Sie aber schlug den Blick gen Himmel, und es brach wie ein Lichtglanz durch ihre Thränen:

„Seine Kraft ist in dem Schwachen mächtig.“

„Maria,“ rief Godber, und drückte ihre Hand fester, „kannst Du mir vergeben?“

„Als ich den Ring von Deinem Finger zog,“ antwortete sie, „da habe ich Dir vergeben!“

Godber ließ ihre Hand fahren und sah nach seinem Ringe. Zum ersten Mal bemerkte er, daß dieser ihm fehle. Er starrte auf die Stelle, wo er ihn getragen, konnte nicht begreifen, wann das Pfand der Treue von seiner Hand gekommen, und es war ihm, als sei nun erst seine Untreue vollendet, als sei nun erst jede Rückkehr unmöglich geworden. Er hätte in diesem Augenblick viel darum gegeben, den Ring noch zu haben; er hätte ihn in diesem Augenblick um keinen Preis fahren lassen. Der Gedanke, daß er ihn nicht mehr habe, dehnte eine Kluft vor ihm aus, die ihn auf ewig von Maria trennte. Nun erst war sie für ihn verloren, unwiederbringlich verloren, als wenn nicht schon längst sie von einander geschieden gewesen wären. Als er wieder aufsah, war Maria verschwunden.

Idalia hatte diesen Auftritt von weitem angesehen, und ohne ein Wort darüber zu verlieren, ward sie nur immer kälter und fremder gegen Godber. Er aber hing sich mit seiner Liebe ihr desto fester und fester an. Sie war gleichsam das Anker, das ihn halten sollte im Sturm der widersprechenden Gefühle, in dem Kampf der sich unter einander verklagenden Gedanken. Er fühlte, daß wenn sie ihn aufgebe, die Kraft seines Lebens gebrochen wäre, daß ihm dann das Bewußtsein ausginge, warum denn Alles so gekommen sei, daß er dann in der Wüste des Meeres umhertaumele, wie ein Leichnam, der von der felsigen Küste ringsum immer wieder in die Wogen zurückgeworfen wird.

XIV.

Gabe ist, was Licht und Leben,

Gnade ist, was Frieden gab!

Sollen Engel niederschweben,