abzufinden wünschten. Auf meiner Rechnung, die ich ihnen des Endes einreichte, standen bloß die beiden Bordinge, die ich gebraucht hatte, jeder mit zwanzig Talern angesetzt, samt einer Kleinigkeit für Abnutz an Tauen, Winden und anderen Gerätschaften, die denn auch sogleich und ohne allen Anstand bewilligt wurden. Da ich indes, was mich selbst betraf, keine Forderung machen wollte, so boten sie mir ein Douceur von hundert preußischen Gulden, samt zehn Pfund Kaffee und zwanzig Pfund Zucker. Ich nahm, was mir gegeben wurde, und schenkte davon fünfundzwanzig Gulden für die Armen, um ihnen auch einmal einen guten Tag zu machen.
Zu Ostern 1764 war ich endlich auch nach vieler Mühe und Sorge mit meinem Schiffbaue im reinen. Das Gebäude und alles, was dazu gehörte, war nun wohl ganz nach meinem Sinne geraten; aber Freude konnte ich dennoch nur wenig daran haben, denn wie so ganz anders waren die Zeiten geworden, seit ich in vorigem Jahre den Kiel dazu legte! Mit den guten Zeiten für die Reederei hatte es ein plötzliches und betrübtes Ende genommen. Ich will nicht sagen, daß ich auf lauter solche Frachten, wie jene nach Riga, zu vierzig Rubel die Last, gerechnet hätte, allein noch im Jahre zuvor standen die Frachten auf Amsterdam zu fünfundvierzig holländischen Gulden und jetzt, wo beim Frieden in allen Verkehr eine Totenstille eintrat, galt es Mühe, eine Fracht dahin um elf Gulden zu finden. Erst im Oktober gelang es mir, auf den genannten Platz für sechzehn Gulden abzuschließen.
Während nun mein Schiff in der Ladung begriffen war, kam ich eines Tages von der Börse, um am Borde mit eigenen Augen nachzusehen. Das Schiff hatte sich etwas vom Bollwerke abgezogen; dennoch dachte ich den Sprung wohl hinüber zu tun, traf es aber so unglücklich, daß ich über ein Ankertau stolperte und mir den rechten Fuß aus dem Gelenke fiel. Da lag ich nun und mußte nach Hause getragen werden. Das Bein schwoll an und während daran gezogen, gesalbt und gepflastert wurde, hatte ich die grausamsten Schmerzen auszustehen. An ein Mitgehen mit meinem Schiffe, wie ich es willens gewesen, war nun gar nicht zu denken. Aber wen nunmehr in meine Stelle setzen?
Zum Steuermanne unter mir hatte ich einen gewissen Martin Steinkraus angenommen, der zwar bereits selbst ein Schiff geführt, aber dabei eben keine Ehre eingelegt hatte. Er war gleich mir ein geborner Kolberger und mir von meinen übrigen Landsleuten, halb wider meinen Willen, angebettelt worden. Jetzt, da ich im Bette lag, ward ich abermals mit Fürbitten von allen Seiten dermaßen bestürmt, daß ich mich endlich in einer unglücklichen Stunde betören ließ, diesem Menschen mein Fahrzeug anzuvertrauen. An guten Ermahnungen und Instruktionen ließ ich es auf keine Weise ermangeln. Auch gab ich ihm sofort zweihundert Gulden bar in die Hände, um sich damit in Pillau frei in See zu bringen.