„Den hohlen Klang nehme ich Ihnen nicht übel,“ erwiderte Hold; „aber daß es eine Stunde in Ihrem Leben geben konnte, in welcher Sie nach Ihrem eignen Ausdruck eine hohle Schale waren, und doch nun, bei solchem Geständnis, sich noch länger in der ganzen Hohlheit und Leerheit Ihrer Ansichten, die eigentlich, wie Sie es selbst aussprechen, nichts weiter als Gedankenlosigkeit sind, wohl fühlen können, das verstehe ich nicht. Ich fürchte, Gott wird Sie noch einmal mit gar schwerer Hand anfassen, oder vielmehr ich muß es wünschen.“
„Sie werden es mir erlauben,“ sprach Oswald lachend, „den Dank für diesen frommen Wunsch bei Ihnen zu ersparen.“
Hold wandte das Gespräch auf andere Dinge, und da sie sich in der Bekanntschaft mit dem Liede, aus dem die vorher von ihnen angeführten Strophen genommen sind, zusammengefunden, ward die Poesie der Gegenstand ihrer Unterhaltung. Hierin stimmten die Urteile Beider fast ganz zusammen. Oswald’s ausgebreitete Belesenheit in diesem Fache hatte sein richtiges Gefühl nicht verwirrt, sondern nur geschärft. Kein blendender Bilderschmuck bestach ihn; kein dichterischer Gedanke ging ihm um der mangelhaften, poetischen Form willen verloren. Ossian, der Barde, der selbst dem Nebel Kraft und Anmut einzuhauchen wußte, war sein Liebling, und er behauptete mit Hold’s völliger Zustimmung, daß man in dem Brodem des Plumpuddings groß gezogen sein müßte, um Ossian’s Gedichte zu dem untergeschobenen Machwerk eines gentleman machen zu können. Je lebendiger Oswald sprach, je reicher er seine vielseitige Kenntnis der schönen Literatur entfaltete, je wahrer er das Flache von dem Tiefen, die gemachte von der wirklichen Begeisterung unterschied, desto mehr mußte sich Hold wundern, wie ein Mensch zugleich so scharf und richtig urteilen, und doch so gedankenlos hinleben; so wahr und so stark empfinden, und doch so gefühllos für den Geist Gottes sein könne. Es war ihm unbegreiflich, wie Oswald bei den Ergüssen himmlischer Begeisterung eines Dichters mit inniger Anerkennung weilen konnte, ohne dadurch auf sich selbst und seine Entfremdung von allem Göttlichen geführt zu werden. Es war, als trüge ihn seine Phantasie mit in den Aufschwung dieser Dichter hinein, und als sähe er dennoch darin nur den Flug eines Luftballons, der aus seiner Höhe ohne weitere Kunde von den göttlichen Dingen zur Erde herabsinkt. Aber — sie haben Augen und sehen nicht; sie haben Ohren und hören nicht.
Für die Leser, welche das Gedicht, aus welchem wir oben einzelne Verse in die Erzählung verflochten haben, ganz kennen zu lernen wünschen, möge es hier stehen.
Das Leben.
Ein Anfang ohn’ Ende;
Ein Schleier ohne Bild;
Ein Träumen und Sehnen,
Das nimmer gestillt;