Nicht alles noch, wo jetzt sein Feuer quillt,

Aus seiner Werkstatt tiefstem Grunde,

Von Stabiä bis zu dem Schwefelschlunde,

Mit seinen Lavaschichten füllt?

Hier brach schon oft aus seinem Heerde

Herauf, hinab des Todes Flammenmeer,

Und machte siedend rund umher

Das Land zum größten Grab der Erde.

Unter diesen Phantasien schlief ich ruhig ein. Ob ich gleich gern das furchtbare Schauspiel eines solchen Vulkans in seiner ganzen entsetzlichen Kraft sehen möchte, so bin ich doch nicht hart genug es zu wünschen. Ich will mich mit dem begnügen, was mir der Aetna gegeben hat. Der Vesuv kräuselt zuweilen einige Rauchwölkchen; aber ich fürchte, sein Schlaf und sein Verschütten sind von schlimmer Vorbedeutung. Der Aetna war auch verschüttet, ehe er Catanien überströmte, und in dem Krater des Vesuvs waren zuweilen große Bäume gewachsen. Bei seinem künftigen Ausbruche dürfte die Gegend von Portici, eben da, wo oben der heilige Januar steht, um den Feind abzuhalten, am meisten der Gefahr ausgesetzt seyn; denn dort ist, nach dem äußern Anschein, jetzt die Erdschale am dünnsten. Man scheint so etwas gefühlt zu haben, als man den heiligen Flammenbändiger eben hierher setzte.

Die Russen in Neapel machen eine sonderbare Erscheinung. Sie sind des Königs Leibwache, weil man ganz laut sagt, daß er sich auf seine eigenen Soldaten nicht verlassen kann. Wenn dieses so ist, so ist es ganz gewiß seine eigene Schuld; denn ich halte die Neapolitaner für eine der bravsten und besten Nationen, so wie überhaupt die Italiener. Was ich hier und da Schlimmes sagen muß, betrifft nur die Regierung, ihre schlechte Verfassung oder Verwaltung und das Religionsunwesen. Die Russen haben sich sehr metamorphosirt und ich würde sie kaum wieder erkannt haben. Du weißt, daß ich die Schulmeisterei in keinem Dinge verachte, wenn sie das Gründliche bezweckt: aber ich glaube, sie haben sich durch Pauls Veränderungen durchaus nicht gebessert. Brav werden sie immer bleiben; das ist im Charakter der Nation: aber Paul hätte das Gute behalten und das Bessere geben sollen. Ich habe nicht gesehen, daß sie Linie und besser den Schwenkpunkt hielten, und fertiger die Waffen handhabten: aber desto schlechter waren sie gekleidet, ästhetisch und militärisch. Die steifen Zöpfe, die Potemkin mit vielen andern Bocksbeuteleien abgeschafft hatte, geben den Kerlen ein Ansehen von ganz possirlicher Unbehülflichkeit. Potemkin hatte freilich wohl manches gethan, was nichts werth war; aber diese Ordonnanz bei der Armee war sicher gut. Paul war in seiner Empfindlichkeit zu einseitig. Uebrigens werden hier die russischen Officiere, wie ich höre, zuweilen nicht wegen ihrer Artigkeit gelobt, und man erzählte sehr auffallende Beispiele vom Gegentheil. Das sind hoffentlich nur unangenehme Ausnahmen; denn man läßt im Ganzen der Ordnung und der Strenge des Generals Gerechtigkeit widerfahren.