Demnach rückten Hephaistion und Perdikkas mit den Phalangen Gorgias, Kleitos, Meleagros, mit der Hälfte der makedonischen Ritterschaft und sämtlichen Söldnerreitern, am Kophenfluß, auf dessen rechtem Ufer, wo die Gandarer wohnten, hinab, indem die indischen Fürsten, die dem Könige gehuldigt hatten, mit ihnen in ihre Länder zurückkehrten. Sie hatten Befehl, alle bedeutenden Plätze zu besetzen oder, falls ihre Übergabe geweigert werde, sie mit Gewalt zu unterwerfen, an den Ufern des Indus angelangt, sofort den Bau der Indusbrücke zu beginnen, über welche Alexander nach dem Innern Indiens vorzurücken gedachte.
Alexander selbst ging mit den Hypaspisten, der anderen Hälfte der Ritterschaft, mit der größeren Zahl der Phalangen, mit den Bogenschützen, den Agrianern und den Akontisten zu Pferd über den Kophen und durch den Paß von Dshelalabad ostwärts[14A]. Hier kommt der Choes oder Choaspes, der aus den Gletschern des Puschti-kur im Hochgebirge entspringt, in die Talebene hinab, zunächst aufwärts längs den mächtigen Felsenlagen des Khond ein wildes Talland bildend, dessen andere Seite der kaum weniger mächtige Gebirgszug schließt, der dies Tal von dem des Guräos scheidet; für militärische Bewegungen ein äußerst schwieriges Terrain. Das Volk der Aspasier hatte hier seine Sitze, seine Bergfesten, seine zahlreichen Herden; einige Tage nordwärts am Choaspes lag die Fürstenstadt, wichtig auch durch die Gebirgsstraße, die hier vorüber (in dem Tal von Tschitral) über das Hochgebirge nach dem Quelllande des Oxos führt. Sobald Alexander über diesen Fluß gesetzt war, und dem sich allmählich verengenden Tale folgend die Südgrenze des aspasischen Landes erreichte, flüchteten sich die Einwohner teils in die Berge, teils in die festen Städte, entschlossen, den Makedonen Widerstand zu leisten. Desto mehr eilte Alexander vorwärts; mit der gesamten Reiterei und 800 Hypaspisten, die gleichfalls beritten gemacht wurden, rückte er voraus und gelangte bald zu der ersten Stadt der Aspasier, die mit einer doppelten Mauer versehen war und durch eine bedeutende unter den Wällen aufgestellte Streitmacht verteidigt wurde. Unmittelbar vom Marsch aus griff der König an; nach einem heftigen Gefecht, in dem er selbst in der Schulter, und von seiner nächsten Umgebung die Leibwächter Ptolemaios und Leonnatos verwundet wurden, mußten sich die Barbaren hinter die Mauern ihrer Stadt zurückziehen. Der Abend, die Erschöpfung der Truppen, die Wunde des Königs machten weiteren Kampf unmöglich; die Makedonen lagerten hart an den Mauern der Stadt. Früh am nächsten Morgen begann der Sturm; die Mauer ward erstiegen und besetzt; erst jetzt sah man die zweite stärkere Mauer der Stadt, die gleichfalls auf das sorgsamste besetzt war. Indes war die Hauptmasse des Heeres nachgerückt; sofort wurde zum neuen Angriff geschritten; während die Schützen von allen Seiten her die Posten auf den Mauern trafen, wurden die Sturmleitern angelegt, bald waren hie und da die Zinnen erklommen; die Feinde hielten nicht länger stand, sie suchten aus den Toren der Stadt auf die Berge zu entkommen; viele wurden erschlagen; die Makedonen, über des Königs Wunde erbittert, schonten niemand; die Stadt selbst wurde dem Erdboden gleichgemacht.
Dieser erste rasche Erfolg verfehlte nicht, den gewünschten Eindruck zu machen. Eine zweite Stadt Andaka ergab sich sofort. Krateros wurde hier mit dem schweren Fußvolk zurückgelassen, die übrigen Städte in der Nähe zur Unterwerfung zu zwingen und dann über das Gebirge nach Arigäon im Tal des Guraios (Pandjkora) zu marschieren. Alexander selbst wandte sich mit den übrigen Truppen nordostwärts zum Euaspla, um in möglichster Schnelle die Stadt zu erreichen, in der er den Fürsten des Landes in seine Gewalt zu bekommen hoffte. Bereits am zweiten Tage erreichte er die Stadt, doch war die Kunde von seinem Anrücken vorausgeeilt; die Stadt stand in vollen Flammen, die Wege zu den Bergen waren mit Fliehenden bedeckt; ein fürchterliches Gemetzel begann, doch hatte der Fürst selbst mit seiner zahlreichen und wohlbewehrten Leibwache bereits die unwegsamen Höhen erreicht. Ptolemaios, der im Getümmel den fürstlichen Zug erkannt und heftig verfolgt hatte, rückte, sobald das emporsteigende Gelände für seine Pferde zu steil wurde, zu Fuß an der Spitze der wenigen Hypaspisten, die um ihn waren, in möglichster Eile den Fliehenden nach; da machte plötzlich der Fürst mit seinem Geleit kehrt, stürmte auf die Makedonen los, warf sich selbst auf Ptolemaios, schleuderte ihm den Speer gegen die Brust; Ptolemaios, durch seinen Harnisch gerettet, rannte dem Fürsten die Lanze durch die Hüften und riß den Sterbenden zu Boden. Der Fall des Fürsten entschied den Sieg; während die Makedonen verfolgten und niedermetzelten, begann der Lagide den fürstlichen Leichnam seiner Rüstung zu berauben. Das sahen die Aspasier von den Bergen; sie stürzten sich in wilder Wut herab, wenigstens die Leiche ihres Fürsten zu retten; indes war auch Alexander herangekommen; ein heftiges Gefecht entspann sich, mit Mühe wurde der Leichnam behauptet, erst nach schwerem Kampf zogen sich die führerlosen Barbaren tief in die Berge zurück.
Nicht willens, weiter in das Hochgebirge vorzudringen, wandte sich Alexander an dem Euaspla hinauf ostwärts, um durch die Bergpässe, die dem Tale des Guräos zuführen, die Stadt Arigäon zu erreichen. Er fand die Stadt niedergebrannt und verlassen, die Bevölkerung war in die Berge geflohen. Die Wichtigkeit dieser Lokalität, welche die Straße zum Choaspes beherrscht, bewog den König, Krateros, der von Süden heranrückte, mit dem Wiederaufbau der Stadt zu beauftragen, indem er die zum Dienst untauglichen Makedonen, und von den Landeseinwohnern alle, die sich dazu bereit erklärten, hier anzusiedeln befahl. Auf diese Weise waren die beiden Paßwege zum Choaspes durch die Besetzung von Andaka und Arigaion in Alexanders Macht. Doch schien es notwendig, die tapferen Alpenbewohner im Norden der Stadt, die in den Bergen eine drohende Stellung innehatten, das Übergewicht der makedonischen Waffen fühlen zu lassen. Alexander rückte von Arigaion aus gegen das Alpenland; am Abend lagerte er am Fuß der Berge; Ptolemaios, zum Rekognoszieren ausgesandt, brachte die Nachricht, daß der Feuer in den Bergen eine sehr große Zahl sei, daß man auf eine bedeutende Übermacht des Feindes schließen müsse. Sofort wurde der Angriff beschlossen; ein Teil des Heeres hielt die Stellung am Fuß des Gebirges, mit dem übrigen rückte der König selbst die Berge hinauf; sobald er der feindlichen Feuer ansichtig wurde, ließ er Leonnatos und Ptolemaios sich rechts und links um die Stellung des Feindes hinziehen, um durch einen gleichzeitigen Angriff von drei Seiten dessen Übermacht zu teilen; er selbst rückte gegen die Höhen, wo die größte Masse der Barbaren stand. Kaum sahen diese die Makedonen vorrücken, so stürzten sie sich im Vertrauen auf ihre Übermacht von den Höhen herab auf Alexander; ein hartnäckiger Kampf entspann sich. Währenddessen rückte auch Ptolemaios heran; da aber die Barbaren hier nicht herabkamen, war er genötigt, auf ungleichem Boden den Kampf zu beginnen; mit ungemeiner Anstrengung gelang es ihm endlich, die Abhänge zu erklimmen, die Feinde, die mit dem größten Mute kämpften, nach der Seite der Höhen zurückzudrängen, die er, um sie nicht durch vollständige Umzinglung zur verzweifelten Gegenwehr zu bringen, unbesetzt gelassen. Auch Leonnatos hatte auf seiner Seite die Feinde zum Weichen gebracht, und schon verfolgte Alexander die geschlagene Hauptmacht der Mitte, ein furchtbares Blutbad vollendete den mühsam erkämpften Sieg; 40 000 Mann wurden kriegsgefangen; ungeheure Rinderherden, der Reichtum dieses Alpenvolkes, fielen in die Hände des Siegers; Ptolemaios berichtet, es seien über 230 000 Haupt Vieh gewesen, von denen Alexander die schönsten ausgesucht habe, um sie zum Behuf des Feldbaues nach Makedonien zu schicken.
Indessen war die Nachricht eingelaufen, daß die Assakener in dem nächsten Flußtal, dem des Suastos, sich auf das eifrigste rüsteten, daß sie Söldner von jenseits des Indus her an sich gezogen und bereits eine Streitmacht von 30 000 Mann Fußvolk, 20 000 Pferden, 30 Elefanten beisammen hätten. Der König mußte, um ihr Land zu erreichen, zuvor das Tal des tiefen und reißenden Guraios hinab, dessen oberen Teil er unterworfen hatte; er rückte mit einem Teile seiner Truppen schnell voraus, während Krateros mit den übrigen, sowie mit den schweren Maschinen von Arigaion aus langsamer folgte. Die Bergwege, die kalten Nächte machten den Marsch beschwerlich; desto lachender und reicher war das Talgebiet, zu dem man hinabstieg; rings Weingelände, Haine von Mandelbäumen und Lorbeeren, friedliche Dörfchen an den Bergen hinaufgebaut, unzählige Herden auf den Alpen weidend. Hier, so wird erzählt, kamen die Edelsten des Landes, Akuphis an ihrer Spitze, zum Zelt des Königs; als sie eintraten und ihn im Glanz seiner Waffen, auf die Lanze gestützt und mit hohem Helme dasitzen sahen, knieten sie staunend nieder; der König hieß sie aufstehen und reden. Sie nannten den Namen ihrer Feste Nysa, berichteten, sie seien aus dem Westen hergekommen, seit jener Zeit hätten sie selbständig und glücklich unter einer Aristokratie von dreißig Edlen gelebt. Darauf erklärte Alexander, daß er ihnen ihre Freiheit und Selbständigkeit lassen werde, daß Akuphis unter den Edlen des Landes die Vorstandschaft haben, daß endlich einige hundert Reiter zum Heere des Königs stoßen sollten. Dies mag ungefähr das Wahre von einer Sache sein, die, vielleicht nicht ohne das Zutun des Königs selbst, auf das wundervollste ausgeschmückt, weitererzählt wurde; fortan hießen die Nysäer unmittelbare Nachkommen von den Begleitern des Dionysos, dessen Züge der griechische Mythos bereits bis Indien ausgedehnt hatte; die tapferen Makedonen fühlten sich, in weiter Ferne von ihrem Vaterlande, heimisch unter heimatlichen Erinnerungen.
Von Nysa ging Alexander ostwärts durch den heftig strömenden Guraios zum Lande der Assakener. Diese zogen sich bei seinem Herannahen in ihre festen Städte zurück; unter diesen war Massaga die bedeutendste; der Fürst des Landes hoffte sich in ihr zu behaupten. Alexander rückte nach und lagerte sich unter den Mauern der Stadt; die Feinde, im Vertrauen auf ihre Macht, machten sofort einen Ausfall; ein scheinbarer Rückzug lockte sie eine halbe Stunde weit von den Toren hinweg, in ordnungsloser Hast mit wildem Siegesgeschrei verfolgten sie; da wandten sich die Makedonen plötzlich und rückten im Sturmschritt gegen die Inder vor, voran das leichte Volk, der König an der Spitze der Phalangen ihnen nach; nach kurzem Gefecht flohen die Inder mit bedeutendem Verlust zurück; Alexander folgte ihnen auf den Fersen, aber seine Absicht, mit ihnen zugleich in das Tor einzubrechen, wurde vereitelt. So ritt er an der Mauer hin, die Angriffspunkte für den nächsten Tag zu bestimmen; da traf ihn ein Pfeilschuß von den Zinnen der Stadt her; mit einer leichten Fußwunde kehrte er ins Lager zurück. Am nächsten Morgen begannen die Maschinen zu arbeiten, bald lag eine Bresche; die Makedonen suchten durch sie in die Stadt zu dringen, die tapfere und umsichtige Verteidigung des Feindes zwang sie endlich, am Abend zu weichen. Mit Heftigkeit wurde des anderen Tages der Angriff unter dem Schutz eines hölzernen Turmes, der mit seinen Geschossen einen Teil der Mauer von Verteidigern rein hielt, erneut; doch auch so kam man noch um keinen Schritt vorwärts. Die Nacht wurde mit Zurüstungen verbracht, neue Sturmböcke, neue Schirmdächer, endlich ein Wandelturm an die Mauer geschafft, dessen Fallbrücke unmittelbar auf die Zinnen führen sollte. Am Morgen rückten die Phalangen aus, zugleich führte der König selbst die Hypaspisten in den Turm, er erinnerte sie, daß sie auf gleiche Weise Tyros genommen hätten; alle brannten vor Begier zu kämpfen und die Stadt zu erobern, die ihnen schon zu lange widerstanden. Die Fallbrücke ward hinabgelassen, die Makedonen drängten sich auf sie, jeder wollte der erste sein; unter der übergroßen Last brach die Brücke, die Tapferen stürzten zerschmettert in die Tiefe. Lautschreiend sahen das die Inder, sie schleuderten von den Zinnen herab Steine, Balken, Geschosse auf die Makedonen, sie drängten sich aus den Mauerpforten aufs Feld hinaus, die Verwirrung zu benutzen; überall zogen sich die Makedonen zurück; kaum daß es der Phalanx Alketas, der es der König geboten, gelang, die Sterbenden vor der Wut der Feinde zu sichern und ins Lager zurückzubringen. Das alles mehrte nur die Erbitterung und die Kampfbegier der Makedonen; am nächsten Tage ward der Turm von neuem an die Mauer gebracht, von neuem die Fallbrücke hinabgesenkt; doch leisteten die Inder den erfolgreichsten Widerstand, wennschon ihre Reihen immer lichter, die Gefahr für sie immer größer wurde. Da ward ihr Fürst von einem Katapultenpfeil getroffen und sank tot nieder. Dies endlich bewog die Belagerten, Unterhandlungen anzuknüpfen, um sich der Gnade des Siegers zu ergeben; und Alexander voll gerechter Anerkennung der Tapferkeit seiner Feinde, war gern bereit, einen Kampf abzubrechen, der nicht ohne viel Blutvergießen zu Ende geführt wäre; er forderte die Übergabe der Stadt, den Eintritt der indischen Söldner in das makedonische Heer, die Auslieferung der fürstlichen Familie. Die Bedingungen wurden angenommen, die Mutter und Tochter des Fürsten kamen in des Königs Lager; die indischen Söldner rückten bewaffnet aus und lagerten sich in einiger Entfernung von dem Heere, mit dem sie hinfort vereint werden sollten. Doch voll Abscheu gegen die Fremdlinge, und des Gedankens, fortan mit diesen vereint gegen ihre Landsleute kämpfen zu müssen, unfähig, faßten sie den unglücklichen Plan, nachts aufzubrechen und sich an den Indus zurückzuziehen. Alexander erhielt davon Nachricht; überzeugt, daß Unterhandlungen vergeblich, Zaudern gefährlich sein würde, ließ er sie nachts umzingeln und niederhauen. So war er Herr des wichtigsten Postens im Assakenerlande.
Von Massaga aus schien es leicht, die Okkupation des herrenlosen Landes zu vollenden; Alexander sandte demnach einige Truppen unter Koinos südwärts zu der Festung Bazira, überzeugt, daß sie sich auf die Nachricht von Massagas Fall ergeben werde; eine andere Abteilung unter Alketas ging nordwärts gegen die Festung Ora, mit dem Befehl, die Stadt zu blockieren, bis die Hauptarmee nachrückte. Bald liefen von beiden Orten ungünstige Nachrichten ein; Alketas hatte nicht ohne Verlust einen Ausfall der Oriten abgewehrt, und Koinos, weit entfernt, Bazira zur Übergabe bereit zu finden, hatte Mühe, sich vor der Stadt zu halten. Schon wollte Alexander dorthin aufbrechen, als er die Nachricht erhielt, daß Ora in Verbindung mit dem Fürsten Abisares (von Kaschmir) getreten sei und durch dessen Vermittlung eine bedeutende Zahl Truppen von den Bergbewohnern im Norden erhalten habe; deshalb sandte er Befehl an Koinos, bei Bazira einen haltbaren Punkt zu verschanzen, um die Verbindungen der Festung abzuschneiden, dann mit seinen übrigen Truppen zu ihm zu marschieren. Er selbst eilte nach Ora; die Stadt, obschon fest und tapfer verteidigt, vermochte sich nicht zu halten, sie wurde mit Sturm genommen; reiche Beute, darunter einige Elefanten, fiel in die Hand der Makedonen. Indes hatte Koinos den befohlenen Abzug von Bazira begonnen; sobald die Inder diese Bewegung bemerkten, brachen sie aus den Toren hervor, warfen sich auf die Makedonen; es folgte ein scharfes Gefecht, in dem sie endlich zum Rückzuge gezwungen wurden. Als sich dazu die Kunde verbreitete, daß selbst Ora den Feinden erlegen sei, verzweifelten die Baziriten, sich in ihrer Feste halten zu können; sie verließen um Mitternacht die Stadt und zogen sich auf die Felsenburg Aornos am Indus nah der Südgrenze des Assakenerlandes zurück.
Durch die Besitznahme der drei Plätze Massaga, Ora und Bazira war Alexander Herr der Gebirgslandschaft im Norden des Kophen, an der südwärts das Gebiet des Fürsten Astes von Peukela lag. Dieser Fürst hatte, so scheint es, sein Gebiet auf Kosten seiner Nachbarn vergrößert und selbst südlich des Kophenflusses festen Fuß gefaßt; Sangaios, der als Flüchtling zu Taxiles gekommen war, hatte seine Herrschaft durch ihn verloren; als Alexanders Herolde die Fürsten Indiens gen Nikäa beschieden, hatte Astes so wenig wie Assakenos Folge geleistet. Aber der glückliche Fortgang der makedonischen Waffen, das Anrücken des Königs, der Tod des Assakenos bewogen den Fürsten von Peukela, um wenigstens nicht persönlich dem großen Könige und seiner furchtbaren Kriegsmacht gegenüberzutreten, sein Stammland zu verlassen und in seinem neuen Gebiete südwärts vom Kophen Zuflucht zu suchen; dort auf einer festen Felsenburg hoffte er der makedonischen Südarmee Trotz bieten zu können. Indessen hatte Hephaistion bei seinem Vorrücken sich vor die Festung gelegt und sie nach einer dreißigtägigen Belagerung erstürmt; bei dem Sturme war Astes selbst umgekommen, und Sangaios, der sich bei Taxiles befand, wurde mit Bewilligung Alexanders in den Besitz der Stadt gesetzt. Die Stadt Peukela selbst, ohne Herrn und ohne Verteidiger, ergab sich, sobald Alexander aus dem benachbarten Assakenerlande heranzog, freiwillig; sie erhielt makedonische Besatzung. Ihrem Beispiele folgten die anderen minder bedeutenden Städte bis zum Indus, zu dem der König hinabziehend nach Embolima, einige Meilen oberhalb der Kophenmündung, ging.
So war im Laufe des Sommers durch eine Reihe bedeutender und mühseliger Kämpfe das Land von den Paropamisaden bis zum Indus unterworfen. Auf der Südseite des Kophen, wo das Flußtal bald durch öde Gebirge geschlossen wird, hatte Hephaistion das Land in Besitz genommen, und die Bergfeste des Astes sowie Orabatis, die er genommen und mit Makedonen besetzt hatte, wurden die militärischen Stützpunkte für die Behauptung des Südufers. Im Norden waren nacheinander die Flußtäler des Choaspes, des Guraios und des Suastos, das Gebiet der Aspasier, der Guraier, der Assakener und Peukelaoten durchzogen, die Barbaren am oberen Choaspes und am Guräos weit in die Gebirge zurückgesprengt, endlich durch die Festungen Andaka und Arigaion das Tal der Guraier, durch Massaga, Ora, Bazira das Gebiet der Assakener, durch Peukela das Westufer des Indus gesichert. Das Land trat, obschon es zum guten Teil unter einheimischen Fürsten blieb, fortan in ein Verhältnis der Abhängigkeit gegen Makedonien, und erhielt unter dem Namen des diesseitigen Indien einen eigenen Satrapen.
Nur eine Bergfeste in der Nähe des Indus war noch von Indern besetzt; die Makedonen nannten sie Aornos, gleich als ob der Flug der Vögel nicht zu ihr hinausgereicht hätte. Von der Mündung des Kophen in den Indus etwa fünf Meilen entfernt, erhebt sich ein letzter Vorsprung der nordwestlichen Gebirge, eine einzelne Felskuppe, die nach der Angabe der Alten am Fuß etwa vier Meilen im Umfang und eine Höhe von 5000 Fuß haben soll; auf der Platte dieser steilen Bergmasse lag jene merkwürdige Felsenfestung, deren Mauern Gärten, Quellen und Holzung umschlossen, so daß sich Tausende von Menschen jahraus, jahrein oben erhalten konnten. Dorthin hatten sich viele Inder des flachen Landes geflüchtet, voll Vertrauen auf die Sicherheit dieses Königssteines, von dessen Uneinnehmbarkeit mannigfache Sagen im Schwange waren. Desto notwendiger war es für den König, diesen Felsen zu erobern; er mußte den moralischen Eindruck berechnen, den eine glückliche Unternehmung gegen Aornos auf seine Truppen und auf die Inder zu machen nicht verfehlen konnte; er mußte vor allem darauf Rücksicht nehmen, daß dieser wichtige Punkt in Feindeshand den gefährlichsten Bewegungen in seinem Rücken Anlaß und Anhalt werden konnte. Jetzt, nachdem das Land umher unterworfen, nachdem es durch die feste Stellung am Indus möglich geworden war, das Belagerungsheer, wielange auch die Belagerung währen mochte, mit Vorräten zu versorgen, begann Alexander seine ebenso verwegenen, wie gefährlichen Operationen. Sein unerschütterlicher Wille, diese Feste zu nehmen, war das einzige, was den glücklichen Erfolg denkbar machte. Er ließ Krateros in Embolima am Indus zurück; er nahm nur die Agrianer, Bogenschützen, die Taxis des Koinos und eine Auswahl leichtester Leute von den anderen Taxen, 200 Reiter von den Hetairen, 100 Bogenschützen zu Pferd mit sich; er lagerte sich mit diesem Korps am Fuße des Felsens. Aber nur ein Weg führte hinauf, und dieser war so geschickt angelegt, daß er an jedem Punkte leicht und vollkommen verteidigt werden konnte. Da kamen Leute aus der Nähe des Felsens zu ihm, die sich ihm ergaben und sich erboten, ihn zu der Stelle des Felsens zu führen, von wo aus die Feste anzugreifen und nicht schwer zu nehmen sein werde. Ptolemaios, des Lagos Sohn, der Somatophylax, wurde mit den Agrianern, dem übrigen leichten Volk und ausgewählten Hypaspisten beauftragt, mit den indischen Männern den Felsen zu ersteigen; auf rauhen und schwierigen Fußsteigen gelangte er, den Barbaren unbemerkt, zu der bezeichneten Stelle, verschanzte sich dort durch ein Pfahlwerk und zündete das verabredete Feuerzeichen an. Sobald dies der König gesehen, beschloß er den Sturm für den nächsten Morgen, in der Hoffnung, daß Ptolemaios von der Höhe des Gebirges aus zugleich angreifen werde. Indes war es unmöglich, von der Tiefe her das Geringste zu gewinnen; die Inder, von dieser Seite vollkommen sicher, wandten sich mit desto größerer Keckheit gegen die von Ptolemaios besetzten Höhen, und nur mit der größten Anstrengung gelang es dem Lagiden, sich hinter seinen Schanzen zu behaupten. Seine Schützen und Agrianer hatten den Feind sehr mitgenommen, der sich mit Anbruch der Nacht in seine Feste zurückzog.