»Diß Warmbad am Sand zu unser lieben Frawen
Hat Gottes Wunderhand gelegt in diese Awen,
Wodurch dem Leibe Heil werden krancke Hertzen,
Christi Verdienst und Blut lindert die Seelenschmertzen.«

438. Die Kapelle des St. Jobs im Wiesenbad.

(Köhler, Hist. Nachrichten von der Bergstadt Wolkenstein. Schneeberg 1782, S. 38. Kirchengalerie von Sachsen, 12. B., S. 66.)

Im Wiesenbad bei Annaberg, wohin besonders Kranke und Sieche wallfahrten, hat eine Kapelle gestanden, die dem St. Job gewidmet gewesen ist und welche vom Fürst Georgen reichlich begabet und vom Bischof zu Meißen im Jahre 1505 eingeweihet wurde. Letzterer setzte auch einen Meßpriester dahin, welcher den Badegästen, ehe sie ins Bad gegangen, eine Messe lesen mußte. Von dieser Kapelle des St. Jobs ist alsdann das Bad das Jobs- oder Hiobsbad genannt worden. – Die Entdeckung des Heilbrunnens soll sich von einem armen Manne herschreiben, der seine ungesunden Schenkel in diesem Wasser gewaschen und heil geworden.

439. Wallfahrten nach Freiberg zu einem wächsernen Marienbilde.

(Moller, Theatrum Freibergense Chron. II, S. 20.)

Anno 1262 haben die Geißler in großer Zahl das Land Meißen durchlaufen und sich dieses Jahr in der Stadt Freiberg befunden, dahin damals eine starke Wallfahrt zur schönen Marie gewesen. Diese Leute sind halb nackend je zwei und zwei barfuß gegangen, in roten offenen Mänteln, die man spanisch Armilausen genannt.

Das Marienbild war von Wachs in menschlicher Größe ganz schön und zierlich gestaltet und stand in einer besondern Kapelle. Die Leute kamen von allen Orten heftig gelaufen, als wenn sie bezaubert wären, und was ein jedes von Männern und Weibern von seiner Arbeit in der Hand gehabt, wenn ihn die Tollheit angestoßen, das hat er mit sich genommen und allda gelassen; wie auch viel krumme, lahme und andere preßhafte Menschen, die sich zu diesem Bilde verlobet, gesund geworden und ohne Mangel wieder davon gegangen sein sollen.

Diese Wallfahrt hat lange Zeit gewährt, bis man erfahren, daß unter dem Schein des Heiligtums ein böses sodomitisches Leben und viel Schande und Laster getrieben wurde, worauf durch einen fürstlichen Befehl dem Gelaufe und den Zusammenkünften gesteuert wurde und solche mit Ernst abgeschafft worden sind.

440. Das wunderthätige Marienbild in Ebersdorf.