Im October 1806 wich Fichte mit dem Geheimrath Hufeland, wie sämmtliche Behörden und alle Männer von Ansehen, vor den siegreichen Feinden aus Berlin und ging nach Königsberg, wo ihm provisorisch eine Professur zugewiesen wurde; während seine Gattin zur Hütung des Hauses zurückblieb, dann aber nachfolgen sollte, als sein Aufenthalt in Königsberg dauernd werden zu wollen schien. So schmerzlich aber war ihr die Trennung von ihrem geliebten Manne, daß sie trotz ihrer starken und duldungswilligen Seele darüber im November in eine ernstliche Krankheit verfiel (I, 374 f.).

34.

Berlin d. 13: Feb: 1807.

Theure Eltern, so eben erhalte ich den Brief aus Elstra, ich eile sogleich Ihnen Nachricht von uns zu geben, und addressiere den Brief an Sie, damit Sie geschwinder Nachricht erhalten; mein Lieber Mann ist vor Ankunft der Franzosen hier, nach Königsberg, mit einem Freunde verreist, und hat dort eine Profeßur bis zur Wiederherstellung der Ruhe erhalten, und lißt Collegien; die lezte Nachricht von ihm ist, daß er Gottlob gesund ist; ich erhalte leider sehr wenige Briefe von ihm, und kann nur selten schreiben, weil die dorthin gehend. Posten nicht gehn: Sie stellen Sich meine Lage vor; ich wollte gleich mitreisen, wurde aber aus manchen Ursachen zurükgelaßen, mit unserm Kinde; nun wünscht mein Mann sehnlichst daß ich nachkomme, es hat aber bis izt noch nicht sein können, weil ich keinen Pas bekommen konnte, weil die Straßen nicht sicher sind, und andres mehr auch weil die Reise viel kostet.

Dieses Zurükbleiben ist die Ursache, daß ich tödlich krank gewesen bin, nun mich aber Gottlob wieder erhole: ich stand viel Angst aus, durch die Zeitumstände, grämte mich, hat viel Sorgen, und Verdruß, so daß ich troz alles Quämpfen darnieder geworfen wurde; mein Schmerz war um so viel größer, da ich unser Kind unter Fremde zurüklassen mußte, wenn ich gestorben wäre. Gott hat mir wieder geholfen, und wird auch weiters helfen, deßen tröste ich mich. Ich werde zu meinem Mann reisen, so bald es nur immer möglich ist und Ihnen vor meiner Abreise noch gewis schreiben.

Der Gnädige Gott sey mit Ihnen und schüze Sie vor jeder Gefahr, dieses wünscht von ganzem Herzen, Ihre Sie herzlichliebende

Johanna Fichte.

Ich franciere diesen Brief nicht, damit er sicher gehe, und grüße Alle alle von ganzem Herzen.

Aufschrift:

Herr Fichte der Vater
zu
Rammenau
nahe bey Dresden.