Theurer Bruder!

Wir werden wahrscheinlich diesen Sommer auf dem Lande Leben, und Sie werden denn zu uns kommen, worauf ich mich herzlich freue; ich werde Ihnen so bald möglich das bestimmtere drüber schreiben. Leben Sie wohl! In Eyl Ihre Schwester

Jo. Fichte nee Rahn

Aufschrift:

Herrn Fichte:
Bey dem H: Conrector Thieme
in
Meissen.

Einliegend einen Friedrichs'dor:

17.

Jena, d. 27. April. 1795.

Da ich durch eine Veranlaßung, worüber mündlich, diesen Sommer frei bekomme, und ihn auf dem Lande zubringen werde, habe ich mich entschlossen, Dich zu mir zu nehmen. Komm daher, sobald Du willst, und kannst. Wenn Du über Leipzig, und Naumburg reisest, so brauchst Du gar nicht nach Jena, sondern hast von Naumburg aus über Auerstedt zu reisen, und da nach dem Dorfe Oßmannstedt zu fragen, welches zwischen Auerstedt und Weimar an der Straße, wie man mir sagt, liegt. In Oßmannstedt auf dem Schloße trifst Du mich. Ich habe daßelbe, welches sehr schön ist, und in einer angenehmen Gegend liegt, für diesen Sommer gemiethet. Da ich Dich bald zu sprechen hoffe, so halte ich nicht für nöthig, Dir noch irgend etwas zu schreiben, wozu ich ohnedies jezt nicht Zeit hätte.

Ich bin jezt selbst mit meiner Caße etwas dürftig eingerichtet. Ich hoffe daher, daß die inliegenden 2. Dukaten hinlänglich seyn werden, um Dir das nöthige zu Deinem Abgange von Meisen zu verschaffen, und um damit die Reise anher zu machen.