Zuletzt bleibt denn nun, nachdem allmählich auch die erlesene Ware zum Vorschein gekommen ist, wirklich nur der schlechtere Bodensatz zurück, und um sich dessen zu entäußern, muß nun der Weg des öffentlichen Ausgebotes an den Meistbietenden beschritten werden. Zu dem Ende werden diese Neger an dem dazu bestimmten Tage ans Land und auf einen eigenen Platz gebracht, wo ein Arzt jeden Sklaven einzeln auf seine Tauglichkeit untersucht. Dieser muß sodann auf einen Tisch treten; der Arzt legt Zeugnis ab, daß er fehlerfrei sei, oder daß sich dieser oder jener Mangel an ihm finde. Nun geschehen die Gebote der Kauflustigen, und so wird, nach erfolgtem Zuschlage, bis zu dem letzten aufgeräumt.

Wir hatten diesmal bei unserm Handel nur wenig Glück, was auch nicht anders sein konnte, da nur kurz zuvor zwei Sklavenschiffe hintereinander hier gewesen waren und den Markt überfüllt hatten. Die schlechte Erfahrung der ersten vierzehn Tage überzeugte uns daher von der Notwendigkeit, einen vorteilhafteren Platz aufzusuchen, und unsere Wahl fiel auf die benachbarte holländische Kolonie Berbice.

Am 1. Januar 1773 stachen wir demnach wieder in See.

Doch schon am nächsten Tage verspürten wir plötzlich einen Leck von solcher Bedeutung, daß wir im vollen Ernste das Sinken fürchteten und uns mit der angestrengtesten Arbeit an den Pumpen kaum über Wasser erhalten konnten. Wir befanden uns hier einem unangebauten Striche der Küste und der Mündung des Flusses Kormantin gegenüber, die fünfzehn Meilen nördlich von Surinam liegt und bis dahin noch von keiner europäischen Macht in Besitz genommen war. Wollten wir nun nicht unser Grab in den Wellen finden oder auf den Strand laufen und auch hier vielleicht alles verlieren, so blieb uns nur der Versuch übrig, in den gedachten Fluß einzulaufen und unseren Schaden auszubessern.

Ich ging mit der Schaluppe voraus und untersuchte die Einfahrt. Die Mündung des Stromes war beinahe anderthalb Meilen breit und in der Mitte vor ihr lag eine kleine Insel, niedrig und mit Rohr und Strauch bewachsen. Das Fahrwasser fand ich bei der höchsten Flut nur dreizehn Fuß tief – für uns ein leidiger Umstand, da unser Schiff etwas über vierzehn Fuß tief ging. Es galt demnach, dieses mindestens um anderthalb Fuß zu erleichtern, und zu dem Ende bedachten wir uns ebensowenig, unseren gesamten eingenommenen Vorrat von frischem Wasser wieder über Bord laufen zu lassen, als unsere überzähligen Stangen und Rahen ins Wasser zu lassen, sie zu einem Floße zu vereinigen und alles, was nur irgend dem Verderben nicht ausgesetzt war, darauf auszuladen.

Dennoch lief uns mit der Ebbe eine so gewaltige Strömung entgegen, daß wir uns der Mündung nicht nähern durften, sondern unter Furcht und Sorge die nächste Flut erwarten mußten, und diese führte uns dann doch so weit hinein, daß wir Schutz vor den Wellen fanden und das Schiff dicht am Lande auf den Grund setzen konnten. Bei der niedrigsten Ebbe stand es völlig trocken auf einem Sandgrunde, und das hineingedrungene Wasser lief wieder aus. Auf diese Weise machte es uns wenig Mühe, die eigentliche Stelle des Lecks aufzufinden und gehörig wieder zu verstopfen. Doch hielt uns diese Ausbesserung hier fünf bis sechs Tage auf, während welcher Zeit uns an diesem Orte, trotz unseren fleißigen Streifereien in der ganzen Gegend umher, auch nicht ein einziges menschliches Wesen zu Gesichte kam, so daß wir diese Ufer für durchaus unbewohnt halten mußten.

In Berbice, wo wir mit dem letzten Januar anlangten, fanden wir leider ebenso schlechten Markt, indem bereits zwei Sklavenschiffe dort vor Anker lagen. Wir hielten uns also auch nur drei Tage auf und steuerten nach St. Eustaz, erreichten diese Insel in der Mitte Februars und hatten das Glück, hier verschiedene Sklavenkäufer von den spanischen Besitzungen auf der Terra firma anzutreffen, an welche wir unsere Ladung samt und sonders binnen drei Tagen mit Vorteil losschlugen.

Hier war es auch, wo wir mit dem Sklavenschiffe, welches mein wackerer Freund und Landsmann Mick führte, wieder zusammenstießen. Er war auf der Überfahrt von Afrika gestorben und sein Steuermann traute sich nicht, allein mit dem Schiffe nach Holland zurückzugehen. Man warf daher die Augen auf mich, diese Führung zu übernehmen, und des Bittens und Bestürmens war so lange kein Ende, bis ich mich dazu entschloß und auch Kapitän Sandleven einwilligte, mich von seinem Schiffe zu entlassen. Wir schieden als Freunde und mit einem Herzen voll gegenseitiger Liebe und Achtung; ich ging in den letzten Tagen des Februars von St. Eustaz ab und warf um die Mitte Aprils vor Vlissingen, wohin das Schiff gehörte, glücklich die Anker. Die Reeder bewilligten mir außer meiner gebührenden Gage noch ein besonderes Geschenk von hundert Gulden und würden mich auch gern in ihrem Dienste behalten haben, wenn ich nicht geglaubt hätte, einer anderweitig eröffneten Aussicht folgen zu müssen.