(Erzgebirgischer Bote, Zwickau 1809, S. 59.)

Zwischen der Stadt Buchholz und dem Dorfe Kunnersdorf steht in einem romantischen Thale eine Mühle, welche den sonderbaren Namen Katzenmühle führt. Ehe noch die Stadt Buchholz erbauet war, stand schon diese Mühle, welche selbst älter als das Dorf Kunnersdorf ist. Bei derselben befand sich ein Stall, in welchem ein Gespenst so böslich hauste, daß der Müller kein Vieh in demselben beherbergen konnte, sondern dasselbe wo anders einstellen mußte. Einst kam bei später Nacht und im schrecklichsten Schneegestöber ein Bärenführer mit zwei Bären, welcher sich im Walde verirrt hatte und den Müller flehentlich um Nachtquartier bat, weil er sonst mit seinen Tieren umkommen müsse. Mitleidig erklärte der Müller dem Bittenden, daß er ihm für seine Person gerne Quartier geben wolle, nur wisse er die beiden Bären nicht unterzubringen, weil er nur einen Stall habe, wo sein Vieh stehe und in einem andern hause ein Gespenst dermaßen, daß kein Tier darin bleiben könne. Gedrungen von der Notwendigkeit erwiderte der Bärenführer, daß er ihm den Stall, wo das Gespenst sei, nur einräumen solle, seine Bären möchten sehen, wie sie mit dem Gespenst fertig würden. Nach mancher Einwendung gewährte der Müller dem Fremden seine Bitte, welcher dann die Tiere in den Stall zog und sie ihrer Maulkörbe entledigte. Um Mitternacht erhob sich ein schrecklicher Lärm in dem Stalle der Bären, der bis gegen Morgen anhielt; dann wurde es endlich still.

Kaum war der Tag angebrochen, als der Bärenführer nach dem Stalle eilte, seine Bären gesund und wohl antraf und kurz darauf mit ihnen seines Weges zog. Bald darauf ging der Müller in den Wald, um sich etwas Holz zu fällen. Indem er an einem Felsen vorbei kam, rief ihn eine Stimme und fragte, oh die bösen schwarzen Katzen noch in seinem Stalle wären. Leicht erratend, daß dies die Stimme seines bösen Gespenstes sei, antwortete der kluge Müller: »Ja, und sie werden auch immer da bleiben«. Seit dieser Zeit wurde er seines bösen Geistes entledigt.

817. Der Geldkeller auf dem Greifenstein. (Zu Nr. 284.)

(Erzgebirgischer Bote, Zwickau 1809, S. 70.)

Zwei Frauen waren einst aus einem benachbarten Orte hinauf auf den Freiwald gegangen, Heidelbeeren zu suchen, und kamen unvermerkt an die Felsen des Greifensteines. Emsig suchten sie umher und hörten nicht auf einen Laut, der aus dem Felsen herabkam. Doch als das Rufen vernehmlicher ward und eine Frau sogar ihren Namen rufen hörte, eilte sie fort dem Schalle entgegen. Hoch und weit geöffnet sah sie plötzlich am Fuße des Felsens eine Höhle. Haufen von Gold türmten sich in ihrem weiten Raume auf und ein rabenschwarzer Hund bewachte den Eingang. Eine freundliche Stimme aus dem Innern der Höhle, die sie erinnerte, ihre Schürze zu füllen, belebte ihren bereits gefundenen Mut und furchtlos bepackte sie sich und eilte davon. Doch mehr und mehr verengte sich mit jedem Schritte die Kluft und ängstlich rufend entfloh sie mit schnellen Schritten der Geisterhöhle. Als sie aber am Ausgange war, ergriff der Hund ihre Bürde mit gierigen Klauen. Das geängstigte Weib starb am folgenden Tage.

818. Gottes Speise bei Zwickau. (Zu Nr. 435.)

Diese Sage befindet sich auch in »Loci theologici historii, oder Theologisches Exempel-Buch etc. in Ordnung gebracht durch M. Casparum Titium, Pfarrherrn zu Heckstedt (Leipzig, 1684)« S. 99 folgendermaßen erzählt: Zu Zwickau verfällt ein Knabe, der ausgetrieben hatte, mit einem tiefen Schnee, den findet man erst am dritten Tage im Walde, als er gefragt wird: Warum er nicht das Vieh eintreibe? spricht er: Ist doch noch nicht Abend. Ei, sagten die Leute, ists doch schon dreimal Abend gewesen; der Knabe sagt: Hier nicht. Sie fragen weiter: Hungert dich nicht? Er antwortet: Nein, ein Mann in einem weißen Kleide brachte mir ein Stück Käse und Brot, davon bin ich noch satt. Wer wollte hier sagen, daß es nicht ein Engel gewesen?

819. Die Berggeister des Greifensteins beschenken einen Wandersmann. (Zu Nr. 537.)

(Erzgebirgischer Bote, Zwickau 1809, S. 70.)