Denn außer dem Verkehre, der am Bord des Schiffes selbst stattfand, wurden in gleicher Absicht auch noch mehrere Boote ausgerüstet und abgeschickt, welche sich oft auf mehrere Wochen lang entfernten und bis auf fünfzig und mehr Meilen an der Küste umherkreuzten. Dieser Bootsfahrten habe ich zwar bereits oben erwähnt, doch sei es mir erlaubt, hier noch etwas ausführlicher darauf zurückzukommen.
Sobald die Guineafahrer sich dem wärmeren Himmelsstriche näherten, begannen auch die Schiffszimmerleute die Schaluppen und Schiffsboote zu ihrer künftigen neuen Bestimmung instandzusetzen, indem sie ein Verdeck darauf anbrachten und alles so einrichteten, daß sie See zu halten vermochten. Holz und Planken hierzu ward schon von Holland aus mitgenommen und zwischendecks bereitgehalten. Die Besatzung eines solchen Fahrzeugs bestand aus zehn bis zwölf Mann unter Anführung des Obersteuermanns oder eines anderen Schiffsoffiziers. Auch war es mit einigen Drehbassen und kleinerem Handgewehr wohl versehen.
Die Bestimmung dieser Boote erforderte, stets in einiger Entfernung vor ihrem Schiffe vorauszugehen und die Punkte, wo ein vorteilhafter Handel zu treiben war, zu vervielfältigen, damit die gewünschte volle Ladung schneller zusammengebracht und der Aufenthalt an diesen ungesunden Küsten abgekürzt würde. Sooft nun ein solches Fahrzeug seine mitgenommenen Warenartikel oder seine Lebensvorräte erschöpft oder einen genügenden Eintausch gemacht hatte, kehrte es zurück, um sofort für eine neue Reise ausgerüstet zu werden. Es ergibt sich daraus, wie anstrengend und beschwerlich dieser Dienst sein mußte.
Allein auch außerdem war er mit mancher Fährlichkeit verbunden: denn nicht selten ging ein solches Boot durch Überrumpelung der Neger samt dem Leben der ganzen Besatzung verloren, und so war hier die höchste Vorsicht erforderlich. Nie wurden mehr als vier Verkäufer zugleich auf dem Boote zugelassen, und auch die übrigen in den Kanots durfte man nicht zu nahe herankommen lassen. Während also der Steuermann nebst einem Gehilfen hinten im Fahrzeuge den Handel betrieb, stand der Rest der Mannschaft vorn mit dem geladenen Gewehre in der Hand zu seinem Schutze bereit, und wehrte zugleich den umkreisenden Kanots, sich nicht ungebührlich zu nähern.
Noch gefährlicher wäre es gewesen, die Nacht über an dem nämlichen Orte liegen zu bleiben, wo man sich am Abend befunden hatte. Vielmehr mußte man die Ankerstelle sorgfältig verändern, um die verräterischen Schwarzen, die unaufhörlich auf Überfall sannen, zu täuschen. Ebenso gebot die Klugheit, keiner ihrer noch so freundlichen Einladungen zu trauen, und am wenigsten sich in die Mündung ihrer Flüsse zu wagen.
Die männlichen Sklaven, die man auf diesen Fahrten erhandelte, wurden sofort unter das Verdeck gebracht, weil sie sonst nur zu leicht Gelegenheit gefunden haben würden, über Bord zu springen. Im Raume aber legte man ihnen eiserne Bügel um die Füße, die mit Ringen versehen waren, und diese streifte man hinwiederum über eine lange, mit beiden Enden unten im Vorder- und Hinterteile des Bootes befestigte Kette, so daß sie wenigstens einige Schritte hin und wieder gehen konnten. Glimpflicher verfuhr man mit den Weibern, deren Zutrauen man sich auf eine leichtere Weise erwarb.
Noch hatte wenigstens eines dieser Fahrzeuge die Nebenbestimmung, den aus Europa mitgebrachten Briefsack schneller als sonst hätte geschehen können nach dem holländischen Hauptfort St. George de la Mina zu fördern. Denn da die ankommenden Schiffe ihr Handelsgeschäft gewöhnlich bei Sierra Leone anfingen, welches gegen zweihundert Meilen westlicher liegt, und längs der Küste nur gemachsam fortkreuzten, so würde es oft sechs bis acht Monate gewährt haben, bevor sie selbst jenen Platz erreichten.
Diesen Auftrag erhielt auch ich, sobald wir in den ersten Tagen des Jahres 1772 auf der Küste von Guinea angelangt waren. Zu dem Ende ward die Barkasse mit zehn Mann unter meinen Befehlen ausgerüstet und mit Provisionen aller Art, besonders aber solchen beladen, welche in diesem heißen Klima einem schnellen Verderb ausgesetzt sein konnten. Das Brief-Felleisen ward nicht vergessen, und so steuerte ich, nachdem ich auch die Vorräte für meinen eigenen kleinen Handel eingenommen hatte, bereits am vierten Tage nach unserer Ankunft, dem Schiffe vorangehend, gegen Osten.