Die Nachtigall im Schlafe
Hast du versäumt,
Drum höre nun zur Strafe
Was ich gereimt.
Schwer lag auf meinem Busen
Des Reimes Joch,
Die schönste meiner Musen,
Du — schliefst ja noch.

2.

Ein grauer trüber Morgen
Bedeckt mein liebes Feld,
Im Nebel tief verborgen
Liegt um mich her die Welt.
O liebliche Friedricke,
Dürft’ ich nach dir zurück,
In einem deiner Blicke
Liegt Sonnenschein und Glück.

Der Baum, in dessen Rinde
Mein Nam’ bei deinem steht,
Wird bleich vom rauhen Winde
Der jede Lust verweht.
Der Wiesen grüner Schimmer
Wird trüb wie mein Gesicht,
Sie sehn die Sonne nimmer
Und ich Friedricken nicht.

Bald geh’ ich in die Reben
Und herbste Trauben ein,
Umher ist Alles Leben,
Es sprudelt neuer Wein.
Doch in der öden Laube,
Ach, denk’ ich, wär’ Sie hier?
Ich brächt’ ihr diese Traube,
Und Sie — was gäb’ Sie mir?

3.

Ach, bist du fort? aus welchen güldnen Träumen
Erwach’ ich jetzt zu meiner Qual!
Kein Bitten hielt dich auf, du wolltest doch nicht säumen,
Du flogst davon zum zweitenmal.

Zum zweitenmal sah ich dich Abschied nehmen,
Dein göttlich Aug’ in Thränen stehn,
Für deine Freundinnen — des Jünglings stummes Grämen
Blieb unbemerkt, ward nicht gesehn.

O warum wandtest du die holden Blicke
Beim Abschied immer von ihm ab?
O warum ließest du ihm nichts, ihm nichts zurücke
Als die Verzweiflung und das Grab?

Wie ist die Munterkeit von ihm gewichen!
Die Sonne scheint ihm schwarz, der Boden leer,
Die Bäume blühn ihm schwarz, die Blätter sind verblichen,
Und Alles welket um ihn her.