Vor Jahrhunderten breitete sich eine dichte Waldung von hier aus bis Wiesenthal an der böhmischen Grenze. Reisenden war in der Nähe, wo jetzt Elterlein liegt, ein Altärlein für die Andacht aufgerichtet, um welches sich bald einige Häuserlein erhoben, die Schutz und Nahrung gewährten. Sie hießen: »die Häuser am Altärlein« und gaben Anlaß für die allmählige Erbauung des Städtchens, welches in seinem Rathssiegel ein Altärlein mit 2 Kerzen bis zur Stunde führt und eigentlich Altärlein, statt Elterlein heißen sollte.[14]

Noch werfen wir einen Blick von unserm Scheibenberge aus gegen Süden; ein langes Dorf, Crottendorf genannt, zieht sich mit seinen 294 Gütern und Häusern, welche 2530 Menschen bewohnen, über eine Stunde lang herab, nach dem umbuschten und in Laubgrün gehüllten Walthersdorf. Beide haben weit ausgedehnte Fluren für ihren bedeutenden Flachsbau, der leider! meist roh in's Ausland verführt wird, weil Niemand spinnen kann und mag, so lange das Spitzenklöppeln einige Pfennige für den Tag mehr einbringt. Nicht weit entfernt vom obern Theile Crottendorfs liegt der sogenannte fiscalische Marmorbruch, der mehr für eine großartige Kalkbrennerei, als für die Bildhauerkunst benutzt wird, weil ein dortiger Marmorarbeiter sich mehr andern Beschäftigungsarten zugewendet hatte und dabei seine eigene Kunst vernachlässigte. Wir verlassen die Berghöhe, auf welcher kein Strauchholz die Aussicht störte, indem wir dem fernen Greifenstein im Norden, welcher seine wulstigen Granitmassen noch über die ihn umgebenden Fichten erhebt, so wie dem entlegenen Auersberg im Westen und dem Fichtelberg im Süden einige freundliche Blicke zuwerfen, und treten bald eine zweite Wanderung an, ehe die Sonne lange Schatten zieht.


Druck der Teubner'schen Officin in Leipzig.


Fußnoten

[1] Diese und alle folgende derartige Angaben sind aus den Schriften des Central-Comité des statistischen Vereins vom Jahre 1837 genommen.

[2] Schwarzenberg brannte am 2. Mai 1824 bis auf das Schloß und die Kirche nieder, ist aber mit weit hübscheren Häusern, die dem Städtchen eine entsprechende Sauberkeit verleihen, völlig wieder aus der Asche hervorgegangen.

[3] In den ältesten Zeiten war es ein Kugelhammer, verfiel aber in eine Caducität. Am 9. Octbr. 1557 verlieh Kurfürst August dieses verfallene Werk an den Bergschreiber Hans Schwarz in Annaberg.