(Mündlich.)

Wenn man in Eibenstock in der Johannisnacht um 12 Uhr um eine gewisse Straßenecke geht, so sieht man eine weiße Frau mit einem weißen Tragkorbe. Redet man dieselbe furchtlos an, so wird man von ihr beschenkt. – Auf dem alten Gottesacker befindet sich eine Begräbnishalle, in welcher oft des Nachts eine Frau mit einem Kindlein auf dem Arme gesehen wurde, die heftig weinte. Welche Bewandnis es mit dieser Frau hat, kann niemand sagen.

64. Die alte Frau in der Isenburg.

(Mündlich.)

In dem jetzigen Mehlhornschen Gute neben der Pfarre in Wildbach diente vor Jahren ein Mädchen, welches draußen bei der damals noch besser erhaltenen Isenburg die Kühe hüten mußte. Zu diesem Mädchen kam eines Vormittags eine alte Frau, welche von ihm verlangte, es solle mit ihr gehen. Sie führte dasselbe hierauf zwischen das zerfallene Gemäuer der Burg und hier in ein bis dahin verborgen gewesenes Zimmer, dessen Thür sie wieder zuschloß. Dann verlangte sie, das Mädchen solle ihr das Zimmer kehren. Als solches geschehen war, gab sie ihm zum Lohne 2 Groschen. Dies wiederholte sich vielmals; jedesmal, wenn das Mädchen das Wohnzimmer der Frau ausgekehrt hatte, erhielt es 2 Groschen. Da geschah es, daß das Mädchen einmal zum Jahrmarkte nach Schneeberg ging. In der Abwesenheit öffnete die Bäuerin, welche bereits längst gemerkt hatte, wie ihre Dienstmagd mehr Geld besaß, als sie zum Lohne erhielt, deren Lade und fand darin eine große Menge Zweigroschenstücke. Als nun das Mädchen am Abend wieder heim kam, erzählte es auf dringendes Befragen die Geschichte, wie es zu dem vielen Gelde gekommen war. Von dieser Zeit an ist ihm jedoch die alte Frau von der Isenburg nie wieder erschienen.

65. Das Fegeweib vom Katzenstein.

(Poetisch von Freih. v. Biedermann. Eine Sängerjugend. 1847, S. 27. Darnach Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 452.)

In der letzten Zeit des Mittelalters lebte ein wilder Raubritter auf einer Burg, die auf dem Katzensteine an der schwarzen Pockau bei Pobershau gelegen war, und machte die ganze Umgegend durch seine Unthaten unsicher. Da beschlossen denn die in der nächsten Umgebung ansässigen Ritter diesem Treiben ein Ende zu machen, sie rückten also vor die Burg, umschlossen sie aufs Engste und fingen an, sie aus Kartaunen und Feldschlangen zu beschießen. Allein alle Kugeln fielen, sowie sie die Mauern trafen, kraftlos und unschädlich nieder, denn auf der Mauer stand die alte Amme des Ritters, welche mit dem Teufel im Bunde war, hatte einen Besen in der Hand und fegte mit demselben die fliegenden Kugeln aus der Luft weg; sie selbst natürlich traf keine derselben, ebenso wenig wie irgend jemanden im Schlosse. Schon wollten die Belagerer schier verzweifeln, da trat der Burgkaplan eines der Ritter auf und sprach, er wolle die Kugeln segnen, denn er wisse einen Spruch, dem nichts widerstehen könne. Wie gedacht, so geschehen, er that es; die erste Kugel, die man abschoß, schmetterte die Hexe zu Boden, die zweite riß ein großes Loch in die Mauer und nicht lange dauerte es, so war die feste Burg so zerschossen, daß die Mannschaft auf Gnade und Ungnade sich ergeben mußte. Der böse Ritter ward hingerichtet und seine Burg der Erde gleich gemacht; noch heute aber soll man um Mitternacht bei Mondschein die gespenstige Amme die Trümmerhaufen fegen sehen.

66. Das Gespenst auf der Superintendentur zu Glauchau.

(A. Flader, Wiesenthälisches Ehrengedächtnis, 1719. S. 110. Darnach bei Gräße, Sagenschatz d. K. S., No. 463.)