Vom Holzweibchen werden dann und wann einige alte Sagen herumgetragen, daß es vom Satan gejagt würde und in solcher Flucht einen Stock, darin die Holzhacker ein Kreuz gehauen, suche, sich darauf setze und alsdann erlöset würde. Man hat auch von alten Leuten zu Grum- und Steinbach erzählen hören, daß vor alten Zeiten ein Holzweibel gekommen, sich auf den Ofenherd gesetzet und gesponnen und das Gespinst in die Stube geworfen habe; dem hätten sie müssen zu essen geben.
So wollte man auch im Februar 1681 auf dem Pfannenstiel, einem Schönburg'schen hohen Walde, ein Holzweib gesehen haben, welches einen großen Schnee, schnelle Wasserfluten und hitzigen Sommer angedeutet, darauf viel Menschen und Vieh hinsterben würden.
178. Gejagtes Holzweibchen bei Steinbach.
(Christ. Lehmann a. a. O., S. 187.)
An der Aschermittwoch des Jahres 1633 hatte Adam Beyer im Walde bei Steinbach einen Baum gefällt. Indem der Baum im Fallen ist, hauet er nach der Holzhacker Gebrauch ein Kreuz hinein; sogleich kommt ein gejagtes Waldweibchen und bleibet an dem mit dem Kreuz bezeichneten Baume stehen, da es dann sicher geblieben. Unterdessen füllet es dem Holzhacker seinen Kober mit Spänen, er aber schüttet die Späne wieder aus, und da ungefähr ein Spänlein hängen geblieben und er nach Hause kommt, findet er an dessen statt einen ganzen Thaler. Er gehet alsobald wieder in den Wald, in der Hoffnung, solcher Thaler viel aufzulesen, aber vergebens. Doch weil dieser Mann damals in kurzer Zeit zu seinen Mitteln gekommen, hat man vermutet, er müsse etwas gefunden haben. Von dieser Begebenheit an gehet niemand gern an der Aschermittwoche daselbst ins Holz, in der Meinung, der Teufel jage das Holzweibchen an der Aschermittwoche.
Auch im Thüringerwalde und Fichtelgebirge wohnen Waldweibchen zuweilen bei den Menschen, sie geben ihnen Geschenke und sind vor dem wilden Jäger auf Baumstämmen, in welche drei Kreuze eingehauen wurden, sicher. Dasselbe wird von den Moosweibchen erzählt, welche Menschen um Brot bitten. Wenn in Pfaffenreut bei Wunsiedel beim Mahl an dem Rande der Schüssel durch Herausschöpfen Tropfen hängen blieben und diese die Kinder oder auch Erwachsene mit dem Löffel abstreifen und verzehren wollten, sagten die Ältern: »Das dürft ihr nicht, das gehört dem Moosfräula!« Ein Beweis von dem freundschaftlichen Verkehre, in welchem die Wald- und Moosweibchen mit den Menschen standen. (Witzschel, Sagen aus Thüringen, No. 206, 212, 221, 235. Zapf, Sagenkreis des Fichtelgebirges, S. 37.)
Mannhardt erklärt die Holz- und Moosweibchen für Genien der Wälder und Personifikationen des Blättergrüns; darauf fußt der Glaube, daß ihr Leben an dasjenige der Waldbäume gebunden ist. Wenn die Sage erzählt, daß der wilde Jäger (d. h. der Sturmgott Wuotan) die Waldweibchen jage, so ist dann darunter der Sturm zu verstehen, welcher die Blätter vor sich her treibt. Damit hat sich aber die ältere Vorstellung, nach welcher unter den gejagten Frauen Wolken zu verstehen sind, verändert; die Wolkenfrauen, welche durch Regen die Pflanzenwelt befeuchten, sind später auf die Erde herabgezogen und zu Waldgenien geworden. (Mannhardt, die Götter der deutschen und nordischen Völker, S. 112 und 116.)
179. Von Holzweibchen geschenkte Späne verwandeln sich in Gold.
(Edwart Heger in der Erzgebirgszeitung, VI. S. 84.)
In der Gegend von Kupferberg erhielten Waldarbeiter von den Holzweibchen häufig Geschenke; doch mußten sie sich auch manchen Schabernack gefallen lassen. Oft machten sich die Weibel unsichtbar und nahmen den Leuten die mitgebrachten Lebensmittel weg. Der hungrige Waldmann fand dann manchmal statt des Mittagsbrotes höchst ärgerlicherweise nur eine Menge Hackspäne in seinem Schnappsacke vor, die er meist achtlos wegwarf. Zuhause angekommen, erstaunte er freilich, wenn einige hängengebliebene Spänchen und Splitter zu purem Golde geworden waren. Ähnliches passierte auch einmal zweien armen Weibern, die oberhalb des Pürsteiner Burberges und unweit des Dorfes Gesseln in der Waldung dürres Holz sammelten. Sie trafen da ein kleines Wesen, das ihnen eine Menge Hackspäne zeigte und sie aufforderte, diese Späne noch mitzunehmen. Die Weiber, obwohl schon ziemlich belastet, gehorchten und füllten die letzten leeren Plätzchen in ihren Körben mit den Spänen, auf dem Heimwege aber, als die Bürden sich gar zu schwer erwiesen, sagten sie: »Was sollen uns eigentlich auch die Späne!« und warfen sie hinaus. Nur ein paar dieser Späne blieben an den Körben hängen, und diese wurden zuhause – o Wunder! – zu blankem Golde. Jetzt freilich ärgerte es die Weiber ungemein, daß sie die reiche Gabe so leichtsinnig weggeworfen hatten, und das ließ in ihnen leider die Freude über den verbliebenen Rest schönen Goldes sowie das Gefühl der Dankbarkeit gar nicht recht aufkommen.