Ursprünglich sind die Kobolde schützende Hausgeister; sie gehören als Geister der Vorältern zur Familie, daher ist auch ihre Anhänglichkeit zu letzterer und allem was ihr gehört, erklärlich. Ihre neckische Natur ist ein späterer Zusatz.

Rochholz erzählt in »Deutscher Glaube und Brauch« (I. S. 162.), daß man eine Wohnung abbrach, um dem darin spukenden Gespenste zu entgehen. Als man aber mit dem letzten Fuder alten Holzwerks in den Neubau einfuhr, sprang der Kobold als Katze zusammengebuckelt vom Wagen in die offene Scheune.

215. Schalkheiten des Kobolds in einem Hause zu Annaberg.

(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 951.)

In eines Geistlichen, des M. Enoch Zobels Bürgerhause zu Annaberg hat sich im August und September des Jahres 1691 folgendes begeben:

Es hat mit Auf- und Niedergehen, Klappern, Schlagen, Auf- und Zumachen der Thüren, Werfen, Fallen, Verschleppen des Hausrats, Rufen, Lachen, Zupfen bei den Kleidern, schimpfliches Necken einer Magd viel seltsame Händel getrieben. Bisweilen ist es als ein dunkelgrauer fortrauschender Schatten erschienen und hat sich einst mit einem nackenden Arm erblicken lassen; im verschlossenen Gewölbe sahe man Licht brennen, es steckte grünes Waldreisig auf die Hausthüre, desgleichen es auch auf und an den Spiegel gethan. Im hintern Hofgewölbe hat sichs hören lassen, als ob Bergleute arbeiteten. Eine Kugel hat es die Treppe herunter ins Haus geworfen. Alte Kleider hat es hervorgetragen und seltsam aufgehängt. Den Schlafenden wollte es die Betten nehmen, bei Tage hat es etliche Betten verschleppt und brennendes Licht auf den Boden getragen. Einem wachenden beherzten Bürger überfiel etwas in der Nacht, seinen Gedanken nach wie ein zottiger brauner Bär. Es sah bisweilen zum Stallfenster heraus wie ein altes Angesicht mit einer schwarzen Haube. Es gab der Hausgenossin eine starke Ohrfeige, daß man die roten Striemen noch des andern Tages sehen konnte. Es steckte die Ofengabel, Ofenkrücke, einen langen Borstwisch mit allerlei Lumpen behangen zur Hausthür hinaus auf die Gasse. Ferner zog es den großen Wassertrog ab und versteckte die Zapfen, setzte ein brennendes Licht auf die Hausbank und schürte Feuer auf dem Herde. Dergleichen Schalkheiten verübte es sehr viel, und wenn es etwas angestiftet, so lachte es. Es versteckte die Schlüssel, streute Korn vom Boden hinab in den Hof. Der Hausgenossin Betten trug es auf den Gang hervor, aber man sahe keinen Träger. Es steckte allerlei Sachen zusammen in den Ofentopf. Ein Studiosus sahe etwas wie ein altes Gesicht, es warf ihn mit einem Steinchen und hielt ihm rücklings beim Claviocordio mit kalten Händen die Augen zu. Es entführte unterschiedliche ausbreitete Wäsche. Den 26. Sept. befand sich Feuer und Dampf auf dem Holzstalle, worauf die Bewohner des Hauses Lärm machten, so daß es bald gelöscht wurde. Mittlerer Zeit war allenthalben gute Anstalt wider alle Gefahr getroffen worden. Im Hause wurde täglich zu gewissen Stunden gesungen und gebetet. Es wurde auch öffentlich in der Kirche Fürbitte angestellt. Nachgehends hat sich weiter nichts mehr spüren lassen.

Dieser Sage liegt eine wirkliche Thatsache zu Grunde, doch hat der Aberglaube viel dazu gedichtet. Richtig ist es nämlich, daß der Spuk in dem Hause des Archidiakonus Zobel zu Annaberg zum Teil von einem Manne mit Namen Anton Friebel hervorgerufen worden war, welcher sich in eine zottige Decke gehüllt und in dieser Verkleidung entweder als Hund oder selbst als altes Weib die Bewohner zwei Monate lang geängstigt hatte. Trotz des Geständnisse von Friebel hielt man eine derartige Täuschung auf natürlichem Wege für unmöglich, so daß selbst in dem Urteile des Schöppenstuhls zu Leipzig vom 8. Januar 1698, wodurch der Inquisit zum Strange verurteilt ward, seiner spukhaften Erscheinungen ausdrücklich und lebhaft gedacht wurde. Der Geistliche, der ihn hiernächst zum Tode vorbereitete, drang mit der Frage in ihn, ob er nicht ein geheimes Bündnis mit dem Satan habe, und als er sich erbot, seine Zauberstückchen vor aller Augen zu wiederholen, wenn man ihm seine zottige Decke geben wollte, verwies ihm dies der Geistliche mit heiligem Schauer und ermahnte ihn, die wenigen Stunden, welche er noch zu leben hätte, nicht zu zu solchen Teufeleien, sondern zu seiner Bekehrung zu verwenden. (Unterhaltungsblatt zum Erzgeb. Volksfreunde, 1884, No. 32.)

216. Der Koboldstein bei Pfaffengrün.

(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirk, S. 50.)

Wer von Joachimsthal aus auf der steilen, nach Mariasorg führenden Gemeindestraße wandert, genießt auf der Mariasorger Höhe eine bezaubernde Fernsicht auf das gesegnete Schlackenwerther-Lichtenstädter Becken, die Ruine Engelhaus, auf das Mittelgebirge und einen Teil des Egergebietes; rechts streckt der Pleßberg, links der Koboldstein sein Haupt empor. Zu letztgenanntem Berge, der eine herrliche Aussicht gewährt, gelangt der Reisende in südlicher Richtung. Dahin wandert die Einwohnerschaft der Bergstadt Joachimsthal am Ostermontage um ein Uhr morgens. Vor Sonnenaufgang sieht man oben die Kobolde tanzen; doch die Auferstehung des Herrn verkündend, gewahrt man die Sonne, bevor sie sich ruhig über den Horizont hebt, vorerst dreimal emporhüpfen.