Versiegle nun den Bund durch einen feuchten Kuß,
Bis dich des Priesters Hand mir völlig überreiche,
Und glaube, daß mich selbst der Himmel strafen muß,

Wofern mein Wankelmut dein Bild in mir verstreiche.
Drum liebe nur getrost; denn die Beständigkeit
Wirkt mir den Hochzeitrock und auch das Leichenkleid.

[An seine Schöne]

So wenig eine junge Rebe
Des Ulmbaums Hilfe missen kann,
So wenig ficht der Neid mich an,
Daß meine Brust dir Abschied gebe:
Mein treues Herz ist ein Magnet,
Der nur nach einem Pole steht,
Dein Nordstern leitet meine Liebe,
Ich leb' und sterbe dir getreu,
Wenn gleich der Schickung Tyrannei
Mich heute noch ins Elend triebe.

Eröffne mir das Feld der Brüste,
Entschleuß die wollustschwangre Schoß,
Gib mir die schönen Lenden bloß,
Bis sich des Monden Neid entrüste.
Die Nacht ist unsrer Lust bequem,
Die Sterne schimmern angenehm
Und buhlen uns nur zum Exempel;
Drum gib mir der Verliebten Kost,
Ich schenke dir der Wollust Most
Zum Opfer in der Keuschheit Tempel.

Die Zeit kommt nimmermehr zurücke,
Wenn sie schon einmal sich verkreucht,
Und die Gelegenheit entweicht
In einem kurzen Augenblicke.
Wer weiß, wer dich in einer Frist
Von vierundzwanzig Wochen küßt?
Wie bald kann mich ein Stahl entleiben,
Dann wird dein angenehmer Mund,
Der meiner Sehnsucht offen stund,
Mit andern sich die Zeit vertreiben.

Jedoch soll mich der Tod entreißen,
Du aber meine Leiche sehn,
So soll mir doch der Wunsch geschehn,
Dir in der Gruft getreu zu heißen;
Mein Blut soll dir beständig sein,
Und meines Körpers Leichenstein
Wird diese Grabschrift nie verlieren:
Hier schläft, mein Kind, dein ander Ich,
Dem wenig, glaub' es sicherlich,
Den Preis der Redlichkeit entführen.

[An Magdalis]
Als er sie auf einige Zeit entbehren sollte.

Zwei Tage soll ich dich und deinen Umgang meiden,
Du treue Magdalis, das geht mir bitter ein;
Bringt mir die kurze Zeit so ungemeines Leiden,
Wie groß, bedenk es doch, wird nicht mein Schmerzen sein,
Wenn ich das Vaterland mit einer fremden Erde
Auf soviel Jahre bald einmal vertauschen werde?
Doch willt du deine Gunst mir zur Gefährtin schenken,
Und würdigt deine Huld mich der Beständigkeit,
So glaube, daß der Trost von deinem Angedenken
Den schärfsten Wermut mir mit Zucker überstreut.
Und gönne meiner Brust, daß sie dein Herz behalte,
Bis mein entseelter Leib einst in der Gruft erkalte.