(Nach Ziehnerts poet. Bearb. bei Gräße a. a. O., No. 578.)

Einst wohnte ein alter Fischer am Ufer der Pöhl, der hatte eine wunderschöne Tochter. Dieselbe hatte sich aus der großen Anzahl ihrer Anbeter einen der hübschesten jungen Burschen angesucht. Nun war sie aber heitern und muntern Sinnes, und daher kamen oft aus dem benachbarten Dorfe die jungen Mädchen und Burschen bei ihrem Vater zusammen und vertrieben sich die Zeit mit heiteren Scherzen und Spielen. Da begab es sich einst, am Andreasabend, daß das junge Volk auch wieder beisammen war und im Scherz darauf kam, die Zukunft zu befragen. Man schaffte Blei herbei und ein jeder versuchte sein Glück mit Gießen. Als nun die Reihe auch an die schöne Fischerstochter kam, da spritzte auf einmal beim Guß helles Feuer aus dem Wasser, das Blei zerfuhr und nahm sich auf dem Wasser wie Blutstropfen aus. Das Mädchen schrie laut auf und alle schwiegen bestürzt ob des traurigen Anzeichens. Endlich schlug ihr Bräutigam vor, das Schicksal noch einmal zu befragen, nämlich nach dem Pöhlwasser zu gehen und dort Reiser zu suchen. Zwar wollte das Mädchen nicht mit fort, allein durch Zureden ließ sie sich endlich bewegen mit zu gehen; alle ihre Begleiter brachen sich ihre Zweige, als aber die Fischerstochter nach einem derselben langen wollte, glitt sie aus und ein Nix zog sie hinab in die Fluten. Der Nix sah am ganzen Leibe blau aus und trug auf dem Haupte ein Krönlein. Verzweiflung erfaßte den Bräutigam und den betagten Vater. Letzteren entrückte der Tod bald seinen irdischen Leiden, der Bräutigam aber irrte jede Nacht am Ufer der Pöhl in halbem Wahnsinn herum und behauptete, er sähe seine Braut in blauer Nixentracht aus der Flut auftauchen, sie breite die Arme nach ihm aus und rufe ihm zu, in einem Jahre werde sie wieder mit ihm vereinigt sein. So verging ein Jahr; der sonst so blühende Jüngling war fast zum Schatten zusammengeschwunden, und als die Andreasnacht kam, da war er an seinem gewöhnlichen Orte. Allein dieses Mal sahe er seine Braut nicht mehr aus den Fluten winken, als Leiche lag sie im Sande, und als der andere Morgen kam, da fand man ihn neben ihr tot liegen und begrub beide in einem Grabe. Seit jenem Tage aber sieht man dort unzählige Irrlichter auf- und abfliegen, die manchen schon verführt haben; wo aber der Nix das Mädchen hinabzog, da ist das Wasser grundlos geworden, ohne Unterlaß wirbeln die Wellen dort im Kreise und wehe dem Schwimmer, Kahn oder Floß, die sich dahin verirren, der Strudel zieht sie ohne Erbarmen in den Grundtümpel (so nennt man jene Stelle) hinab.

204. Der Wasserteufel in einem Sumpfe bei Gottesgab.

(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 208.)

Im Jahre 1613 wollte ein Bürger zu Gottesgab einen alten Teich, der lange als Sumpf wüste gelegen, wieder herrichten lassen. Als nun zwei Bergleute den Sumpf abführten und zu Grund arbeiten wollten, fuhr ein Wasserteufel im Sumpf auf, wütete und tobte und trieb die Bergleute mit Wasser und Schmutz fort, so daß sie ausreißen mußten.

Solch unbändiges Wesen zeigten auch Niederlausitzer Nixe. In einem Teiche bei Branitz bei Cottbus verursachten sie im Wasser ein »Prusten und Schnaufen, als wären Pferde hineingefallen und dem Ertrinken nahe.« (Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 189.) S. auch No. 227.

205. Die Wassernixe am Hans-Heiling-Felsen.

(Ed. Wenisch in der Erzgebirgs-Zeitung, 2. Jahrg., S. 5.)

Hinter dem Dörfchen Aich erhebt sich dicht am linken Ufer der Eger eine Felsengruppe, welche den Namen Hans-Heiling-Felsen führt. Über dies Steingebilde meldet die Sage folgendes:

Vor alten Zeiten, als noch die mächtigen Markgrafen von Vohburg Schloß und Gebiet Elbogen beherrschten, fand ein armer Bauer, der auf das Schloß Frondienste zu leisten ging, dort, wo der Hochaltar der Schlaggenwalder Kirche steht, zwischen zwei großen Steinen ein verlassenes weinendes Knäblein. Andere sagen, am Berge Krudum sei dies gewesen, wieder andere, bei den drei Linden, dem heutigen Schönfeld. Von Mitleid ergriffen, hob er es auf und trug es mit sich. Im Schlosse angekommen, begab sich der Bauer sofort zu der Markgräfin Johanna und sprach: »Es ist pflichtiger Gebrauch, beim Erscheinen auf dem Schlosse eine Gabe mitzubringen. Ich habe heute, als ich eben zur Frone hierher ging, dies Kindlein gefunden und biete es Euch als Gabe dar. Möchtet Ihr doch, gnädige Herrin, an dem armen, hülfsbedürftigen Waislein Barmherzigkeit üben und sein besser pflegen als die eigene Mutter!« Die Worte des biederen Mannes erweichten der Markgräfin Herz. Sie nahm sich des Knäbleins an, das auf ihr Verlangen in der Taufe den Namen Hans, nach seinem Finder aber den Zunamen Heiling erhielt.