Bei allen Unangenehmen was mich dieses Jahr betroffen hat ist mir immer sehr bange um Sie und die Ihrigen gewesen, und habe zu Gott um Ihre Erhaltung geseufzet. Ich freue mich, und danke es Gott von Hertzen, daß er größeres Unglük in Gnaden von uns abgewendet hat.

Da es die Zeit nicht gestattet daß Harrtmanns ihrer Tochter Nachricht mit beylegen könnten, so sagen Sie Hannchen zu ihrem Troste folgendes:

1) Ihre Wohnung stehet noch unversehrt, ob es schon in Pulßnitz fürchterlich zugieng (die Stadt wurde sieben mahl genommen und wiedergenommen) so brach doch kein Feuer aus.

2) Wegen der Plünderungen hatten sie Schuz, sie musten vor Militair baken und hatten Salvegarden im Hause, dabey gieng es drum nicht so genau ab, es ward ihnen noch manches genommen und die Umzäunung des Gartens ward im Biviak verbrandt.

3) Ihr Bruder ist in seinen Lernen sehr gestört worden, er hat in Dresden bei der Blokade müßen Hunger leiden, ist alsdenn eine Zeit bey seinen Aeltern gewesen, und ist jetzo wieder in Dresden.

4) Die Epidemie hatt sie noch nicht ergriffen, vor wenigen Tagen war die gantze Familie noch gesund.

5) Dore bey ihren Aeltern.

Gott nehme Sie alle in seinen Schuz, vielleicht erlebe ich noch die Freude daß Sie mich vor meinem Ende künftiges Früjahr noch einmal besuchen

Ihre treue liebende Mutter

Maria Dorothea verwittwete Fichte