Frühbuß ist ein altes Bergstädtchen im böhmischen Gebirge, das einst weiter oben und zwar da lag, wo sich heute der Kranichsee ausbreitet. In diesem Moore ist es eines Tages versunken. Da haben sich die Bewohner tiefer angebaut, weil ihnen hier die vielen Zinnerze, welche aus dem Gebirgsschutte durch die Seifenarbeit gewonnen werden konnten, reichen Unterhalt versprachen. Die Gewinnung der Erze nahm sie auch so in Anspruch, daß sie den Bau ihrer Hütten und ihre häuslichen Arbeiten nur vor der Seifenarbeit vornehmen konnten, um bei dieser selbst keine Zeit zu versäumen. Solche Früharbeit aber nannte und nennt man noch jetzt in der Gegend »Frühbuß«, und von ihr erhielt in der Folge die Ansiedelung ihren Namen.
Bezüglich des ersten Teiles der Sage wird noch auf »die unterirdischen Glocken im Kranichsee« verwiesen.
Das Wort »Frühbuß« erinnert an das in manchen Gegenden, z. B. in Geringswalde und in der Oberlausitz gebräuchliche »herumbusseln« = geschäftig da und dort in der Arbeit nachhelfen, und das davon abgeleitete »Hausbussel«, womit ein auf diese Weise thätiger Mensch bezeichnet wird.
559. Über den Namen des Dorfes Sauersack.
(Mündlich.)
Oberhalb Karlsfeld nahe am Kranichsee, durch welchen sich die sächsisch-böhmische Grenze zieht, liegt auf einer Meereshöhe von ca. 900 Mtr. das böhmische Dorf Sauersack.
M. Christoph Gottlob Grundig macht in den »Neuen Versuchen nützlicher Sammlungen zu der Natur- und Kunstgeschichte, sonderlich von Ober-Sachsen, 2. B., (Schneeberg, 1752,)« bei diesem Orte und seinem Namen folgende Bemerkungen: »Sauersack, ein fast auf dem höchsten Gipfel derer Gebirge, welche Böhmen und Meißen auf dieser Seite von einander scheiden, sehr zerstreut liegender Bergort, welcher auf dem kahlen Boden derer abgetriebenen Holzungen an einem aus Nordwest nach Südost streichenden Gehänge sich als der Rest des ruinirten Waldes vom Grunde bis auf die Giebel der Häuser hölzern erhebt, – – hat wohl den Namen mit der That, weil sowohl denen Reisenden die hier vorübergehende Straße, sonderlich bei üblem Wetter, äußerst sauer werden, als auch denen armen Einwohnern des Ortes, welche wie die Vögel des Himmels weder säen, ernten, noch etwas in ihre Scheuern sammeln können, – – nicht weniger ihr mühseliges Leben sehr sauer und unangenehm fallen muß.« Und: »Es ist unter diesem Gehänge, zunächst gegen Westen, eine lange, schmale und sumpfige saure Wiese, welche die gebirgischen Bauern ein »Geseer« (Gesäuer?) zu nennen pflegen und die vermutlich zu dem Namen der Gegend und des Ortes Anlaß gegeben hat.«
Eine Sage erzählt nun über die Entstehung des Ortsnamens Sauersack folgendes:
In jener Zeit als der Zinnreichtum des dortigen Gebirges, welcher hauptsächlich in Seifenwerken ausgebeutet wurde, die ersten Ansiedler anlockte, gebot die unwirtliche Gegend, daß alle Nahrungsbedürfnisse aus dem fruchtbaren Egerthale geholt wurden. Diese Arbeit hatten hauptsächlich die Frauen der Seifner zu verrichten. Da geschah es nun, daß die Frau des ersten Ansiedlers einen schweren Sack mit Nahrungsmitteln (die Volkssage spricht von Kartoffeln) geholt hatte und bei ihrer Ankunft in der Hütte sprach: »Ei, das ist ein saurer Sack!« So wurde die Hütte und später die gesamte Ansiedelung »Sauersack« genannt, welchen Namen sie bis zum heutigen Tage behalten hat.