(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, 1847, S. 14.)
Kurz vor Entstehung von Oederan veranstalteten die reich gewordenen Bewohner Freibergs eine Wallfahrt nach Ebersdorf bei Frankenberg, um daselbst am Marienbilde zu beten und reiche Geschenke darzubringen. Sie kamen glücklich durch die ausgedehnten Waldungen bis an den jetzigen Schieferbach bei Falkenau. Hier wurden sie plötzlich von den Räubern des Schellenbergs angefallen. Aber die Wallfahrer hatten sich eine starke Bedeckung von kampffähigen Männern mitgenommen, denen die Räuber unterlagen. Ihre Flucht über das Eis der Flöha, welches brach, mißlang gänzlich und sie suchten deshalb ihre Rettung in dem Walde. Doch auch hier ereilte sie das Verderben; sie wurden umzingelt, mit Feuerbränden hinausgetrieben und größtenteils erschlagen. Das Versteck der Räuber aber führt seit dieser Zeit zur Erinnerung an den teilweisen Feuertod der Räuber den Namen »Höllengrund.«
588. Das Schulmeisterbächel bei Wildenthal.
(Mündlich.)
Das Schulmeisterbächel ist ein kleines Bergwässerchen, welches sich von Westen her in den aus der Gegend von Weiters Glashütte herabkommenden Glashüttenbach ergießt. Zu Zeiten, da die Schulmeister in dem nahen Karlsfeld noch sehr gering besoldet waren, soll sich ein solcher aus Nahrungssorgen in einem kleinen Teiche, welcher früher die Zuflüsse für das genannte Wässerchen vereinigte, das Leben genommen haben.
589. Der Spitzberg bei Pfaffengrün.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 51.)
Bei dem Dorfe Pfaffengrün steigt ein Basaltkegel empor, der gleichsam ein von dem Bergesheer des Erzgebirges hinausgeschobener Vorposten ist. Er führt seines scharf zugespitzten Gipfels wegen den Namen Spitzberg, wird aber auch Kreuzberg genannt, weil seine äußerste Spitze ein Kreuz aus Fichtenholz ziert.
Die Sage berichtet, daß die Pfaffengrüner, als sie einstmals am Spitzberge das erste Kreuz aufgerichtet hatten, ein fröhliches Fest feierten und sich auf dem Dudelsack eines aufspielen ließen, als ob Kirmes gewesen wäre. Aber dieses Gedudel der Sackpfeifer war dem Herrn im Himmel nicht wohlgefällig, insonderheit, weil die Pfaffengrüner dabei tanzten, denn er ließ mitten in Spiel und Tanz ein Wetter heraufziehen. Während nun der Himmel ihnen mit seinen Posaunen gehörig aufspielte, daß es eine Art hatte, als ob es die Berge aufreißen wollte, fuhr plötzlich der Blitz in das Kreuz. Die Pfaffengrüner sahen alsbald ihr Unrecht ein, sie krochen ganz mäuschenstille auf den Spitzberg und errichteten dort beim Rosenkranzbeten ein neues Kreuz.