Ein anderer Patient befand sich, nachdem er fünf Minuten die Aetherdämpfe eingeathmet, in solcher Betäubung, daß man ihn empfindungslos glauben konnte, und daß man mit der Einathmung aus Besorgniß für ihn nicht fortzufahren wagte. Gleich beim ersten Messerzuge benahm sich der Kranke wie ein Betrunkener, der einen Schmerz im Taumel undeutlich fühlt; er bewegte machtlos die Arme und stieß unzusammenhängende, unverständliche Laute hervor. So blieb sein Benehmen während der ganzen Operation, und sagte er, zu sich gekommen, aus, daß er den Schmerz zwar gefühlt habe, aber sehr dumpf, ohne zu wissen, wo, und was eigentlich mit ihm geschehen.
Ein junger Mann mit einem Wasserbruch der linken Seite verfiel nach einem fünf Minuten langen Einathmen der Dämpfe in einen einer Ohnmacht ähnlichen Zustand, von höchster Erschlaffung des ganzen Körpers begleitet. Nach der schnell vollführten Operation und der Anlegung des Verbandes kam er wieder zu sich und drückte sein Erstaunen darüber aus, daß die Operation, von welcher er nichts gefühlt habe, schon vorbei sei.
Ein anderer junger Mann, welcher ebenfalls mit einem großen Wasserbruch der rechten Seite behaftet war, hatte sich früher niemals zu der Operation entschließen können. Die Hoffnung aber, durch Aether empfindungslos zu werden, gab ihm jetzt den Muth, sich der Operation zu unterziehen. Nachdem er vier Minuten lang die Dämpfe eingeathmet hatte, machte ich den Schnitt. Der Kranke schrie dabei gewaltig auf und wollte um sich schlagen, nachdem die Operation vorbei war. Es hatte für die Anwesenden das Ansehen, als wenn der Pat. sehr gelitten hätte; er selbst behauptete dies ebenfalls, hinterher aber verneinte er es und schob die Schuld seines heftigen Betragens allein auf den Rausch.
Franz B., 21 Jahr alt, athmete 2 Minuten lang, schien völlig betäubt, und die Operation des Wasserbruchs sollte so eben beginnen, als er mit dem Oberkörper in die Höhe fuhr und mit geöffneten Augen und freundlichem Blicke die Versammlung in der Klinik ansah. Er athmete dann nochmals zwei Minuten und wurde wieder betäubt, doch fing er an, sich auf den Operationstisch hin und her zu wälzen, und mehrere Menschen mußten ihn halten, so daß ich nur mit einigen Schwierigkeiten den Hautschnitt und die Eröffnung mehrerer großen Wasserbehälter, deren Wandungen sehr verdickt waren, bewerkstelligen konnte. Nachdem das Wasser abgeflossen, und die Wunde verbunden war, sagte der Patient, er habe heftige Schmerzen empfunden.
Zerstückelung des Blasensteins.
Hr. C. R. R. aus Dresden, ein kräftiger Mann in den 50er Jahren, litt an verschiedenen Beschwerden, welche gewöhnlich den Blasenstein zu begleiten pflegen. Da ich die Blase für gesund, den Stein nach angestellter Untersuchung nicht für sehr groß hielt, so beschloß ich die Zerstückelung desselben. Die große Reizbarkeit des Kranken hätte mich fast bestimmen können, dem Steinschnitt den Vorzug zu geben, wenn der Patient nicht seinen Widerwillen gegen die blutige Operation ausgedrückt hätte. Die Aetherisation, welche ich theils wegen der Korpulenz und Vollblütigkeit des Kranken, theils um nicht ganz die Empfindung aufzuheben, nicht über 5 Minuten auszudehnen wagte, führte nur theilweise Bewußtlosigkeit herbei. Dann brachte ich den Kateter ein und injicirte einige Unzen Wasser in die Blase. Dies ging gut und ohne Schmerzen von Statten. Schwieriger war die Einführung des Steinbrechers, wobei der Patient Schmerzen verrieth. Nachdem das Instrument in der Blase angelangt war, faßte ich den Stein sogleich. Derselbe zeigte, wie das Maaß angab, in der Direction, in welcher ich ihn ergriffen hatte, den Durchmesser einer großen Pflaume. Er ließ sich mit Leichtigkeit zerbrechen. Hierauf öffnete ich das Instrument noch 5 Mal, ergriff größere und kleinere Stücke des gesprengten Steines, welche ich zermalmte, und zog dann den Apparat heraus, da jede zu lang ausgedehnte Session höchst gefährlich ist. Der Kranke war der Meinung, vollkommenes Schmerzgefühl gehabt zu haben, woran ich indessen zweifle. Nach der Operation zeigte er sich vollkommen munter, verlor die ersten Steine gegen Abend, und konnte schon nach einigen Tagen spazieren gehen.