Inhalt.

Seite
[Vorrede].
Einleitung[1]
Der Aether[9]
Wirkung des flüssigen Aethers[13]
Historischer Ueberblick der Anwendung der Aetherdämpfe durch Einathmen[16]
Prioritäts-Ansprüche auf die Entdeckung der Wirkung der Aetherdünste[21]
Apparate zum Einathmen der Aetherdämpfe[23]
Anwendung der Aetherdämpfe[32]
Stellung des Kranken beim Einathmen der Aetherdämpfe[36]
Wirkung des Einathmens der Aetherdämpfe[37]
Verschiedene Arten des Aetherrausches[53]
Wirkung der Aetherdämpfe in Bezug auf den Schmerz bei chirurgischen Operationen[59]
Chirurgische Wahrnehmungen bei Aetherisirten[63]
Verhalten nach der Operation[65]
Von der Anwendbarkeit der Aetherdämpfe bei den einzelnen chirurgischen Operationen[70]
Ueberblick der chirurgischen Operationen unter günstiger Anwendung der Aetherdämpfe[96]
Einwürfe gegen die Anwendung der Aetherdämpfe bei chirurgischen Operationen[98]
Anwendung der Aetherdämpfe in der Geburtshülfe[120]
Anwendung der Aetherdämpfe in der inneren Heilkunde[126]
Anwendung der Aetherdämpfe in der gerichtlichen Medizin[128]
Von der Anziehungskraft des Aetherrausches[131]
Von der wahrscheinlichen Aehnlichkeit des Aetherrausches mit dem Sterben[133]
Chirurgische Operationen, welche ich unter Anwendung der Aetherdämpfe vorgenommen habe[134]
Ausziehen einer Messerklinge aus der Hand[136]
Operationen an der Brust[138]
Operation der Nerven-, Balg- und Fett-Geschwülste[149]
Operation des Blutschwamms[153]
Operation einer Pulsadergeschwulst[159]
Operationen des Kropfes[160]
Exstirpation der Mandeln[163]
Operationen von Nasenpolypen[165]
Nasenbildungen[172]
Operation einer großen Brandnarbe am Halse[179]
Operationen der Hasenscharte[180]
Operation des Lippenkrebses[182]
Operation einer Speichelfistel[184]
Operation eines Sarcoms aus der Rachenhöhle[184]
Operation einer Gaumenspalte[186]
Operationen von Drüsengeschwülsten[186]
Theilweise Resectionen der Kiefer[188]
Operation des Schielens[193]
Operation von Wasserbrüchen[194]
Zerstückelungen von Blasensteinen[198]
Bruchoperationen[199]
Operation der angebornen Phimose[210]
Operation eines Mastdarmpolypen[211]
Operation eines Mastdarmvorfalls[211]
Operation eines Panaritiums[212]
Amputation größerer Glieder[213]
Sehnen- und Muskel-Durchschneidungen[215]
Operation des falschen Gelenkes[223]
Einrenkung des Oberarms[224]
Ansetzen von Moxen[225]
Schlussfolgerungen[227]

Vorrede.

Bei der Herausgabe dieser Schrift beabsichtigte ich zweierlei. Zuerst wollte ich die neue, vielverheißende Entdeckung der Stillung des Schmerzes, in ihrem wahren Werthe darstellen. Zweitens durch sie zur Stillung der Schmerzen des Hungers der Armen mit beitragen. Könnte ich Beides erreichen, so würden die Abendstunden welche ich auf meine Arbeit verwendete, angenehm vollbracht sein.

Daß ich bei der Bearbeitung des Gegenstandes ohne Vorurtheile für oder wider gewesen bin, kann ein Jeder sehen, welcher diese Schrift durchblättern will. Wenn er vielleicht auf der einen Seite mich als Freund des Aethers ansieht, wird er auf der anderen mich für einen Gegner desselben halten; das kommt, weil ich das Für und das Wider erwogen, Andere gehört, und selbst gesehen habe.

Daß ich aber vorsichtig in meinem Urtheil gewesen bin, mitten im allgemeinen Aetherrausch, wird man mir nicht übel nehmen. Die sich im tiefsten Frieden gewaltig bewegende Zeit hat binnen Kurzem so viele Erfindungen und Entdeckungen geschaffen, welche, mit Enthusiasmus aufgenommen, zum Theil nur eine kurze Lebensdauer hatten, da sie nicht das leisteten, was man sich von ihnen versprach. Daraus entsprang die Furcht, es mögte mit dem Aether auch so sein.

Ich will einmal versuchen, einen Soldaten, welcher der wichtigsten neueren Erfindungen theilhaftig geworden wäre, ins Feld zu stellen. Er verläßt das älterliche Haus mit dem Daguerreotyp-Medaillon von Vater und Mutter auf der kindlichen Brust. Seine Waffe ist ein Percussions-Gewehr. Er ist bekleidet mit einem Waffenrock von Filztuch, darüber hängt ein Paletot von Macintosh; er trägt ungenähte, mit Holzstiften zusammengefügte Maschinen-Stiefeln. Seinen Leib umgiebt ein Gürtel mit einer Tasche von künstlichem Leder. Sie beherbergt Schießbaumwolle und conische Kugeln. Im Tornister befinden sich außer den Bekleidungsstücken zwei Flaschen, die eine mit Binellischem Wasser, die andere mit Schwefeläther gefüllt; jenes zur schnellen Blutstillung bei Verwundungen, dieser als Betäubungsmittel beim Ausschneiden von Kugeln, bei der Abnahme eines Beins u. s. w. Die zweihalsige Feldflasche aus welcher er nur Wasser trinkt, denn er gehört zum Mäßigkeitsverein, bildet den Athmungsapparat. Sein Eßsack enthält das neue Oelkuchenbrot. Das Magazin seines Helmes beherbergt ein Büchschen von Neusilber mit Streichzunder und Streichkerzchen, und statt der nicht mehr üblichen Pfeife eine Patent-Cigarrentasche mit Cigarren, darunter auch einige Brustcigarren beim Husten. So armirt und equipirt besteigt der junge Krieger den Eisenbahnwagen. Die Locomotive stößt ihren gellenden, herzzerreißenden Schrei aus, und mit sausender Windesschnelle führt ihn der Dampf zum Heere, und in zwei Tag- und zwei Nachtfahrten, er hat sein Oelkuchenbrot noch nicht verzehrt, sind die zweihundert Meilen durchflogen, und er blickt dem Feinde ins Angesicht! Er ist Artillerist. Sein Auge sieht mit Wonne die neuen, blanken galvano-plastisch plattirten sicheren Geschütze, aber statt dem Feinde Verderben zu bringen, zerspringen sie beim ersten Schuß und zerreißen die Glieder der Männer welche sich ihrem Dienste geweihet.

Von den hier bei einem einzigen Menschen in Anwendung gebrachten neuen Erfindungen, sind mehrere, welche so großes Aufsehen erregten, schnell wieder vergessen worden. Das Binellische Wasser, welches vor 15 bis 20 Jahren als untrügliches Blutstillungsmittel beinah so großes Aufsehen wie jetzt der Aether erregte, leistete nicht mehr wie kaltes Wasser. Das Filztuch hörte als Bekleidungsstoff bald wieder auf, weil es nicht hielt; der Macintosh ebenfalls, weil man dabei zwar von außen trocken blieb, aber von innen naß wurde; die conischen Kugeln sind noch nicht ins praktische Leben getreten; aber die schöne, weiße Schießbaumwolle hat wieder dem schwarzen Pulver weichen müssen, und statt den Tod zu geben, den bescheidenen Dienst einer heilenden Helferin bei Geschwüren übernehmen müssen.

Dem Aether aber wünschen wir, daß er sich halten möge, obgleich es schon anfängt stiller von ihm zu werden. Leistet er nur die Hälfte von dem, was man bis jetzt noch von ihm glaubt, so hat Jackson einen Theil der Schuld, mit welcher Amerika Europa verpflichtet ist, abgetragen, seinem Namen aber die Unsterblichkeit gesichert.

Allen den Aerzten welche mich mit Beiträgen und Notizen aus fremden Zeitschriften, so wohlwollend bei meiner Arbeit unterstützten, statte ich hiermit meinen ergebenen Dank ab, es sind die mir sehr werthen Herren Ender, Fürstenberg, v. Graefe, Henoch, La Pierre, Meyer, Reiche, Schuft, Straßmann und Völker.