(Mitgeteilt vom Prof. Dr. Friedrich Polle in Dresden.)
An der Müglitz erhebt sich dem Schlosse Bärenstein gegenüber eine schöne, schroff abfallende Felswand, welche ebenfalls der Bärenstein heißt. Sie hat ihren Namen daher, daß auf dem Felsen einst ein Jäger mit einem Bären kämpfte und den Sieg dadurch errang, daß er den Bären die Felswand hinunter warf.
582. Der Ursprung des Namens Mückenberg mit dem Mückentürmchen.
(Ed. Haller, Kurzgefaßte Volkssagen über den Mückenberg. Mückenberg, 1880. Grohmann, Sagenbuch aus Böhmen, S. 246. Karl Müller, die Natur, 1882, No. 24.)
I. Der Volkssage nach soll im 9ten Jahrhundert auf dem Mückenberge bei Graupen, dort, wo sich jetzt bei der Restauration die Pinge befindet, eine Art Turm von Zinngraupen zu Tage gestanden und durch den Schein der Sonne sowohl wie des Mondes einen solchen Glanz verbreitet haben, daß die Ritter der Festen Geiersburg und Lauenstein, welche in jener Zeit diese Gegend allein beherrschten, bei ihrem gegenseitigen Verkehre, welcher meistens auf der Strecke zwischen dem jetzt dort befindlichen sogenannten »Goldammer-« und »Schänkerkreuz« nächst dem Kesselgrund stattfand, diesem Berge mit seinem Zinngraupenturme auswichen, weil dieselben den weithinsichtbaren Schein als einen Spuk ansahen, daher der Berg »Spukberg« oder »Muckberg«, woraus später »Mückenberg« ward, genannt wurde. – Auf derselben Stelle am Mückenberg, wo gegenwärtig das St. Wolfgangs-Kirchlein steht, hatte um jene Zeit ein Einsiedler, mit Namen Wolfgang, seine Klause aufgeschlagen, und bei einem Fehdezug der alten Ritter hatten sich in einer sehr finsteren und furchtbar stürmischen Nacht zwei Knappen in der Richtung von der Geiersburg bis zu der Klause verirrt und waren ob des schlechten Wetters, der dabei ausgestandenen Lebensgefahr und des immerwährenden Spukes so erzürnt, daß sie den alten Einsiedler verdächtigten und ihm als alleinigen Bewohner des Berges alles Unangenehme und Überstandene sowie auch den Spuk zur Last legten. Sie erfaßten endlich den ehrwürdigen Greis, banden ihn und drohten mit Todesqualen, wenn er nicht ein aufrichtiges und reumütiges Geständnis über den teuflischen Spuk und das höllische Wetter, woran er nur allein Schuld sein könne, ablege. Der fromme Einsiedler fiel vor Schreck auf die Knie und bat bei Gott und allen Heiligen, man möchte ihm nur bis Tagesanbruch Lebensfrist gewähren, dann würden ihre Herren Ritter die reichsten Menschen auf Erden sein. Als dies die Knappen hörten, versprachen sie die Bitte zu gewähren. Da nun der Tag graute, war in der Natur Stille eingetreten, kein Lüftchen regte sich, die Lerchen erhoben sich zum Gesange und der alte Einsiedler Wolfgang führte die beiden Knappen den Hügel empor, wo jetzt die Restauration Mückenturm steht, zeigte mit seiner Rechten gegen Osten und siehe da – majestätisch ging die Sonne auf, sodaß die Knappen wie versteinert dastanden. Sodann sprach der Einsiedler mit feierlicher Stimme: »Sehet ihr Rittersknappen! Derjenige Gott, der jetzt die Sonne aufgehen läßt, welche ihre wunderbaren Strahlen auf diesen Zinnturm wirft und immer den Glanz und Schein verbreitet, vor dem ihr euch fürchtet, der läßt auch finstere Nächte, große Stürme und Regen werden; darum gehet hin zu euren Rittern und verkündet ihnen, daß dies kein Spuk, sondern ein mir bekanntes, gewinnreiches Erz ist und daß ich die nächtigen Unbillen von euch unschuldig ertragen mußte, euch aber doch verziehen sei!« Hierauf verließen die beiden Knappen erstaunt und vergnügt über die Schönheit des Sonnenaufganges, aber mehr noch über die glänzenden Zinngraupen, den Muckberg und begaben sich durch den Kesselgrund nach der Geiersburg, wo sie alles verkündeten, was sie erlebt und gesehen hatten. Von dieser Zeit an wurde der Einsiedler oft von den Rittern der Geiersburg und Lauenstein besucht, die auch angefangen haben sollen, daselbst die Zinngraupen zu brechen.
II. In der Nähe von Teplitz hauste einst ein gottvergessener Räuber, dessen weittragendes Gewehr alle Hühner und Gänse in der Nachbarschaft erlegte. Obendrein stahl er den Leuten ihre Haustiere. Mit dem Raube eilte er immer auf den Berg, und so rasch, daß ihn der schnellste und gewandeste Mann nicht einzuholen vermochte. Einst hatte der Bösewicht auch einer armen, alten Frau ihre Kuh gestohlen. Das Mütterchen aber, froh des Besitzes einer Wünschelrute, schwang diese, sobald sie den Raub entdeckt, und rief im höchsten Ingrimme die Worte aus: »Du sollst zerstochen sein, bevor du den Gipfel des Berges erreichst!« Diese Verwünschung ging sofort in Erfüllung. Ein ungeheurer Mückenschwarm tauchte auf und zerstach den Jägersmann, bis er entseelt am Boden lag. An der Stelle, wo ihn die Strafe für seine Unthaten ereilte, errichtete man später ein Denkmal, das als Mückentürmchen noch heute ein beliebter Ort für die Ausflüge der Badegäste von Teplitz ist.
Die wunderbaren Angaben einzelner Sagen lassen sich auf wirkliche Naturerscheinungen zurückführen. Der Turm von Zinngraupen, welcher sich an der Stelle der jetzigen Pinge bei der Restauration erhob, ist z. B. eine Erinnerung an den großen Reichtum genannten Erzes, dessen auch Albinus mit den Worten gedenkt: Der Mückenberg ist vor Zeiten berufen gewesen; zu unsern Zeiten hat ein Zinngraup allda so groß als ein Menschenhaupt gebrochen. (Meißnische Bergk-Chronika. 1590. S. 131.) Ebenso mag die zweite Sage auf einer Thatsache beruhen. Ungeheure Mückenschwärme sind gewiß dann und wann im Erzgebirge aufgetreten; so schreibt Lehmann in seinem Hist. Schauplatz (S. 646), daß am 1. Mai 1648 auf dem Markte zu Scheibenberg ein großes Heer seltsamer Mücken eingefallen sei und an den Häusern eine halbe Stunde geruht habe, um darauf seinen Flug nach dem böhmischen Walde fortzusetzen.
583. Ursprung des Namens Fastenberg.
(Engelschall, Beschreibung der Exulanten- und Bergstadt Johanngeorgenstadt. Leipzig, 1723, S. 11.)
Der Name des Fastenberges, worauf jetzt Johanngeorgenstadt steht, soll davon herrühren, daß einst bei einer Jagd auf diesem Berge eine Kurfürstin starken Hunger empfand, und daß sie darauf, nachdem nichts oder nur wenig Speise sich vorgefunden, gesagt habe: »Das mag mir wohl ein rechter Fastenberg sein!«