382. Prophezeiung des M. Schütze in Oederan.
(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, S. 255.)
Am 22. Januar 1763 legte sich der alte Pastor M. Schütze zu Oederan ins Grab. Wenige Stunden vor seinem Ende forderte er Feder, Tinte und Papier, da er nicht mehr sprechen konnte. Die Feder entfiel ihm ebenfalls. Da blickte er den anwesenden Diakonus Frey wehmütig an und schrieb mit dem Finger folgende Zeichen aufs Bett: »m – E – gef. –. 7 Jam – El – betet!«, das letzte Wort ganz deutlich, die ersten aber vermochte der Diakonus nur mit Mühe herauszubringen und auf ein Papier zu schreiben. Erst im Jahre 1770 sollten die Buchstaben, welche man nicht verstanden, ihre Bedeutung finden; sie hießen: »Machet Euch gefaßt in 7 Jahren auf Jammer und Elend! betet!« Und es folgten drei traurige Hungerjahre, hervorgerufen durch Mißwachs. Schon im zweiten Jahre konnte niemand mehr dem Andern eine Gabe reichen. Die Ernte faulte schon auf dem Felde. Die Körner wurden auf der Mühle zu Brei statt zu Mehl und hatten einen üblen Geruch. Viele starben buchstäblich vor Hunger, so daß vom Obergebirge, wo es am traurigsten aussah, viele hundert Kinder, welche keine Eltern mehr hatten, in die großen Orte verteilt werden mußten.
383. Eine Prophezeiung der Zigeuner.
(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 312.)
In Graslitz sollen auf dem Marktplatze einmal Zigeuner Feuer angemacht und sich ihre Speisen gekocht haben. Als sie wegzogen, konnte niemand mehr eine Spur entdecken, wo das Feuer gebrannt hatte. Diese Zigeuner sollen denn auch der Stadt prophezeit haben, daß, wenn in Graslitz ein Brand entstünde, doch niemals mehr als zwei Häuser abbrennen würden. Diese Prophezeiung hat sich denn auch stets bestätigt.
384. Die Eiche bei Hartenstein.
(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 557.)
In dem beim Schlosse Hartenstein befindlichen Walde befand sich vor Jahren ein ungeheurer, prächtig belaubter Eichenbaum, von dem man erzählte, daß sein Bestehen auf geheimnisvolle Weise mit dem Schicksale des Schönburgischen Hauses verflochten sei. Man sagte, wenn der Baum umgehauen werde, würden drei Glieder des Schönburgischen Stammes sterben.