Von jeher hatten das Städtchen Böhmisch-Wiesenthal und das Dorf Stolzenhan gemeinschaftlich eine Kirche, welche früher an der Stelle stand, wo sich jetzt der Gottesacker beider Orte befindet. Als die Kirche sehr baufällig geworden war, wollte man eine neue bauen, jedoch konnte man sich nicht darüber einigen, wohin dieselbe gebaut werden sollte. Die Stolzenhaner wollten sie nach Stolzenhan und die Wiesenthaler nach Wiesenthal haben. Endlich kam man überein, die Kirche auf dem Grund und Boden derjenigen Gemeinde zu erbauen, wohin der Turmknopf, dessen Niedersturz man baldigst erwarten konnte, fallen würde. Der Knopf fiel auch endlich, und zwar auf Stolzenhaner Gebiet. Ein Einwohner von Wiesenthal aber, welcher zufällig auf seinem Acker in der Nähe arbeitete, zog die Turmspitze mit dem Knopfe eiligst hinüber auf die Wiesenthaler Seite. Somit wurde die neue Kirche in Böhmisch-Wiesenthal und nicht in Stolzenhan gebaut.
795. Von der Klugheit der Hauptmannsgrüner.
(Köhler, Volksbrauch etc. S. 627.)
Die Hauptmannsgrüner wollten einmal eine Wiese nach einem andern Platze ziehen und schlugen einen Pfahl ein, daran befestigten sie ein Ortscheit und spannten Ochsen vor. Als nun der Wind die Schmielen bewegte, hielten sie dafür, daß die Wiese fortrücke. Und als die Ochsen noch mehr angetrieben wurden, rissen die Stränge und die Ochsen liefen bis nach Stenn. In Stenn ist das Ortscheit liegen geblieben und es soll noch heut dort liegen.
Ein andermal konnten die Hauptmannsgrüner das Zapfenloch eines Teiches, dessen Wasser abgelassen werden sollte, nicht auffinden. Da sagte der Richter: »Nun müssen wir'n aussaufen.« Er legte sich zuerst hin und nach ihm die Bauern, und sie fingen an zu trinken.
796. Wie die Ebelsbrunner den Mond fangen wollten.
(Köhler, Volksbrauch etc. S. 627.)
Von den Ebelsbrunnern wird erzählt, daß sie einst den aufgegangenen Mond dicht am Berge stehen sahen; da holten sie Stangen, um ihn herunter zu schlagen, und es entstand in Folge dessen das Spottlied:
»In Abelsbrunn
Sein se hameldumm,
Nehm' se lange Stang',
Woll'n den Manden fang'!«