(Wg. im »Glückauf«, 2. Jahrg., No. 5.)

Ein Holzhauer aus Zöblitz arbeitete vor vielleicht 300 Jahren in der Nähe des Oberlautersteins. Es war Abend geworden, und eben wollte er nach Hause gehen. Da trat aus einer verfallenen Burgmauer ein Mann in alter Rittergestalt hervor. Hinter ihm öffnete sich eine große Höhle, in dieser brannte ein helles Feuer, und deutlich sah der bestürzte Waldarbeiter eine Braupfanne voll rotglühendem Gold. Der alte Ritter winkte ihm freundlich und reichte dem Holzhauer einen ordinären Ziegelstein hin. Schüchtern griff der Mann darnach. Sogleich geschah ein Donnerschlag; die ganze Erscheinung war im Nu verschwunden, und der Arbeiter stand im Finstern, den Ziegelstein in der Hand haltend. Er ging nach Hause; aber da ihm der Ziegelstein zu schwer wurde und er sich nicht mit dem unnützen Gute herumtragen und zu Hause auslachen lassen wollte, so warf er ihn ins Gebüsch. »Nun, Mann, wie siehst Du nur aus?« fragte ihn zu Hause mürrisch und spottend die Frau; »Du glänzt ja, als wenn Du vergoldet wärst am Ärmel.« Der Mann sah nach und erblickte den reinsten Goldstaub an den Händen und seinen Kleidern. Nun erzählte er seine Geschichte am Schloßfelsen. Am andern Morgen suchte er bei guter Zeit nach dem weggeworfenen Steine mit Weib und Kindern. Allein umsonst; den edlen Stein hat niemand wieder gesehen.

Am Sylvestertage nachts 12 Uhr, wenn die Glocken zu Zöblitz das neue Jahr verkünden, erhebt sich mit dem ersten Glockenschlage der hohe Fels des Oberlautersteins und ein Zuschauer kann vom Thale aus die Braupfanne voll Gold betrachten und mittels eines wackern Geisterbanners heben. Mit dem letzten Glockenschlage verschließt sich die Höhle wieder und die Braupfanne sinkt in die Tiefe.

Die Sage von Ziegelsteinen, welche sich in Gold verwandeln, lebt auch im Fichtelgebirge. Ist sie von dort her in unser Gebirge verpflanzt worden? In Gestalt von Ziegelsteinen erscheinen nämlich die Schätze des Waldsteins. Wer den Fund als unscheinbar oder lästig von sich schleudert, erkennt an den goldglänzenden Spuren, die Kleid und Hand zeigen, mit Reue, daß er sein Glück weggeworfen. (L. Zapf, der Sagenkreis des Fichtelgebirgs, S. 20.)

302. Der Silbermann bei Pürstein.

(Erzgebirgszeitung 1880, S. 67.)

In der Gegend des Pürsteins befindet sich Silbererz in der Gestalt eines Mannes, dessen Körper im Buchwald ruht, dessen Füße nach Joachimsthal und dessen einer Arm nach Sachsen hinausragt, während der andere Arm im Tannelberge liegt.

Auf Grund dieser Sage bildete sich 1870 eine Gesellschaft mit 128 Anteilen, die den alten Silberberg beim Friedhof wieder aufmachte. Die dabei aufgefundenen alten Gänge sind verfallen, sollen sich aber ununterbrochen bis gegen Joachimsthal ziehen, so daß der Sage nach ein Arbeiter von hier den andern von dort rufen konnte.

303. Der Schatz im Schlosse Rabenstein.