Freue dich der Güte und Macht, die dich bis auf diese Stunde ernährt, erhalten, behütet, und auf mancherley Weise gesegnet hat! —

Solltest du es für ein geringes achten, daß du in der Christenheit geboren und zur Erkenntniß des allerbesten Gottes und Vaters Jesu Christi erzogen worden bist? daß du ein Christ bist, und einer christlichen Herrschaft dienen kannst?

Gottes Alles leitende Fürsehung, das ist, Gott selbst, der weiseste und gütigste Vater wollte, daß du ein Dienstbote seyst, und deine Kräfte zum Dienst und zur Hülfe anderer Menschen anwendest. Freue dich auch dieser Leitung, und dieses Willens Gottes. Alles, was Gott will, ist gut. Er will nicht nur das Gute, sondern das Beste. Es ist besser, daß du Knecht oder Magd, oder Kinderwärterin, oder sonst eine Art Dienstbote seyst, als etwas anders. Traue es der guten Fürsehung Gottes einfältig zu; der Fürsehung, ohne deren Willen nicht einmal ein Sperling auf die Erde fallen kan; — Gottes Wille ist es, daß du andern, die nach ihren äusserlichen Umständen höher sind, als du, dienest — Wie Gott nun einen jeden berufen hat, also wandle er — Auf äusserliche Umstände und Vorzüge kommt es gar nicht an — Nur auf die Erfüllung der Gebote Gottes; in welchem Beruf ein jeder berufen worden, in demselben bleibe er. — Bist du ein Knecht zu seyn berufen, so laß dir das keine Sorge machen — denn, wer ein Knecht zu seyn berufen ist, in dem Herrn, das ist, im Glauben an des Herrn Weisheit und allwaltende Güte, der ist ein Gefreyter des Herrn. — Ihr Brüder und Schwestern, jeglicher verbleibe vor Gott in dem, wozu er berufen ist. 1. Cor. VII.

Denke nicht, daß du in diesem Stande nicht fromm seyn, bey dieser Lebensart Gott nicht dienen, und seinen Willen nicht vollbringen könnest. Nein! Man kan in jedem Stande, bey jeder Lebensart demjenigen dienen, und dessen Absichten befördern und erfüllen, der uns in diesen Stand gesetzt, und uns in diese Lebensart hineingeführt hat. Seiner Herrschaft treu dienen, heißt Gottes weiser und guter Fürsehung, heißt Gott selber dienen und folgen. Nicht allein Beten ist Gottesdienst; sich nach dem Willen der Fürsehung, sich nach denen Umständen richten, in welche uns diese Fürsehung gesetzet hat, auch das ist Gottesdienst. Nicht diese oder jene besondre Uebung der Andacht, des Lesens, des Nachdenkens, nicht das Kirchengehn und Abendmahl halten, machen das Wesen der Religion aus; sondern das ist ein vernünftiger, ein weiser, Gott angenehmer Gottesdienst, wenn man seinen Leib, alle seine Glieder, alle Kräfte seines Geistes und Körpers Gott und seiner Fürsehung zum Opfer bringt, und so gebraucht, wie Gottes Wort, unser Gewissen und die Umstände, in denen wir uns befinden, es erheischen; — seinem eignen Willen, seinem Vortheil, seiner Ehre entsagen, um dem bessern Willen Gottes zu folgen, der uns immer zu einem größern Glücke führt, als dasjenige ist, welches wir mit unserm eignen Willen suchen.

Diene also deinem Gott! Lebe zur Ehre deines Herrn, und sey eine Zierde der Religion dadurch, daß du in deinem Berufe treu, gehorsam, willig, freudig, und gewissenhaft seyst. Ja, du mein Bruder, meine Schwester, die mit mir in Einem Dienste stehen, in dem Dienst unsers Herrn Jesu Christi, ich bitte dich, erzeige dich in allen Dingen ohne einige Ausnahme treu, redlich und gewissenhaft. — Handle in aller Einfalt immer so, wie du es mit aller Billigkeit von einem Dienstboten verlangen könntest, wenn du die Herrschaft wärest! Was du in diesem Fall an einem Dienstboten ungern hättest, das sollst du niemal gegen deine Herrschaft thun.

Hättest du es gern, wenn du Herr oder Frau wärest, wenn ein Dienstbote dich bestehlen, betrügen, verläumden, dir widersprechen, widerstreben, und irgend etwas zu leid thun würde? — Hättest du es billiger Weise nicht gern, wenn dir dein Dienstbote Achtung und Ehrerbietung bezeigen, deinen Nutzen und Vortheil auf jede redliche Weise bestmöglichst suchen und befördern würde? wenn er sich deinen Nutzen und deine Ehre mehr, als seine eigene angelegen seyn lassen würde?

So sollst du derohalben gegen deine Herrschaft gesinnet seyn!

Uebe dich täglich in dieser Gesinnung; gewöhne dich, dich oft an ihre Stelle zu setzen, um zu merken und zu empfinden, wie es ihnen vorkommen, wie ihnen zu Muth seyn müsse, wenn du ihnen gehorchest, oder nicht gehorchest; dieß und jenes thust, oder unterlässest.

Je mehr du dieser einfältigen Regel folgest, desto ruhiger, gesegneter, beliebter, glücklicher wirst du seyn; desto freyer und lieber an Gott denken; desto kindlicher und zuversichtlicher zu ihm beten dürfen; desto augenscheinlicher, gnädiger, und erfreulicher wird er dich erhören.