Dieser Waldschütz hat endlich auch die Gewohnheit, die Leute in diesem tiefen Walde irre zu führen. Eines Tages ging ein Holzhauer aus dem Walde nach Hause. Er war noch nicht lange gegangen, als es stockfinster wurde und er furchtbare Axtschläge in seiner Nähe vernahm. Der Holzhauer ging herzhaft auf den Lärm los, weil er glaubte, daß es Holzdiebe seien. Wie er aber auf den Platz kam, wo die Schläge erschallten, sah er einen fremden Mann in Jägertracht, der an die Bäume klopfte. Der Holzhauer fragte: »Wer bist Du?« »Ich bin der Waldschütz!« sagte der Mann und klopfte weiter. Der Holzhauer folgte dem Mann nach. Um Mitternacht waren sie schon tief in den Wald geraten, da fühlte der Holzhauer plötzlich einen Axtschlag, daß er halbtot zu Boden stürzte. Am anderen Morgen, als er aufwachte, standen einige Leute bei ihm, die ihn gefunden hatten. – In der Hochgart geschah es, daß dieser Geist sich am Tage sehen ließ; dann ist er böswillig und läßt niemanden ungeschoren. Ein armer Mann sah ihn und rief ihn dreimal beim Namen: »Waldschütz, Waldschütz, Waldschütz!« Da drehte sich derselbe um und sprach: »Für dein Necken sollst du hier in einen Baumstumpf verwandelt so lange stehen, bis dich der Zufall erlöst.« Augenblicklich ward der Mann zu einem Baumstumpf und wurzelte im Boden. Seine Erlösung aber blieb nicht lange aus. Eines Tages waren Köhler in der Nähe; einer derselben sah den Stock dastehen und dachte, er sei gut, das Mittagsessen darauf einzunehmen. Er legte daher sein Brot darauf, schnitt es mit dem Messer durch, so zwar, daß er auch noch in den Stock schnitt, und hackte auch seine Hacke darin ein. In demselben Augenblicke schrie es heftig auf, der Baumstumpf verschwand und der verzauberte Mann stand erlöst vor den Augen der Köhler.

20. Reichbrod von Schrenkendorf als wilder Jäger.

(Sachsens Kirchengalerie, 2. B. S. 177.)

In der Mitte des 17. Jahrhunderts gehörte der Ort Klingenberg einem Herrn Reichbrod von Schrenkendorf, der ein großer Jagdfreund gewesen zu sein scheint, indem eine nach Colmnitz hin gelegene Waldwiese, genannt »Reichbrods Wiese«, heute noch von den Landleuten ungern zur Nachtzeit passiert wird, weil daselbst Reichbrod einen Jagdlärm treibt, als ob wilde Schweine gehetzt würden.

21. Der Jäger ohne Kopf im Hofbusch bei Schlettau.

(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 29.)

In dem Hofbusche bei Schlettau, durch den der Weg nach Unter-Herrmannsdorf führt, läßt sich bei Nacht oft ein gespenstischer Jäger ohne Kopf sehen. Er soll vor alter Zeit die Armen, welche sich das dürre Reißholz sammelten, oft unbarmherzig mißhandelt haben und zur Strafe nach seinem Tode nun umgehen müssen. Rechtliche Leute läßt er ungeneckt, aber die Holzdiebe hat er schon oft in Todesangst gejagt und bisweilen festgebannt, so daß sie Stunden lang an einer Stelle stehen bleiben mußten.

22. Der Reiter ohne Kopf auf dem Ziegenberge bei Zwönitz.

(Nach der poetischen Bearbeitung von Ziehnert bei Gräße, Sagenschatz des K. S. No. 572.)

Auf dem Ziegenberge bei Zwönitz soll sich ein Reiter ohne Kopf sehen lassen, von dem sich das Volk folgendes erzählt: