Alle Zeitalter, alle Weise und Gute, die jemals auf dieser Erde geatmet haben, alle ihre Gedanken und Ahnungen eines Höhern, mischen sich in diese Stimmen und umringen euch, und heben flehende Hände zu euch auf; selbst, wenn man so sagen darf, die Vorsehung und der göttliche Weltplan bei Erschaffung eines Menschengeschlechts, der ja nur da ist, um von Menschen gedacht und durch Menschen in die Wirklichkeit eingeführt zu werden, beschwöret euch, seine Ehre und sein Dasein zu retten. Ob jene, die da glaubten, es müsse immer besser werden mit der Menschheit, und die Gedanken einer Ordnung und einer Würde derselben seien keine leeren Träume, sondern die Weissagung und das Unterpfand der einstigen Wirklichkeit, recht behalten sollen, oder diejenigen, die in ihrem Tier- und Pflanzenleben hinschlummern, und jedes Auffluges in höhere Welten spotten: — darüber ein letztes Endurteil zu begründen, ist euch anheimgefallen. Die alte Welt mit ihrer Herrlichkeit und Größe, sowie mit ihren Mängeln, ist versunken, durch die eigne Unwürde und durch die Gewalt eurer Väter. Ist in dem, was in diesen Reden dargelegt worden, Wahrheit, so seid unter allen neueren Völkern ihr es, in denen der Keim der menschlichen Vervollkommnung am entschiedensten liegt, und denen der Vorschritt in der Entwicklung derselben aufgetragen ist. Gehet ihr in dieser eurer Wesenheit zugrunde, so gehet mit euch zugleich alle Hoffnung des gesamten Menschengeschlechts auf Rettung aus der Tiefe seiner Uebel zugrunde. Hoffet nicht und tröstet euch nicht mit der aus der Luft gegriffenen, auf bloße Wiederholung der schon eingetretenen Fälle rechnenden Meinung, daß ein zweites Mal, nach Untergang der alten Bildung, eine neue, auf den Trümmern der ersten, aus einer halbbarbarischen Nation hervorgehen werde. In der alten Zeit war ein solches Volk, mit allen Erfordernissen zu dieser Bestimmung ausgestattet, vorhanden, und war dem Volke der Bildung recht wohl bekannt und ist von ihnen beschrieben; und diese selbst, wenn sie den Fall ihres Unterganges zu setzen vermocht hätten, würden an diesem Volke das Mittel der Wiederherstellung haben entdecken können. Auch uns ist die gesamte Oberfläche der Erde recht wohl bekannt, und alle die Völker, die auf derselben leben. Kennen wir denn nun ein solches, dem Stammvolke der neuen Welt ähnliches Volk, von welchem die gleichen Erwartungen sich fassen ließen? Ich denke, jeder, der nur nicht bloß schwärmerisch meint und hofft, sondern gründlich untersuchend denkt, werde diese Frage mit Nein beantworten müssen. Es ist daher kein Ausweg: wenn ihr versinkt, so versinkt die ganze Menschheit mit, ohne Hoffnung einer einstigen Wiederherstellung.

Dies war es, E. V., was ich Ihnen, als meinen Stellvertreter der Nation, und durch Sie der gesamten Nation, am Schlusse dieser Reden noch einschärfen wollte und sollte.

Inhalt.

Seite
[Erste Rede: Vorerinnerungen und Uebersicht des Ganzen][3]
[Zweite Rede: Vom Wesen der neuen Erziehung im allgemeinen][20]
[Dritte Rede: Fortsetzung der Schilderung der neuen Erziehung][37]
[Vierte Rede: Hauptverschiedenheit zwischen den deutschen undden übrigen Völkern germanischer Abkunft][54]
[Fünfte Rede: Folgen aus der aufgestellten Verschiedenheit][72]
[Sechste Rede: Darlegung der deutschen Grundzüge in derGeschichte][89]
[Siebente Rede: Noch tiefere Erfassung der Ursprünglichkeitund Deutschheit eines Volkes][104]
[Achte Rede: Was ein Volk sei, in der höhern Bedeutung desWorts, und was Vaterlandsliebe][124]
[Neunte Rede: An welchen in der Wirklichkeit vorhandenenPunkt die neue Nationalerziehung der Deutschen anzuknüpfensei][144]
[Zehnte Rede: Zur nähern Bestimmung der deutschen Nationalerziehung][160]
[Elfte Rede: Wem die Ausführung dieses Erziehungsplanesanheimfallen werde][178]
[Zwölfte Rede: Ueber die Mittel, uns bis zur Erreichungunsers Hauptzwecks aufrecht zu erhalten][196]
[Dreizehnte Rede: Fortsetzung der angefangenen Betrachtung][212]
[Vierzehnte Rede: Beschluß des Ganzen][234]

[Anmerkungen zur Transkription:]

Die folgende Liste enthält alle geänderten Textstellen, jeweils zuerst im Original und darunter in der geänderten Fassung.