(Mündlich.)
Im sogenannten Vogelwalde unterhalb Pöhla soll zu manchen Zeiten des Nachts 12 Uhr ein Leichenzug zu sehen gewesen sein. Begegneten demselben Personen, so mußten dieselben wie festgebannt stehen bleiben; nur derjenige, welcher eine brennende Zigarre bei sich führte, konnte ungehindert seines Weges ziehen.
115. Der Kirchenbau in Pritschapel.
(Fr. Bernau, Comotovia, 1877, S. 77.)
Bei dem unweit Komotau gelegenen Dorfe Pritschapel erhebt sich ein nach allen Seiten ziemlich steil abfallender Hügel, auf dessen Gipfel noch im Jahre 1859 eine alte Kirche stand, welche jedoch im Juli 1860 infolge eines Blitzschlages gänzlich abbrannte, so daß von ihr gegenwärtig nur geringe Überreste vorhanden sind. Als diese Kirche gebaut werden sollte, so erzählt die Sage, war eigentlich schon ein Platz im Thale dazu bestimmt und ausgemessen worden. Als aber der Bau begonnen hatte, gewahrte man am folgenden Tage, daß Bausteine, Mörtel u. s. w. nebst der begonnenen Grundmauer sich auf dem Gipfel des Berges befanden. Man zerbrach sich wohl den Kopf, wie das zugegangen sein konnte, gelangte aber zu keinem Resultate und führte die Materialien wieder bergab zur alten Baustelle. In der Nacht darauf tobte ein furchtbares Gewitter, so daß die Leute nach dortiger Sitte aufstanden, um zu beten. Wie nun die Blitzstrahlen über den Himmel dahinfuhren, will man auf dem Berge ein übermäßig großes, sehr schönes weißes Maultier gesehen haben, das die Baumaterialien den Berg wieder hinauftrug. Man sah dies als einen Wink Gottes an, und die Kirche wurde auf dem Gipfel des Berges erbaut.
Bei dieser Sage ist wohl nicht, wie Naaff in der Comotovia 1877, S. 77 meint, an die jüdisch-römischen Wundergeschichten von den Tempelbauversuchen nach der Zerstörung Jerusalems unter Titus zu denken. Das weiße Maultier erinnert vielmehr an das weiße Roß Odhins oder des slavischen Gottes Swantowit, oder an die weissagenden Rosse, welche sowohl die heidnischen Germanen als auch Slaven besessen haben. Eine große Ähnlichkeit mit unserer Sage hat diejenige vom weißen Pferde in Löbau, welches jede Nacht die Baumaterialien vom Schafberge, auf welchem man ursprünglich die genannte Stadt gründen wollte, hinab ins Thal trug, so daß nun hier die Anlage der Stadt erfolgte. (Haupt, Sagenbuch d. L. II. No. 189.)
116. Der große Bergsturz zu Altenberg.
(Meißner, Nachricht von der Bergstadt Altenberg, 1747, S. 430–32. Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, 1855, No. 208.)
Am 24. Januar 1620, früh zwischen 4 und 5 Uhr, hat sich zu Altenberg der dritte und größte Bergbruch ereignet. Ob nun schon dadurch der größte Teil der Stadt überaus heftig erschüttert worden ist, so ist es doch durch des allmächtigen Gottes Fürsehung noch so abgegangen, daß nur eine bereits vorher gewesene Binge weiter und tiefer einging, sowie vier Zechen und ein Schacht verfielen und des Bergschmieds Wohnhaus versank. Die meisten Bergleute sind glücklich gerettet worden, obschon sie zum Teil 3 Tage und Nächte lang ohne Speise in der Tiefe ausharren mußten. Nur ein alter Bergmann von 79 Jahren, mit Namen David Eichler (oder Siemon Sohr), ist nicht zu finden gewesen, auf welchem die meiste Schuld hernach sitzen geblieben, weil er nämlich aller Warnung ungeachtet, alle Bergvesten, d. h. Pfeiler, welche man zum Schutze der Decken stehen läßt, nach und nach weggehauen habe. Derselbe soll auch sonst ein gottloser Mensch gewesen sein und an diesem Tage ohne Gebet und in Teufels Namen eingefahren sein. Nach Inhalt der folgenden Klagereime sind aber ihrer wohl noch mehrere an diesem Unglücke Schuld gewesen; sie lauten also:
»Ich George Frölich der Alte,
ich wolt übern Bergwerck halte,
es wolt aber gar nicht seyn.
sondern die Gottlosen fuhren hinein,
und rissen die Berg-Vesten ein,
das ist bewust der ganzen Gemein.«