S. die Einleitung. Sagen vom Schlangenkönige oder der Schlangenkönigin, welche goldene Kronen tragen, finden sich allgemein. Im Fichtelgebirge wird erzählt, daß die eine goldene Krone tragende Schlange zuweilen zu den Kindern in die Stube kommt und dort ihre Krone ablegt, mitunter auch beim Weggehen vergißt. Einige behaupten, es sei ein Ei, besetzt mit kostbarem, strahlendem Gestein. (Zapf, Sagenkreis des Fichtelgebirges, S. 49.)
236. Die Riesenrippe zu Nossen.
(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 365. Alfr. Moschkau in der Saxonia I., S. 22 und 23. Moschkau, Führer durch Nossen und Altzella, S. 8.)
In dem großen und gar zierlich gewölbten, aus dem Kloster Altzelle stammenden Hauptportale der Kirche zu Nossen hängt seit undenklichen Zeiten ein sonderbares Gewächs, welches von einigen für die Rippe eines Meerwunders oder Elephanten, von anderen für die eines Riesenfräuleins von Nideck im Elsaß, deren Ältern hierher gezogen seien, ausgegeben wird. Diesen Gegenstand hat man auch der Rarität wegen in das Siegel der Stadt Nossen selbst mit aufgenommen. Erzählt wird von dem genannten Riesenfräulein, daß sie einst in Rhäsa einen auf dem Felde arbeitenden Bauer mit Pflug und Pferden in ihre Schürze nahm und ihrem Vater hineintrug. Auch soll sie öfter nach Haslau »in die Haselnüsse« gegangen sein. – Die Rippe kam Anfang des 17. Jahrhunderts in die Königl. Kunstkammer nach Dresden, 1657 aber wieder zurück nach Nossen. Nach einer andern Meinung wäre diese Rippe identisch mit der in Gold gefaßten Rippe der heiligen Katharina, welche zu den Reliquien des Klosters Altzella gehörte.
237. In Kirchen ausgegrabene Riesengebeine.
(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 759.)
Im Jahre 1650 ließen die Grumbacher ihre Kirche erweitern und den Grund graben, da sie dann übermäßig große Gebeine mit Verwunderung ausgegraben. Anno 1652, als der Amtmann zu Wolkenstein, Johann Rechenberg, in der Kirche allda den kostbaren Altar von Marmor und Alabaster erbauen und dazu den Grund graben ließ, haben die Maurer riesenmäßige Menschenknochen angetroffen, von denen die Arme und Beine eine halbe Elle länger gewesen, als diejenigen gemeiner Mannspersonen.
Ob die in den Kirchen zu Grumbach und Wolkenstein gefundenen großen Knochen wirklich menschliche Gebeine gewesen sind, erscheint als etwas fraglich, wenn man weiß, daß es allen Völkern gemeinsam zu sein scheint, die Knochen großer urweltlicher Tiere für menschliche Riesenknochen zu halten. S. auch E. Krause, Erasmus Darwin, S. 208 und Perty, Anthropologie I., S. 13. Albin Kohn erzählt (die Natur 1878, No. 51), daß es in der Provinz Posen mehrere Kirchen giebt, in denen sich an Ketten aufgehängte fossile Mammutzähne finden, welche das Volk für die Rippen vorsündflutlicher Riesen hält; dieselben wurden in der Nähe der Orte gefunden, in deren Kirchen sie sich jetzt befinden. Es läßt sich übrigens der Knochenkultus bis in die früheren Zeiten zurück verfolgen; besonders waren es auch die Gebeine von Helden und Heiligen, welche man aufbewahrte und gegen Zerstörung zu schützen suchte, weil man ihnen Wunderkräfte beilegte. – Es könnte noch eine Deutung versucht werden. Die Germanen veranstalteten zu Ehren ihres obersten Gottes Pferdeopfer, Pferde weissagten und die alten Sachsen steckten die Köpfe ihrer geschlachteten Rosse auf die Dächer ihrer Häuser. Dies sind Zeugnisse dafür, daß bei unsern deutschen Vorfahren das Pferd ein ihren Gottheiten geweihtes Tier war. Damit hängt auch der Glaube in Dänemark zusammen, nach welchem unter jeder Kirche, welche gebaut wird, ein lebendes Pferd eingegraben werden müsse. Sollte man auch bei uns dem Glauben an eine besondere Wirkung, wenn auch nicht lebendig vergrabener Pferde, so doch von Pferdegebeinen beim Baue von Kirchen gehuldigt haben?
238. Große Menschengebeine in Preßnitz.
(Fr. Bernau in der Comotovia, 5. Jahrg., S. 85.)