Kosakisch,
So schnakisch,
Wie kaum es der liebe Papa
In artiger Gruppe
Der lärmenden Truppe
Der häuslichen Polterer sah.
Seume’s einfache, klare und treuherzige Sprache mit dem Landvolke bewog Göschen, auf einem ländlichen Spaziergang, ihn aufzumuntern, ein Sittenbuch für den Stand zu schreiben, den er so gut kannte und den er liebte. Er schenkte die Handschrift seinem Freunde, dem würdigen Pastor Schieck in Pomsen, und sie ist, nach dem Tode ihres Verfassers, unter dem Titel: „Nachlaß moralisch religiösen Inhalts,“ gedruckt worden. Für das Honorar derselben hat ihr ehemaliger Besitzer der Gemeine des Dorfs Groß-Steinberg eine neue Altar- und Kanzelbekleidung besorgt, zum Andenken an den edlen Mann, welcher eines Bauern Sohn war.
Es haben sich hier und dort einige Vers- und Reimmeister, welche in der reinen Kunstform viel geleistet zu haben glauben, mit der Frage vernehmen lassen: ob Seume auch ein Dichter sey? Besteht das Wesentliche der Poesie in hohen Gedanken, in tiefem Gefühl des Großen und Schönen, in Gebilden, welche in der Seele entstehen, und welche die Seele wahr, lebendig, ergreifend, wohlklingend und melodisch ausspricht, so ist Seume ein Dichter, ohngeachtet er kein romantisches Gedicht gemacht hat, sondern nur das poetische Talent zur Unterstützung jener Ideen benutzte, für welche er seine Nation empfänglich machen wollte. Alle seine für das Publikum bestimmten Gedichte sind nur Vorübungen und Vorläufer zu einem großen Lehrgedichte: „Asträa,“ welches er nicht ausführen konnte, weil ihn der Tod zu früh überraschte. Durch Schillers Thalia wurde das Gedicht an Münchhausen allgemein bekannt. Schnorr las dasselbe und es riß ihn so hin, daß er nicht eher ruhte, bis er die Bekanntschaft des Dichters gemacht hatte. Aus dieser Bekanntschaft von den Musen geknüpft entstand ein Bund der Freundschaft, den zu lösen die Zeit nicht vermochte. Bei Schnorr, diesem ächten Künstler, wenn, wie Lessing meint, der Kunstsinn den Künstler macht, bei Schnorr, diesem braven Hausvater, der eine zahlreiche Familie durch unermüdeten Fleiß und Entsagung aller erkünstelten Bedürfnisse erhält und trefflich erzieht, bei dem heitern, durch und durch guten Schnorr aß Seume gewöhnlich des Abends sein Butterbrod und seine Kartoffeln, trank Wasser, wiegte die Kleinen eins nach dem andern auf seinem Schooß, und lebte und webte hier in der Kunst, und in der wahren lieblichen Natur.
Seume hatte Empfänglichkeit für die Reize des schönen Geschlechts: er war mehrere Mal wirklich verliebt mit der ganzen Stärke und Heftigkeit seines Gemüths. Ich würde dieses als etwas ganz Gewöhnliches, das den mehrsten Geschöpfen zu begegnen pflegt, gar nicht erwähnen, noch weniger bemerken, daß er, wie alle ätherische und kräftige Menschen, den Kopf dabei ein wenig verloren habe, wenn es nicht auffallend gewesen wäre, daß die beiden letzten Gegenstände seiner Liebe reiche Mädchen waren. Er suchte ihren Reichthum nicht, aber da sie reich waren, ließ er sich hier gehen, und strebte nach einer ehelichen Verbindung mit dem Gegenstand seiner Liebe, weil, wenn er ein Opfer seiner Ueberzeugung und deren lauter Verkündigung werden sollte, welches gar nichts Unmögliches war, die Gattin nicht verlassen von Familie und Vermögen sein möchte. Gewiß haben mehrere Mädchen Eindruck auf ihn gemacht; aber wenn sie arm waren, so suchte er gleich Anfangs Herr über ein solche Liebe zu werden, und ihrer Macht zu entgehen.
Es war überhaupt Plan in seinem Privatleben, wiewohl dieser Plan nicht in die Augen fiel. Als Göschen ihm die Aufsicht über seine damaligen typographischen Unternehmungen antrug, antwortete Seume: „Zwei Jahre will ich bei Ihnen sitzen, dann muß ich mich aber wieder ein wenig auslaufen. Ich will nach Syrakus.“ Mit dem letzten Tage der zwei Jahre, im Anfange des Decembers 1801, reisete er ab, und nach neun Monaten trat er an demselben Tage, den er als Ziel seiner Abwesenheit bestimmt hatte, auch wieder in Göschens ländliche Hütte, zum frohen Erstaunen der ganzen Familie. Wenige Wochen vor seiner Abreise, am Geburtstage der Mutter dieser Familie, seiner Freundin, sang er im Garten bei einer sternhellen Nacht, verkleidet als Einsiedler, folgendes Lied: