In Platz wird erzählt, daß ein Italiener (Venediger) namens Antonio Stoll hier auf Silber einschlug und wirklich in zwei Bergwerken Silber fand, von dem er auch an die Regierung abgeliefert hat. Die Zeit, wann dies geschah, ist unbekannt.

In den Vorbemerkungen zu diesem Abschnitte unserer Sagen wurde bereits darauf hingewiesen, daß sich die Überlieferungen von Gold suchenden Venetianern außer im Erzgebirge auch in anderen deutschen Gebirgen vorfinden. Das Volk verlegt ihre Heimat fast durchgängig nach Venedig, wo sie prachtvolle Paläste besitzen und von wo sie in gewissen Zeiträumen wiederholt kommen, um die deutschen Gebirge zu durchstreifen.

Im Zlatorog von Rudolf Baumbach wird ihr Treiben folgendermaßen geschildert:

Der alte Jaka lacht ganz eigentümlich,
Wenn Venetianer kommen in das Thal.
Er weiß recht wohl, warum die klugen Wälschen
Verlassen ihre schönen Marmorhäuser
Alljährlich, um die Berge zu durchstreifen. (Er spricht:)
– – – Was –, frag' ich, treiben
Die Venetianer denn bis in den Spätherbst?
Warum denn kriechen sie durch alle Schluchten
Der Berge mit dem Hammer und dem Gürtel?
Warum denn schleichen sie durch alle Bäche
Gleichwie die Otter, der verschmitzte Fischdieb?
Warum sie's thun? Sie suchen Gold und finden's,
Denn Gold in Menge liegt in unsern Bergen,
Nur weiß es nicht ein jeder aufzuspüren
So gut wie jene klugen Venetianer.
Sie wühlen aus der Erde und sie schmelzen
Aus Kieselstein und waschen aus dem Bachsand
Das gelbe Gold und schleppen's in die Heimat.

349. Die Goldstampe am Borlasbache.

(Ludwig Lamer im Glückauf 1882, S. 105.)

Wenn man vom Weißeritzwehre an der großen Rabenauer Mühle den Fluß aufwärts geht, gelangt man bald an ein munteres Bächlein, das von Borlas herabkommt und sich in die Weißeritz ergießt, und abermals wenige Schritte flußaufwärts steht ein großer Felskegel künstlich abgetrennt von seinem Mutterfelsen, um der Eisenbahn einen Durchgang zu schaffen.

An der Spitze des Kegels kann man bei aufmerksamer Beobachtung den Rest einer Aushöhlung erkennen, die nicht das Werk der Natur, sondern fleißiger Hände ist.

Vor viel hundert Jahren kamen in Zwischenräumen, wenn die Goldkörner in der nahen Weißeritz reif geworden, Wahlen aus dem fernen Wälschlande, deren Zunge man nicht verstand und die sich nur notdürftig verständlich machen konnten, und schafften den Sand aus dem am Fuße des Felsens befindlichen Weißeritzheger hinauf auf diesen Felsen und stampften ihn in diesem Loche mit Wasser, bis die Goldkörner sich vom Sande sonderten und von ihnen ausgelesen werden konnten.