Der achte fragt: "Wie kann einer zur Sommerszeit im Schatten von
Bern nach Basel reiten, wenn auch die Sonne noch so heiss scheint?"
Der Jud sagt: "Wo kein Schatten ist, muss er absteigen und zu Fuss
gehn."
Fragt der neunte: "Wenn einer im Winter von Basel nach Bern reitet und hat die Handschuhe vergessen, wie muss er's angreifen, dass es ihn nicht an die Hand friert?" Der Jud sagt: "Er muss aus der Hand eine Faust machen."
Fragt der zehnte: "Warum schlüpfet der Küfer in die Fässer?" Der Jud sagt: "Wenn die Fässer Türen hätten, könnte er aufrecht hineingehen."
Nun war noch der elfte übrig. Dieser fragte: "Wie können fünf Personen fünf Eier teilen, also dass jeder eins bekomme und doch eins in der Schüssel bleibe?" Der Jud sagte: "Der letzte muss die Schüssel samt dem Ei nehmen, dann kann er es darin liegen lassen, solang er will."
Jetzt war die Reihe an ihm selber, und nun dachte er erst einen guten Fang zu machen. Mit viel Komplimenten und spitzbübischer Freundlichkeit fragte er: "Wie kann man zwei Forellen in drei Pfannen backen, also dass in jeder Pfanne eine Forelle liege?" Das brachte abermal keiner heraus, und einer nach dem andern gab dem Hebräer seinen Zwölfer.
Der Hausfreund hätte das Herz, allen seinen Lesern, von Mailand bis nach Kopenhagen, die nämliche Frage aufzugeben, und wollte ein hübsches Stück Geld daran verdienen, mehr als am Kalender selber, der ihm nicht viel einträgt. Denn als die elfe verlangten, er sollte ihnen für ihr Geld das Rätsel auch auflösen, wand er sich lange bedenklich hin und her, zuckte die Achseln, drehte die Augen. "Ich bin ein armer Jüd", sagte er endlich. Die andern sagten: "Was sollen diese Präambeln? Heraus mit dem Rätsel!"—"Nichts für ungut!"—war die Antwort—"dass ich gar ein armer Jüd bin."—Endlich nach vielem Zureden, dass er die Auflösung nur heraussagen sollte, sie wollten ihm nichts daran übelnehmen, griff er in die Tasche, nahm einen von seinen gewonnenen Zwölfern heraus, legte ihn auf das Tischlein, so im Schiffe war, und sagte: "Dass ich's auch nicht weiss. Hier ist mein Zwölfer!"
Als das die andern hörten, machten sie zwar grosse Augen und meinten, so sei's nicht gewettet. Weil sie aber doch das Lachen selber nicht verbeissen konnten, und waren reiche und gute Leute, und der hebräische Reisegefährte hatte ihnen von Kleinen-Kems bis nach Schalampi die Zeit verkürzt, so liessen sie es gelten, und der Jud hat aus dem Schiff getragen—das soll mir ein fleissiger Schüler im Kopf ausrechnen: wie viel Gulden und Kreuzer hat der Jude aus dem Schiff getragen? Einen Zwölfer und einen messingenen Knopf hatte er schon. Elf Zwölfer hat er mit Erraten gewonnen, elf mit seinem eigenen Rätsel, einen hat er zurückbezahlt und dem Schiffer achtzehn Kreuzer Trinkgeld entrichtet.
Erinnerung an die Kriegszeit
Es ist nicht zu leugnen: wenn hie und da ein siegreiches Truppenkorps in eine feindliche Landschaft einrückte und Quartiere nahm, dass sich alsdann der arme Einwohner viel musste gefallen lassen, nicht nur von der Notwendigkeit, sondern auch von dem Unverstand und höhnendem Übermut. Zu einem solchen Unteroffizier, als er eben am Mittagessen war, kam sein Kamerad und verwunderte sich über ihn mit folgenden Worten:
"Herr Kamerad", sagte er zu ihm, "seit wann seid Ihr ein Jude geworden, dass Ihr Euch zwicken lasst? Euch ist seit gestern ein kurioser Bart gewachsen."