Auf dem sogenannten Donatsthore in Freiberg befindet sich ein runder und sehr starker Turm, dessen Mauern 9 Ellen dick sind und den angeblich die Bergleute, so jeder nur einen Pfennig von seinem Solde abgegeben, haben erbauen lassen. Wenn man um die Stadt Freiberg herumgeht, so sieht man, wenn man vom Erbischen Thore nach dem Donatthor zugeht, einen kleinen viereckigen Wachtturm, hinter den sich, sobald man demselben gleichsteht, der große Donatturm verkriecht, also daß man an solchem nichts mehr als den Knopf von der oben darauf stehenden Fahne sehen kann, trotzdem daß der große Turm mehr als einmal so hoch ist, als der nächst vorstehende Wachtturm.
694. Der Marterturm auf Hassenstein.
(Fr. Bernau in der Comotovia, 5. Jahrg., S. 85.)
Auf der Nordseite der Burg Hassenstein steht, einige hundert Schritte von dieser malerischen Ruine entfernt, im dichten Walde ein hoher, geräumiger Turm, von dem umwohnenden Landvolke insgemein der »Marterturm« genannt. Der Sage nach wurde dieser Turm von einem der ersten Hassensteiner Burgherren für gefallene Mädchen und ihre Verführer gebaut. Doch es geschah, daß die Tochter des sittenstrengen Besitzen die erste schuldige war, und deshalb in den Grund des Turmes eingemauert, ihr Verführer aber vor dem Turme enthauptet wurde.
695. Der Mohr im Schlosse zu Nossen.
(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 347.)
In einem der Zimmer des Schlosses zu Nossen befand sich sonst ein Gemälde, auf dem ein Mohr vorgestellt war, der in einer Wanne saß. Den scheuern zwei Bademägde mit Katzenzagel und Sandhadern recht nachdrücklich, also daß ihnen der Angstschweiß über die Wangen läuft, können aber doch kein weißes Fleckchen an seiner Haut entdecken, wie die darunter stehenden Reime bezeugen:
Wir waschen ihn mit ganzem Fleiß,
Noch will der Mohr nicht werden weiß.