Ein teurer Kopf und ein wohlfeiler
Als der letzte König von Polen noch regierte, entstand gegen ihn eine Empörung, was nichts Seltenes war. Einer von den Rebellern, und zwar ein polnischer Fürst, vergass sich so sehr, dass er einen Preis von 20000 Gulden auf den Kopf des Königs setzte. Ja, er war frech genug, es dem König selber zu schreiben, entweder um ihn zu betrüben oder zu erschrecken. Der König aber schrieb ihm ganz kaltblütig zur Antwort: "Euern Brief habe ich empfangen und gelesen. Es hat mir einiges Vergnügen gemacht, dass mein Kopf bei Euch noch etwas gilt. Denn ich kann Euch versichern: für den Eurigen gäb' ich keinen roten Heller."
Ein Wort gibt das andere
Ein reicher Herr im Schwabenland schickte seinen Sohn nach Paris, dass er sollte Französisch lernen und ein wenig gute Sitten. Nach einem Jahr oder drüber kommt der Knecht aus des Vaters Haus auch nach Paris. Als der junge Herr den Knecht erblickte, rief er voll Staunen und Freude aus: "Ei, Hans, wo führt dich der Himmel her? Wie steht es zu Hause, und was gibt's Neues?"—"Nicht viel Neues, Herr Wilhelm, als dass vor zehn Tagen Euer schöner Rabe krepiert ist, den Euch vor einem Jahr der Weidgesell geschenkt hat."
"O das arme Tier", erwiderte der Herr Wilhelm. "Was hat ihm denn gefehlt?"
"Drum hat er zu viel Luder gefressen, als unsere schönen Pferde verreckten, eins nach dem andern. Ich hab's gleich gesagt." "Wie! Meines Vaters vier schöne Mohrenschimmel sind gefallen?", fragte der Herr Wilhelm. "Wie ging das zu?"
"Drum sind sie zu sehr angestrengt worden mit Wasserführen, als uns
Haus und Hof verbrannte, und hat doch nichts geholfen."
"Um Gottes willen!" rief der Herr Wilhelm voll Schrecken aus. "Ist unser schönes Haus verbrannt? Wann das?"
"Drum hat man nicht aufs Feuer achtgegeben an Ihres Herrn Vaters seliger Leiche, und ist bei Nacht begraben worden mit Fackeln. So ein Fünklein ist bald verzettelt!"
"Unglückliche Botschaft!", rief voll Schmerz der Herr Wilhelm aus.
"Mein Vater tot? Und wie geht's meiner Schwester?"