(I. Nach der poet. Bearbeit. Ziehnerts bei Gräße a. a. O., Nr. 633. II. Nach mündlicher Überlieferung.)

I. Das Städtchen Schöneck soll seinen Namen folgender Ursache verdanken: Einst soll der kaiserliche Landvogt Heinrich Reuß (der Reiche von 1140–1150?) auf der Jagd von seinem Gefolge getrennt worden und auf ein Bärenlager gestoßen sein. Die für ihre Jungen besorgte Bärin sprang auf sein Roß los, dasselbe stürzte von ihrem wütenden Angriffe zu Boden, und es würde um den Landvogt geschehen gewesen sein, da sein Schwert beim Sturze zerbrach, wäre nicht ein junger Köhler auf sein Hülferufen herbeigeeilt und hätte das wütende Tier von hinten mit seinem Schürbaum erschlagen. Der Vogt erlaubte nun seinem Retter sich eine Gnade auszubitten, und derselbe gestand ihm, er habe eine Geliebte, die er aber nicht heiraten könne, weil er zu arm sei; er bitte nur um einen Platz, wo er sich ein Häuschen bauen könne, und um Holz dazu. Da lachte der Reuß und sagte ihm, er möge in seinem Lande sich aussuchen, welchen Platz er wolle, wo er sich ein Haus bauen möge, Holz möge er aus dem nächsten Walde nehmen und Steine brechen, so viele er brauche, und so ihn jemand nach seinem Rechte fragen werde, dem solle er diesen seinen Ring und sein zerbrochenes Schwert, welches er ihm einhändigte, vorzeigen. Darauf zog der Köhler lange mit seinem Liebchen im Vogtlande herum und nirgends wollte denselben ein Ort passend erscheinen; endlich kamen sie auf einen hohen Berg voll Wald und üppigem Graswuchs, da rief sie: »Das ist ein gar schön Eckchen, da kann man weit ausschauen, da wollen wir bauen!« Und so geschah es auch; der Köhler baute sich ein Häuschen und brannte einen Meiler an, und nach und nach zogen auch andere Leute dahin und bauten sich um das Häuschen herum an, und so entstand nach und nach ein Flecken, den hieß man zum Andenken Schöneck.

II. Emigranten aus Böhmen kamen einst in die Gegend von Schöneck. Da gefiel es ihnen so wohl, daß sie ausriefen: »Das ist eine schöne Eck'! hier wollen wir uns anbauen!« Und sie gründeten einen Ort, aus dem später eine Stadt wurde, und nannten ihn wegen der Schönheit des Platzes, auf dem er gegründet wurde, Schöneck.

Nach Dr. Ulrich Schneider (Wissenschaftliche Beilage der Leipziger Zeitung, 1883, Nr. 31) befand sich an der Südseite des in der Stadt sich erhebenden Friedrichsteines eine jedenfalls zur Zügelung der Slaven erbaute Burg, welche schon um 1225 Schöneck hieß, denn um diese Zeit wird ein Ritter von Schonegge genannt. Später siedelten sich um die Burg Deutsche an, und die aus diesen Ansiedelungen entstandene Stadt hieß anfänglich, wie z. B. 1370 in dem Freibriefe des Kaisers Karl IV., die Stadt »Unter Schöneck«. Die Stadt Schöneck nahm also ihren Namen von der weit älteren Burg an. Der Name der Burg aber ist, wie solches zuerst von Limmer angenommen wurde, kein slavischer, sondern rein deutsch, und als »schöne (d. h. passende) Ecke« zu deuten. Das Wort »Ecke« aber ist eine seit alter Zeit gebräuchliche Bezeichnung für »Vorsprung«. Darnach bezieht sich »schön« auf den für Anlage einer Burg geeigneten Platz und nicht auf die durch die Sage hervorgehobene Aussicht, von welcher bei Gründung des Ortes mitten in den damals hohen Wäldern wohl keine Rede sein konnte.

509. Der Ursprung des Schlosses Bärenstein.

(Peccenstein, Theatrum Sax. I, S. 89. Darnach Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, Nr. 243.)

Da, wo jetzt das Schloß Bärenstein liegt, war vor grauen Jahren eine rauhe Wildnis, und es hat einmal einer aus dem Geschlechte derer von Bärenstein mit einem seiner Söhne auf dem Felsen, den jetzt das genannte Schloß krönt, zwei wilde Bären angetroffen. Nachdem diese zum Stehen gebracht worden, ist der Sohn vor dem Vater niedergefallen, willens, den einen abzufangen, allein es ist ihm dies mißlungen, indem ihm der Bär den Spieß zerbrach und ihn den Felsen hinuntergeworfen hat. Hierauf hat die ganze Gefahr den Vater bedroht, allein dieser, über den Fall seines Sohnes, den er tot vermeinte, hart ergrimmt, hat den Bären heftig zugesetzt, sie mit seinem Spieße durchbohrt und den Felsen hinabgestürzt, dann ist er aber zu seinem Sohne hingeeilt und hat diesen wider alles Erwarten noch lebendig gefunden. Von dieser Geschichte hat der Ort den Namen Bärenstein erhalten und ist derselbe nachmals auch auf das Schloß übertragen worden.

510. Die Stiftung des Klosters Altzelle.

(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, Nr. 357. Merkel und Engelhardt, Erdbeschr. von Kursachsen, 2. B., S. 111.)