In Gegenwart des allgeliebten Wesens.

Der Friede Gottes, dem frommen Gemüt eines Kindes entflossen, er ist es, der Goethes letzten Brief an Gustchen Stolberg durchzieht; die reine Seele, die nur darum in Goethes Leben eingetreten zu sein scheint, um wie ein Spiegel das Bild seines Liebens aufzunehmen, sie hat nun ihre Sendung ganz erfüllt, da auch Ulrikens ätherischer Geist leise an ihr vorübergeglitten ist.

Eine zierliche Greisin, das feine Gesicht von kurzgeschnittenen silberweißen Haaren umrahmt, hat Gustchen im Kreise liebender Enkel ihren Lebensabend verbracht, regsam und anteilnehmend bis ans Ende. Sie ist gestorben in Kiel am 30. Juni 1835.

Max Hecker.

Goethes Briefe

an

[Der erste Brief]

Meine Teure — ich will Ihnen keinen Nahmen geben, denn was sind die Nahmen Freundinn Schwester, Geliebte, Braut, Gattin, oder ein Wort das einen Complex von all denen Nahmen begriffe, gegen das unmittelbaare Gefühl, zu dem — ich kann nicht weiter schreiben, Ihr Brief hat mich in einer wunderlichen Stunde gepackt. Adieu, gleich den ersten Augenblick! —

Ich komme doch wieder — ich fühle Sie können ihn tragen diesen zerstückten, stammelnden Ausdruck wenn das Bild des Unendlichen in uns wühlt. Und was ist das als Liebe! — [Musste er Menschen machen nach seinem Bild], ein Geschlecht das ihm ähnlich sey, was müssen wir fühlen [wenn wir Brüder finden], unser Gleichniss, uns selbst verdoppelt.

Und so solls weg, so sollen Sie's haben dieses Blat, obiges schrieb ich wohl vor acht Tagen, unmittelbaar auf den Empfang Ihres Briefs.