Wie hier, so wurden auch in andern Gegenden teilweise an und für sich nicht gerade bemerkenswerte Erscheinungen als Vorboten der Pest angesehen. In Böhmen prophezeit z. B. der Storch in der Gegend, durch welche er fliegt, die Pest, während er dorthin, wo er sich niederläßt, Segen bringt. (Grohmann, Aberglauben etc. S. 64.), und in der Lausitz galten als solche Vorboten: Geheul von Hunden (Hunde sehen übrigens nach einem Volksglauben Gespenster), Geschrei weinender Menschen, die man aber nicht sah, unausstehlicher Geruch und Gestank und selbst ungewöhnliches Blühen von Rosen im August und September des Jahres 1607. (Haupt, Sagenbuch, I. No. 354.)

419. Wodurch in Freiberg die Pest einzieht.

(Moller, Theatrum Freib. Chron. II. S. 311.)

Im Juni 1572, bald nach gehaltenem Fürstenschießen, wurde Freiberg von einer gewaltigen Pest heimgesucht. Ein Töpfer beim Hospital hatte eine Thongrube aufgerissen, in welche beim Sterben 1564 etwas von alten Lumpen und Stroh aus den angesteckten Häusern geworfen worden war. Da stieg ihm alsobald ein widriger giftiger Dampf entgegen, so daß er sich legen mußte und nicht allein die Seinigen, sondern auch viele in der Nachbarschaft ansteckte. Die Seuche verbreitete sich darauf weiter und nahm dermaßen überhand, daß von da an bis Weihnachten 1577 Personen starben.

Als das reußische Dorf Langenwetzendorf infolge der Pest fast ausgestorben war, kam von dorther nach der nahen Kucksmühle eine blaue Wolke und zog in zwei Spindlöcher eines Stubenbalkens, worauf der Müller Pflöcke hineinschlug und alles im Hause wohlauf blieb. Als aber der Müller später einmal nachsah, was aus dem Dunste geworden sei, da hat sich derselbe im ganzen Hause verbreitet und alle seine Bewohner mußten sterben. (Eifel, Sagenbuch des Vogtlandes, No. 457.) Desgleichen erzählt eine Mansfeldische Sage, daß die Pest in Gestalt eines blauen Nebels nach Hübitz zog. (Gräßler, Sagen der Grafschaft Mansfeld, No 95.) Ein Zauberer aus Böhmen verschloß bei Tormersdorf in der Oberlausitz die von allen Orten der Umgegend in Gestalt einer blauen Wolke heranziehende Pest in einer Grube mit der Anordnung, daß niemand die Grube wieder öffnen sollte. (Haupt, Sagenbuch d. Laus. No. 216.) Das Vernageln der Pest in Bäume kam noch 1709 zu Conitz in Preußen vor. Das Vermauern der Pest in und an Kirchen war im Mittelalter nicht ungewöhnlich, und vielleicht war das sogenannte »garstige Ding« (eine weibliche Figur, an welcher ein Hund emporstieg) an der Mauer der 1760 eingeäscherten Kreuzkirche in Dresden das Zeichen der hinter dem Hochaltare vermauerten Pest. (Schäfer, Deutsche Städtewahrzeichen, S. 93.) Dabei mag noch darauf hingewiesen werden, daß die leichenwühlenden Nornen und Walkyren von Hunden begleitet sind und von Hunden der Sterblichen zuerst gewittert werden. In altkirchlichen Abbildungen wird dem heiligen Rochus, dem Schutzpatron gegen die Pest, ein Hündlein beigegeben. (Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch, I. S. 159.) In Außig in Böhmen glaubt man, daß die Pest als weißer Rauch erscheint, welcher Menschen, wenn diese ihn einatmen, sofort tötet. (Grohmann, Aberglauben etc. S. 184.)

420. Großhartmannsdorf wird durch die Zeitheide von der Pest verschont.

(Märker, Chronik von Großhartmannsdorf, S. 279.)

Östlich von Großhartmannsdorf liegt die große Torfheide. Hier wuchs in Menge eine Pflanze, welche unter dem Namen »Zeitheed« (Zeitheide) bekannt war und noch jetzt bekannt ist. Es sollen zu verschiedenen Zeiten Weiber aus Böhmen Tragkörbe voll von dieser Pflanze, welche in gegenwärtiger Zeit mit Mühe und Fleiß gesucht werden muß, weggetragen haben. Auch soll sie in der Brauerei des Ortes mit zur Verwendung gekommen sein. Der balsamische und durchdringende Geruch machte sie berühmt in der Gegend und wohlthätig für den Ort selbst. Denn in den Jahren, in welchen die Pest das Land verheerend durchzog und benachbarte Orte aussterben ließ, soll Großhartmannsdorf durch jene Pflanze verschont geblieben sein.

Die genannte Pflanze ist der Sumpfporst, Ledum palustre.