Im Oswaldsthale, wo die Ruinen der Duselskirche stehen, hat man 1795 auf einem Felde einen Topf voll Brakteaten abgegraben, die wahrscheinlich vom Grünhainer Kloster stammten. Vielleicht haben diese Brakteaten Veranlassung zu der Sage von einem großen Schatze gegeben, welcher unter der Kirche vergraben liegen soll.
Der Name »Duselskirche« wird in dem Lexicon von Sachsen von »Sankt Useldskirche« und der des Oswaldbaches von einem »Asenwald« oder »Aswaldbache« d. i. Riesenwaldbache abzuleiten gesucht, indem die Meinung ausgesprochen wird, die eingewanderten Sachsen hätten den dortigen Wald vielleicht Asenwald genannt, welcher Name dann auch auf den Bach übertragen worden sei. Ich halte diese Erklärung für sehr gewagt und nicht recht glaubwürdig.
416. Ein Fluch zerstört das Schloß auf dem Grauenstein.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 60 etc.)
Ungefähr eine Stunde von Joachimsthal erhebt sich in der Centralgruppe des Keilberg-Gebirgsstockes der waldgekrönte »Hohe Berg«, dessen südlicher Ausläufer wegen einer großen Steinhalde, deren Farbe von der Wandschüsselflechte herrührt, der »Grauenstein« genannt wird. Zu letzterem führt von Joachimsthal aus der Weg über den mit einer Allee bepflanzten »Graben,« welcher sich um die »Schwedenschanze« herumzieht, und dann weiter rechts von dem städtischen Forsthause »Hut« über die Thaleinschichte »Rauschererb«. Von dem Grauenstein, welcher eine schöne Aussicht gewährt, erzählt man folgendes:
Vor mehreren Jahrhunderten lebte im südlichen Böhmen ein mächtiger Fürst, namens Leopold, der in den verschiedenen Landesgebieten reiche Besitzungen hatte. Von seinen Kindern bereitete ihm sein erstgeborener Sohn, mit Namen Karl, manche bittere Stunde, denn dieser führte ungeachtet aller Lehren und Ermahnungen eine liederliche Lebensweise.
Der Vater wurde deshalb veranlaßt, ihn aus dem Hause zu geben und nach der Residenzstadt Prag zu schicken, allwo er im Strome der Welt zu einem tüchtigen, charaktervollen Edelmann heranwachsen sollte.
In Prag aber bot sich dem leichtsinnigen Junker erst rechte Gelegenheit dar, die schlüpfrigen Pfade des Lasters zu betreten. Als nun der besorgte Vater von dem ausschweifenden Lebenswandel seines unverbesserlichen Sohnes Kunde erhielt und ihm deshalb berechtigte Vorwürfe machte, faßte derselbe den Entschluß, der strengen väterlichen Gewalt sich durch eilige Flucht aus Prag zu entziehen. Er wanderte also im jugendlichen Übermute dem waldesdunklen Erzgebirge zu und gelangte nach einigen Tagereisen in die Gegend des heutigen Joachimsthal, wo in damaliger Zeit das Dorf Konradsgrün lag. Überrascht und entzückt von der herrlichen, reich bewaldeten Gebirgswelt mit ihren Thälern und Schluchten, ließ er sich hier nieder und baute mit Hülfe der Einwohner ein stattliches Schloß, in welchem er in Gesellschaft verdorbener Genossen sein gewohntes wüstes Leben fortsetzte. Den unaussprechlichen Schmerz des Vaters über den Verlust des ungeratenen Sohnes hatte indeß die alles heilende Zeit gemildert.
Da trug es sich zu, daß einst der Fürst, welcher ein eifriger Weidmann war, sich auf einer Jagd, die er auf seinen sehr ausgedehnten, im Norden Böhmens gelegenen Gütern veranstaltete, im dichten Walde verirrte und sein zahlreiches Gefolge verlor. Nach langem mühevollen Umherirren erreichte er bei einbrechender Dunkelheit eine Wiese, von wo er am fernen Bergesrücken ein helles Licht schimmern sah, dem er nun frohen Mutes mit starken Schritten zueilte. Als er vor dem Schlosse stand, aus welchem das Licht kam, bat er um Einlaß und ein gastlich Obdach, und er wurde darauf vor den Schloßherrn geführt, den sein Vaterauge gleich erkannte. Auch der verlorne Sohn erkannte sofort, freilich mit Schrecken, in dem Weidmann seinen Vater; aber statt mit reumütigem Herzen den Tiefgekränkten um Verzeihung zu bitten, gab er, die wohlverdiente Strafe fürchtend, den schleunigen Befehl, ihn gefangen zu nehmen.