Im späteren wird auf diese Reorganisation zurückzukommen sein. Sie leitet die große Umwandlung ein, die, wie man Alexanders Verhalten in ihr auch beurteilen mag, aus der Konsequenz des Werkes, das er unternommen hatte, und den Bedingungen, die das Gelingen forderte, sich notwendig ergab.

Alexander gedachte demnächst, es mochte Mitte Dezember sein, nach den Königsstädten der Landschaft Persis aufzubrechen, mit deren Besitz der Glaube der Völker die Herrschaft über Asien untrennbar verbunden zu denken gewohnt war; er dort auf dem Throne der Großkönige, in den Palästen des Kyros, Dareios und Xerxes bestand für sie der Beweis für den Sturz der Achämenidendynastie. Er eilte, die Angelegenheiten des susianischen Landes zu ordnen. Er bestätigte dem Satrapen Abulites die Satrapie, übergab die Burg der Stadt Susa an Mazaros, die Feldhauptmannschaft der Satrapie nebst einem Korps von dreitausend Mann an Archelaos; er wies die Schlösser von Susa der Mutter und den Kindern des Perserkönigs, die bisher in seiner Nähe gewesen waren, als künftige Residenz an und umgab sie mit königlichem Hofstaat; man erzählt, daß er einige griechische Gelehrte an dem Hofe der Prinzessinnen zurückließ, mit dem Wunsch, sie möchten von diesen Griechisch lernen. Nach diesen Einrichtungen brach er mit dem Heere nach Persien auf.

Unter den mannigfachen militärischen Schwierigkeiten, welche Alexanders Feldzüge denkwürdig machen, ist die Orientierung in völlig fremden Ländern nicht die geringste. Jetzt galt es, aus dem Tiefland nach dem hohen Iran hinaufzusteigen, nach Landschaften, von deren Gestaltung, von deren Ausdehnung, von deren Hilfsmitteln, Straßen, klimatischen Verhältnissen, die Griechenwelt bisher auch nicht die geringste Kenntnis hatte. Man wird annehmen dürfen, daß sich Alexander aus den Mitteilungen der persischen Männer, deren er bereits genug in seiner Umgebung hatte, eine ungefähre Vorstellung von den geographischen Verhältnissen der Gebiete, auf die er sich zunächst zu wenden hatte, zu bilden verstand; das einzelne mußte sich dann aus den Umständen und aus Erkundigungen an Ort und Stelle ergeben.

Zunächst galt es, aus der Ebene Susianas durch höchst schwierige Pässe nach den Königstädten in der hohen Persis zu gelangen. Die Straße, die Alexander einzuschlagen oder vielmehr sich zu öffnen hatte, war die, welche für die Züge des persischen Hofes zwischen Persepolis und Susa eingerichtet war. Sie führte zunächst durch die reiche susianische Ebene, über den Kopratas (Disful) und den Eulaios (Karun bei Shuster), die sich vereinigen und als Pasitigris (kleiner Tigris) in das »Erythräische Meer« fließen, — dann weiter über zwei Flüsse, deren alte Namen nicht mehr festzustellen sind, den Jerahi bei Ram Hormus und den Tab (Arosis?). Zwischen beiden führt ein Paß aus der Ebene in die Berge, derselbe Paß, wie es scheint, der von den Alten der Paß der Uxier genannt wurde. Denn die Uxier wohnten teils in der Ebene, teils in den Bergen, die diese im Nordosten begleiten; nur die in der Ebene waren dem Großkönige unterworfen; die Berguxier gewährten, wenn der Hof des Weges zog, nur gegen reiche Geschenke den Durchzug durch jenen Paß, den sie in ihrer Gewalt hatten. Dieselben Randgebirge des hohen Iran, die bei Ninive bis nah an den Tigris reichen, begleiten in südöstlichem Zuge die Ebene der Susianer und der Uxier, in mehreren Terrassen hintereinander bis zur Schneehöhe emporsteigend; weiter südöstlich, wo statt der Ebene und sie gleichsam fortsetzend das Erythräische Meer tief in das Land einschneidet, mehrt sich die Zahl dieser von der Küste aufsteigenden Terrassen bis zu acht und neun Berglinien hintereinander, über die man von dem Meerbusen aus gegen zwanzig Meilen entfernt die Schneedecke des Kuh-i-Baena als Zentralmasse emporragen sieht. In dieses Labyrinth von Bergzügen, durchbrechenden Bergströmen, kleinen Ebenen, Pässen zwischen ihnen, führt die »Fahrstraße«; nachdem sie jene Uxierpässe hinter sich hat, nach Bebehan, dann südöstlich über die Ebene von Lasther, weiter ostwärts zu der von Basht, dann in die von Fahiyan, von so mächtigen Bergen umschlossen, daß das Dorf nur am Morgen die Sonne sieht, den übrigen Tag im Schatten liegt. Dies nach Osten streichende Tal schließt der Felskegel von Kala-Safid, der mit der Feste auf seiner Höhe den Weg völlig sperrt. Das sind die persischen Pässe auf der Fahrstraße über Schiras nach Persepolis; wer sie vermeiden will, wendet sich bei Fahiyan südwärts und erreicht über Kasran »bösen Feldweg auf und nieder« Schiras. Daß man jenen Paß nordwärts umgehen, daß man vom Tab her einen kürzeren Weg als die Fahrstraße nehmen kann, zeigt Alexanders Marsch. Gleich bei Bebehan führt ein Weg zur Linken nordostwärts, ersteigt bei Tang-i-Tobak die nächsthöhere Terrasse und scheint dann bei Basht in die große Straße zu führen; dann wieder bei Fahiyan wird ein Weg angegeben, der gerade nordwärts in das Gebirge führt und jenseits Kala-Safid in die hinter der Feste liegende kleine Ebene hinabsteigt.

So die Wege, die Alexander zu nehmen hatte, um Persepolis und Pasargadai zu erreichen; die Jahreszeit war nichts weniger als günstig, es mußte schon tiefer Schnee in den Bergen liegen, es mußten die bei der Seltenheit der Ortschaften häufigen Biwaks und die kalten Nächte den an sich schon beschwerlichen Zug noch schwieriger machen; es kam dazu, daß man Widerstand von seiten der Uxier und noch mehr von seiten des Ariobarzanes, der sich mit bedeutender Truppenmacht in den höheren Pässen verschanzt hatte, erwarten konnte. Dennoch eilte Alexander nach Persien, nicht bloß um sich des Landes, der Schätze von Persepolis und Pasargadai und des Weges ins Innere Irans zu versichern, sondern und namentlich, damit nicht durch längeres Zögern der Perserkönig Zeit gewann, große Rüstungen zu machen und sich von Medien hierher zu wenden, um die Heimat des persischen Königtums und die hohe Pforte der Achämeniden hinter den so schwierigen persischen Pässen zu verteidigen.

So zog Alexander mit seinem Heere über die Ebene Susianas, überschritt in wenigen Tagen den Pasitigris und betrat das Gebiet der talländischen Uxier, die, schon dem Perserkönige unterworfen und unter der Herrschaft des susianischen Satrapen, sich ohne weiteres ergaben. Die Berguxier dagegen sandten Abgeordnete an ihn mit der Botschaft: nicht anders würden sie ihm den Durchzug gestatten, als wenn sie die Geschenke, die die Perserkönige gegeben hätten, auch von ihm erhielten. Je wichtiger die freie Passage nach dem oberen Lande war, destoweniger konnte Alexander sie in den Händen des trotzigen Bergvolkes lassen; er ließ ihnen sagen, sie möchten in die Engpässe kommen und sich dort ihr Teil holen.

Mit dem Agema und den anderen Hypaspisten, mit noch etwa achttausend Mann meist leichter Truppen wandte er sich, von Susianern geführt, bei Nachtzeit auf einen anderen sehr schwierigen Gebirgspfad, der von den Uxiern unbesetzt geblieben war; mit Tagesanbruch erreichte er die Dorfschaften derselben: die meisten derer, die daheim waren, wurden auf ihren Lagern ermordet, die Häuser geplündert und den Flammen preisgegeben. Dann eilte das Heer zu den Engpässen, wohin sich die Uxier von allen Seiten versammelt hatten. Alexander sandte Krateros mit einem Teile des Heeres auf die Höhen hinter der von den Uxiern besetzten Enge, während er selbst gegen den Paß mit größerer Eile vorrückte, so daß die Barbaren, umgangen, durch die Schnelligkeit des Feindes erschreckt, aller Vorteile, die der Engpaß gewähren konnte, beraubt, sich sofort, als Alexander in geschlossenen Reihen anrückte, fliehend zurückzogen; viele stürzten in die Abgründe, viele werden von den verfolgenden Makedonen, noch mehr von Krateros' Truppen auf der Höhe, nach der sie sich retten wollten, erschlagen. Alexander war anfangs willens, den ganzen Stamm der Berguxier aus diesen Gegenden zu versetzen; Sisygambis, die Königinmutter, legte Fürbitte für sie ein; man sagt, Madates, ihrer Nichte Gemahl, sei ihr Anführer gewesen. Alexander ließ auf der Königin Bitten diesen Hirtenstämmen ihr Bergland; er legte ihnen einen jährlichen Tribut von tausend Pferden, fünfhundert Haupt Zugvieh, dreißigtausend Schafen auf; Geld und Ackerland hatten sie nicht.

So war der Eingang in die höheren Gebirge geöffnet; und während Parmenion mit der einen Hälfte des Heeres, namentlich den schwerer Bewaffneten vom Fußvolk, den thessalischen Reitern und dem Train, auf der großen Heerstraße weiterzog, eilte Alexander selbst mit dem makedonischen Fußvolk, der Ritterschaft, den Sarissophoren, den Agrianern und Schützen auf dem nächsten, aber beschwerlichen Gebirgswege die persischen Pässe zu erreichen. Eilmärsche brachten ihn am fünften Tage an den Eingang derselben, den er durch mächtige Mauern gesperrt fand; der Satrap Ariobarzanes, so hieß es, stehe mit vierzigtausend Mann Fußvolk und siebenhundert Reitern hinter der Mauer in einem festen Lager, entschlossen, den Eingang um jeden Preis zu sperren. Alexander lagerte sich; am nächsten Morgen wagte er sich in die von hohen Felsen eingeschlossene Paßgegend hinein, um die Mauer anzugreifen; ihn empfing ein Hagel von Schleudersteinen und Pfeilen, Felsmassen von den Abhängen hinabgestürzt, von drei Seiten ein erbitterter Feind; vergebens versuchten einzelne die Felsenwände zu erklimmen, die Stellung der Feinde war unangreifbar. Alexander zog sich in sein Lager, eine Stunde vor dem Paß, zurück.

Seine Lage war peinlich; nur dieser Paß führte nach Persepolis, er mußte genommen werden, wenn nicht eine gefährliche Unterbrechung eintreten sollte; aber an diesen Felswänden schienen die höchsten Anstrengungen der Kunst und des Mutes scheitern zu müssen; und doch hing alles von der Einnahme dieser Pässe ab. Von Gefangenen erfuhr Alexander, daß diese Gebirge meist mit dichten Wäldern bedeckt seien, daß kaum einzelne gefährliche Fußsteige hinüberführten, daß sie jetzt doppelt mühselig wegen des Schnees in den Bergen sein würden, daß anderseits nur auf diesen Felsenpfaden die Pässe zu umgehen und in das von Ariobarzanes besetzte Terrain zu gelangen sei. Alexander entschloß sich zu dieser, vielleicht der gefährlichsten Expedition seines Lebens.

Krateros blieb mit seiner und Meleagros' Phalanx, mit einem Teile der Bogenschützen und fünfhundert Mann der Ritterschaft im Lager zurück, mit der Weisung, durch Wachtfeuer und auf jede andere Weise dem Feinde die Teilung der Armee zu verbergen, dann aber, wenn er von jenseits der Berge herüber die makedonischen Trompeten höre, mit aller Gewalt gegen die Mauer zu stürmen. Alexander selbst brach mit den Phalangen Amyntas, Perdikkas, Koinos, mit den Hypaspisten und Agrianern, mit einem Teile der Schützen und dem größten Teil der Ritterschaft unter Philotas in der Nacht auf und stieg nach einem sehr beschwerlichen Marsche von mehr als zwei Meilen über das mit tiefem Schnee bedeckte Gebirge. Er war am anderen Morgen jenseits; rechts die Bergkette, die an den Pässen und über dem Lager der Feinde endete, vor der Front das Tal, das sich zur Ebene des Araxes, über den hin der Weg nach Persepolis führt, ausbreitet, im Rücken die mächtigen Gebirge, die, mit Mühe überschritten, vielleicht bei einem Unfalle den Rückweg, die Rettung unmöglich machten. Alexander teilte nach einiger Rast sein Heer; er ließ Amyntas, Koinos, Philotas mit ihren Korps in die Ebene hinabgehen, sowohl um auf dem Wege nach Persepolis über den Fluß eine Brücke zu schlagen, als auch um den Persern, wenn sie überwältigt wären, den Rückzug auf Persepolis zu sperren; er selbst rückte mit seinen Hypaspisten, mit der Taxis des Perdikkas, mit dem Geleit der Ritterschaft und einer Tetrarchie derselben, mit den Schützen und Agrianern rechts gegen die Pässe hin; ein höchst beschwerlicher Marsch, durch die Waldung des Berges, durch den heftigen Sturm, durch das Dunkel der Nacht doppelt schwierig. Vor Tagesanbruch traf man die ersten Vorposten der Perser, sie wurden niedergemacht; man nahte den zweiten, wenige entkamen zu der dritten Postenreihe, um sich mit dieser nicht in das Lager, sondern in die Berge zu flüchten.